Gemeine-Kraut-Garten: in Dem Gemeine Krautgarten

Historischer Beleg aus Breitenborn, A. W.  
Gemeinde
Gründau
Topografische Karten
KDR 100, TK25 1900 ff.
AEC416D7-3050-4A60-B27E-A826B70B90DD

Beleg

Standard-Flurname

Gemeine-Kraut-Garten

Belegort

Belegtyp

historisch

Belegzeit

1771

Quelle

Fürstliches Archiv Büdingen, Ackerbücher, Breitenborn 1771.

Deutungen

Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Garten

Zu ahd. gart, garto, mhd. garte sw. M. ‚Garten‘. Dazu gehören die Diminutive Gärtchen, Gärtches. Gärten sind in der Regel eingezäunte Flächen, meist in Ortsnähe.

Gemeine

Substantivbildung zu gemein (s. d.), durchweg fem., nur in Ruttershausen/Odenhausen wohl neutr.

Kraut

Zu ahd. krût ‚Kraut, Gras, Pflanze‘, mhd. krût st.N. ‚Kraut, Kohl‘. In den FlN kommt dabei insbesondere die Bedeutung ‚Kohlkraut, Weißkraut‘ in Betracht. In den Krautäckern und -gärten wurde das Gemüse gezogen, das keiner intensiven Pflege bedurfte. Die Gärten konnten daher auch etwas weiter von der Siedlung entfernt angelegt werden. Als Krautwiesen wurden bestimmte zu einem Hof gehörige Wiesen benannt, die über den Sommer hinweg kleinere Mengen Frischfutter liefern.

Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Garten

Zu ahd. gart, garto, mhd. garte sw. M. ‚Garten‘. Dazu gehören die Diminutive Gärtchen und Gärtlein. Gärten sind eingezäunte Flächen, meist in Ortsnähe.

Kraut

Zu ahd. krût ‚Kraut, Gras, Pflanze‘, mhd. krût st. N. ‚Kraut, Kohl‘. In den FlN kommt dabei insbesondere die Bedeutung ‚Kohlkraut, Weißkraut‘ in Betracht. In den Krautäckern und -gärten wurde das Obst und Gemüse gezogen, das keiner intensiven Pflege bedurfte. Die Gärten konnten daher auch etwas weiter von der Siedlung entfernt angelegt werden. Als Krautwiesen wurden auch bestimmte zu einem Hof gehörige Wiesen benannt, die über den Sommer hinweg kleinere Mengen Frischfutter liefern. Ob diese Bedeutung auch in Südhessen vorliegt, ist aber unklar.

Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)

Gemeine, Gemeinde f.

1

Gemeine und Gemeinde, „die Doppelform, in der das Wort von je her erscheint“ (DWB 5 [IV, I, 2], 3220), ist Substantiv zu gemein (DWB 5 [IV, I, 2], 3169-3220); ahd. kimeinî f. und gimeinida f. (DWB ebd.; Schützeichel 124), mhd. gemeinde st.f., gemeine, gemein st. f. (Lexer 1, 839, 841). Von dem weiten und differenzierten Bedeutungsspektrum ist für die FlN-Gebung die Komponente ‚Gemeindegrund‘ maßgebend: „was einer ganzen Gemeine eines Orts an Hut und Weide oder andern zugehört, campus, pascua communia, locus publicus“ (DWB 5 [IV, I, 2] 3223). Das Wort ist insofern identisch mit Allmende (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 2). Als Bezeichnung für Grundstücke, insbesondere Weideflächen, an denen alle Dorfgenossen gemeinschaftlich Anteil haben, bzw. die sie gemeinschaftlich nutzen, erscheint das Wort in hessischen FlN im Simplex oder als Grundwort. Als BT wie in Gemeindeweg, Gemeindekirschbäume usw. ist vielfach unentscheidbar, ob die alte Bedeutung der Gemeine vorliegt oder ob Gemeinde ,Kommune‘ als neuzeitliche Verwaltungseinrichtung namengebend war.

Die Bedeutung ‚gemeinschaftlicher Anteil ist im Wortgebrauch verschwunden (vgl. KehreinWb 158; Crecelius 410; WaldWb 39; SHessWb 2, 1236ff.).

Welche Schattierungen in der Sach- und Rechtsbedeutung sich im einzelnen widerspiegeln, kann aus den Kombinationstypen der FlN nur beschränkt erschlossen werden. Insbesondere ist unklar, wo die Verbindung SN + -gemein(d)e auf gemeinschaftliche Nutzungsrechte benachbarter, auch wüst gefallener Siedlungen verweist (vgl. z. B. auch Koppel → Hessischer Flurnamenatlas, Karte 38) oder wo sie nur die relative Lage des Gemeinlands an der Gemarkungsgrenze bezeichnet.

Im Niederdt. ist die präfixlose Form mene, mênde u. ä. verbreitet (Schiller/Lübben 3, 65, 71); sie reicht vereinzelt bis ins Mitteldt. hinein (DWB 6 [IV, I, 3], 3221f.; Dittmaier 202) und kommt auch in hessischen FlN vor. Der Stammvokal ist oft entsprechend den dialektalen Verhältnissen zu /e(:)/, /a(:)/ (auch /o/ und /oa/) monophthongiert. Die /d/-haltige Form Gemeinde erscheint häufiger zu /ŋ/ gutturalisiert; oft entfällt aber auch die ganze Konsonantengruppe nach dem Stammvokal.

2

Die Schwierigkeit besteht in der Trennung der älteren von der jüngeren Gemeinde-Namenschicht. Es erwies sich als sachlich angemessen, nur die Gemein(d)e-Namen darzustellen, in denen Gemein(d)e als Simplex oder GT vorkommt. Damit ist auch stets das Substantiv im Eigennamen enthalten, während bei gemein(e)- als BT nicht immer klar ist, ob Subst. oder Adj. zugrunde liegt.

Vor allem sind damit aber die Fälle ausgeschlossen, die beim BT eine erhebliche Rolle spielen, nämlich die offensichtlich jungen, oft nur katasteramtlichen Namen, die die Kommune als Eigentümer nennen. Walemeine gehört zu Walme (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 2).

Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 3

Kraut n.

1

Von den vielfältigen Bedeutungen von nhd. Kraut, ahd. c(h)rût‚ chruit, chruot st.n. ‚Kraut, Gras, Pflanze‘ (Schützeichel 101), mhd. krût st.n. (Lexer 1, 1758) mit unklarer Etymologie (Weigand/Hirt l, 1142; Kluge/Mitzka 402) kommt für die FlN-Gebung insbesondere die Bedeutung ,Kohlkraut‘, ,Weißkraut‘ (DWB 11 [V], 2106) in Betracht. In dieser Bedeutung ist das Wort auch in ganz Hessen verbreitet (SHessWb 3, 1788ff.; WaldWb 62), wobei Vilmar 224 anmerkt, daß Kraut in Nordhessen üblicher sei als in Oberhessen, wo man eher Kohl als Bezeichnung verwende. KehreinWb 245 verweist nur auf ‚Feld- und Küchenkräuter‘.

Die meisten hessischen Kraut-FlN beziehen sich auf den ,(Weiß)-kraut‘-Anbau und sind insoweit synonym mit Kappes (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 24). Wieweit Kraut darüber hinaus mit Kohl konkurriert, kann nur abgeschätzt werden, da die rezenten Kohl-FlN die Herleitung von ‚Kraut‘ und ,Kohle(n)‘ so vermengen, daß keine formalen Trennungskriterien möglich sind.

2

Um die Bedeutung ,(Weiß)-kraut‘-Anbau auszusondern, blieben alle Namen unberücksichtigt, in denen ein bestimmtes Kraut namengebend war (häufig Bärenkraut). Unsicher ist nur die Zugehörigkeit der Krautwiesen. Denn diese bezeichnen nach Dittmaier 166 eine zum Hof gehörige Wiese, die den Sommer über kleinere Mengen Frischfutter liefert. Da diese Bedeutung einerseits in Hessen nicht belegt ist (HNassWb mündl.)‚ andererseits eine ganze Reihe Kappeswiesen (übrigens auch Kohlwiesen) zu vergleichen sind, so daß der Kombinationstyp wohl auf eine Nutzungsänderung hinweist, wurden die Krautwiesen hier aufgenommen. Die Belegorte sind: 5124b4 Konrode HRK, 5223b1 Großenmoor FUL, 53l9b2 Stangenrod GIE, 5322b1 Landenhausen VBK (vgl. Hilbig 79), 5323b2 Lüdermünd FUL, 5324b3 Silges FUL, 5324c3 Molzbach FUL, 5324d5 Hünhan FUL, 5422a3 Heisters VBK, 5422a5 Steinfurt VBK, 5423c4 Malkes FUL, 5423d2 Bimbach FUL, 5424a6 Kohlhaus FUL, 5424c8 Traisbach FUL, 5424d2 Petersberg FUL, 5424d4 Lehnerts FUL, 5425c8 Neuschwambach FUL, 5522c3 Reichlos VBK, 5522c7 Jossa FUL, 5621d2 Wenings WET, 5623a2 Hohenzell MKK, 5623c1 Gundhelm MKK, 5715c1 Esch RTK, 5817a5 Sulzbach (Taunus) MTK, 6218b2 Winterkasten BGS, 6218b4 Laudenau ODW. Der Schwerpunkt des Krautwiesen-Vorkommens liegt im Raum Fulda.

Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 25

Nachnutzung

Rechtehinweise

Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Gemeine-Kraut-Garten: in Dem Gemeine Krautgarten (Breitenborn, A. W.)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/704166_in-dem-gemeine-krautgarten> (aufgerufen am 31.10.2026)

Kurzform der URL für Druckwerke

https://lagis.hessen.de/resolve/de/fln/704166