Hase-Stoß: ahn dem hasenstoß
Beleg
Standard-Flurname
Hase-Stoß
Belegort
Belegtyp
historisch
Belegzeit
1591
Quelle
Staatsarchiv Marburg, Hanauer Urkunden, Ämter, Orte und Beamte.
Weitere Belege
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Hase
Zu ahd. haso, mhd. hase, has sw. M. ‚Hase‘. Die FlN weisen meist auf Stellen hin, an denen man häufig Feldhasen beobachten konnte (Hasensprung, -lauf, -spiel, -tänzer), zum Teil auch auf die Grenzpfosten von Niederwildgehegen, auf denen oft Hasen abgebildet waren (Hasenstell, -stock, -tritt, -geführt) und in denen gejagt wurde (Hasengarn). - Einige FlN gehen vielleicht auch auf die FamN Hase, Haas, Hass zurück.
Stoß
Name eines Waldstücks mit Steilhang. Der Name gehört deshalb zu ahd. mhd. stôz st. M. ‚Stich, Stoß‘ in der Bedeutung ‚jäher Abhang, Hügel‘.
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Hase
Zu ahd. haso, mhd. hase, has sw. M. ‚Hase‘. Die FlN weisen meist auf Stellen hin, an denen man häufig Feldhasen beobachten konnte (Hasensprung, -lauf ), zum Teil auch auf die Grenzpfosten von Niederwildgehegen, auf denen oft Hasen abgebildet waren (Hasenstock, -stecken, -säule). Dazu vermutlich auch Hosenbaum ( *Hasenbaum). Einige FlN gehen wohl auch auf die FamN Hase, Haas zurück (Babenhausen, Unter-Scharbach). Vereinzelt kann es auch Vermischung mit Hasel (mit unterschiedlich motivierter Veränderung der Liquide zum Nasal) (Spachbrücken, Zeilhard) gegeben haben. Hasenzahl, -wedel (auch -leuchter?) beziehen sich auf die Grundstücksform. Hasenrettich (Kirschhausen) ist amtlich umgedeutet aus *-rödich ‚wo gerodet wurde‘. Unklar ist der Beleg aus Semd.
Stoß
Von den beiden Hauptbezügen der Stoß-FlN als ‚jäher Abhang, Hügel‘ und ‚Stelle, wo Äcker aufeinanderstoßen‘ trifft hier der erste Sachverhalt zu, da der FlN an einem ziemlich steilen Hang haftet. Der Name geht damit auf ahd. mhd. stôʒ st. M. ‚Stich, Stoß‘ zurück.
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Stoß m. / Stutz m.
- 1A
Der Stoß, ahd. stôz st.m. (Schützeichel 185), mhd. stôz, st.m. (Lexer 2, 1217) ist Substantivierung zu stoßen (Weigand/Hirt 2, 980). In FlN haben sich - von der allgemeinen Bedeutung des ,(An-)Stoßens‘ ausgehend - zwei verschiedene Sonderbedeutungen niedergeschlagen: l. ‚jäher Abhang, Hügel‘ (Dittmaier 304; nach RheinWb 8, 762 auch ‚kurzer, steiler Weg, Anstieg‘), das sich auch im Wortgebrauch in Hessen restweise nachweisen läßt (HNassWb 3, 813). 2. ‚Stelle, wo Äcker aufeinanderstoßen‘ (Dittmaier ebd. nach KehreinNb 567), also sachentsprechend Anwender, Anthaupt (K. 8, 9) (DWB 19 [X, III], 475). Die Namenformen und Kombinationstypen sowie die Verbreitung der Namen machen es wahrscheinlich, daß die Hauptmasse der Namen auf die erste Bedeutung zurückgeht. Stoß, durchweg kurzvokalisch, weist neben der dialektal üblichen Hebung > /u/ (/ʃdus/‚ manchmal /ʃdu:s/) mitunter eine umgelautete Variante /ʃdös, ʃdes, ʃdis/ auf. Vereinzelt sind unverschobene Formen < mnd. stôt m. (Schiller/Lübben 4, 417) belegt.
- 1B
Der Stutz, mhd. stuz, stutz st.m. ‚Stoß, Anprall‘ (Lexer 2, 1283), ist eine Substantivierung zu stutzen ‚stoßen, hemmen, zögern, prangen, aufrecht stehen‘, einem Intensivum zu stoßen (Kluge/Mitzka 762). Das Wort ist in der Bedeutung ‚Stoß‘ und in der Redensart auf den Stutz ‚plötzlich, unerwartet‘ im Hessischen gebräuchlich (Crecelius 825; Vilmar 407; HNassWb 3, 892; vgl. DWB 20 [X, IV], 738). Aus der Bedeutungskomponente von stutzen ‚steil aufrecht stehen oder stellen‘ (DWB 20 [X, IV], 767) hat sich vor allem im Alemannischen Stutz ‚steiler Hang‘ herausgebildet (DWB 20 [X, IV]‚ 739), das auch im Odenwald und in Mainfranken verbreitet ist (Valtavuo 75-77). Mit diesem Sachbezug tritt auch der hessische FlN auf. Neben Stutz ist die gesenkte Form /ʃdods/ üblich.
- 2B
Bei Stutz ist in Einzelfällen Vermengung mit Stutzen m. ‚Stumpf, Stummel‘ (DWB 20 [X, IV], 755) nicht auszuschließen. Wahrscheinlich gehören die Belege in 5718d2 Rodheim v.d.H. WET, 6117b1 Pfungstadt DAD, 6217d1 Allmendfeld GRG eher zu Stutzen. Manchmal scheint Vermischung mit Sturz eingetreten zu sein, was von der Sache her mit ‚Bergabfall‘ erklärt werden kann.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 88
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Hase-Stoß: ahn dem hasenstoß (Eidengesäß)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/709131_ahn-dem-hasenstoss> (aufgerufen am 04.11.2026)
Kurzform der URL für Druckwerke
https://lagis.hessen.de/resolve/de/fln/709131