Kandel-Horst: GROSSER KENNELHORST
Weitere Belege
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Horst
Zu ahd. mhd. hurst st. F. ‚Gebüsch, Gestrüpp, Dickicht‘, mit den Sonderbedeutungen ‚stehen gebliebenes Waldstück‘, ‚Erhöhung im Sumpfgebiet‘ u. ä. Die FlN verweisen in der Regel auf mit dichtem Gebüsch bewachsenes Gelände.
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Horst
Zu ahd. mhd. hurst st. F. ‚Gebüsch, Gestrüpp, Dickicht‘, mit den Sonderbedeutungen ‚stehen gebliebenes Waldstück‘, ‚Erhöhung im Sumpfgebiet‘ u. ä. Die FlN verweisen in der Regel auf mit dichtem Gebüsch bewachsenes Gelände. Die ältesten Belege (frühes 14. Jh.) zeigen den mhd. Lautstand hurst, später wurde gelegentlich umgelautet zu Hürst oder gesenkt zu Horst (seinerseits umgelautet zu Hörst). Aus Hürst wurde durch Entrundung Hirst (Pfungstadt), das dann im Einzelfall auch zum Ausgangspunkt für eine Umdeutung zu Hirsch (Gernsheim) werden konnte. Dem rezenten amtlichen Namen Horschet (Neutsch) liegt die dialektale Form /horʃd/ zu Grunde. In Klein-Welzheim tritt die Diminutivform Hürstchen auf.
Kandel
Zu ahd. kanal, kanali ‚Regenrinne, Wasserrinne‘, mhd. kanel, kenel, kandel st. M. ‚Kanal, Röhre, Rinne‘, einer frühen Entlehnung aus lat. canālis. Die FlN beziehen sich meist auf künstliche Abzugsrinnen und Gräben, gelegentlich auch auf Rinnen, die das Wasser selbst in den Boden gegraben hat. Die Mehrzahl der Belege zeigt den jüngeren Gleitlaut /d/ zwischen /n/ und /l/. Der Beleg aus Trebur gibt den älteren Sprachstand wieder; in Erzbach, Gersprenz und Groß-Gumpen haben sich, teils nur rezent, einzelne Kannel-Belege erhalten.
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Kannel f., m. / Rinne f.
- 1A
Kannel, ahd. kanali ,Kanal‘ (Graff 4, 453), canal, mhd. kanel, kenel st.m. ‚Kanal, Röhre, Rinne‘ (Lexer 1, 1509), ist Lehnwort zu lat. canalis ,Wasserrinne‘ und in den süddt. und westmitteldt. Dialekten als Wort erhalten (Müller/Frings 149f.; Post 56; Weigand/Hirt 1, 977). In FlN bezieht es sich auf ‚Straßenrinne oder überdeckter Abzugsgraben, Wassergraben oder Wasserrinne‘, mit der Wasser auf das Mühlrad geleitet wird (Dittmaier 128). Sowohl mhd. kanel wie die umgelautete Form kenel werden häufig später um den Gleitlaut /d/ zu kandel und kendel erweitert (Kluge/Mitzka 345; DWB 11 [V], 161), was im /nd/ > /ng/-Gutturalisiemngsgebiet weiter zu /kaŋel, keŋel/ verändert wird (vgl. auch DWB 11 [V], 530). Im Hessischen gilt Kannel, Kennel u. ä. allgemein als Bezeichnung einer Rinne, besonders aber der Dachrinne (Vilmar 191f.; KehreinWb 220f.; SHessWb 3, 1085f.). Das Genus schwankt zwischen fern. und mask.
- 1B
Rinne, ahd. rinna f. ‚Rinne, Wasserfall‘ (Graff 2, 519), mhd. rinne, rënne sw.f. (Lexer 2, 451) ist Substantivierung zu rinnen (Weigand/Hirt 2, 592; Kluge/Mitzka 601; DWB 14 [VIII], 1019) und entspricht auch in FlN Kannel, Kennel (Dittmaier 247f.). Rinne ist in den Bedeutungen ‚Abzugsrinne, Rinne zum Bewässern von Wiesen, Dachrinne‘ in Hessen als Wort belegt, scheint jedoch nicht besonders gebräuchlich zu sein (HNassWb 2, 870). Die älteren hessischen Wörterbücher verzeichnen Rinne nicht. Von den Varianten /rine/ und /rene/ stellt sich die letztere, soweit nicht dialektale Senkung /i/ > /e/ vorliegt, zu mnd. renne (Schiller/Lübben 3, 460; HNassWb ebd.).
- 2A
Ausgesondert wurden die jüngeren Kanal-Namen (vgl. Kluge/Mitzka 345). Gelegentliche Vermengung mit Kandel ‚Kanne‘ f. (DWB 11 [V], 158f.) (als Formname) kann nicht ausgeschlossen werden.
- 2B
Als BT in FlN ist Rinne nicht sicher zu trennen von Rind-Namen und fällt formal auch mit den Rennwegen zusammen. Aufgenommen wurden deshalb nur die eindeutig identifizierbaren Namen als GT oder Simplex.
Mögliche Ablautvarianten wie Ronne, Runne (vgl. Dittmaier 250) kommen nur vereinzelt vor und sind nicht aufgenommen.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 122
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Kandel-Horst: GROSSER KENNELHORST (Breitenborn, A. W.)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/704216_grosser-kennelhorst> (aufgerufen am 31.10.2026)
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