Hauk-Boden: Im Hauckenn bodem

Historischer Beleg aus Altwiedermus  
Gemeinde
Ronneburg
Topografische Karten
KDR 100, TK25 1900 ff.
AEC416D7-3050-4A60-B27E-A826B70B90DD

Beleg

Standard-Flurname

Hauk-Boden

Belegort

Belegtyp

historisch

Belegzeit

1542

Quelle

Fürstliches Archiv Birstein, Akten, Nr. 12014.

Weitere Belege

Deutungen

Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Boden

Zu ahd. bodam, mhd. bodem st. M. ‚Boden, Grund‘. Die FlN beziehen sich in der Regel auf tiefer gelegenes Land, aber auch speziell auf die unterste Terrasse eines Weinberges.

Hauk

Zu ahd. houg, houc, hôg, mhd. houc st.N. ‚Hügel‘. Das Wort ist standardsprachlich wie dialektal ungebräuchlich geworden. Die Namen verweisen allgemein auf Hügel, teilweise auf vorgeschichtliche Grabhügel. - Die Zugehörigkeit des Belegs aus Laubach ist unsicher.

Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Boden

Zu ahd. bodam, mhd. bodem st. M. ‚Boden, Grund‘. Die FlN beziehen sich auf tiefer gelegenes Land, aber auch speziell auf die unterste Terrasse eines Weinberges. In Unter-Flockenbach findet sich in der amtlichen Schreibung der dialektale Wandel von /d/ zu /r/.

Hauk

Zu ahd. houg, houc, hôg, mhd. houc st. N. ‚Hügel‘. Das Wort ist standardsprachlich wie dialektal ungebräuchlich geworden. Die Namen verweisen allgemein auf Hügel, teilweise auf vorgeschichtliche Grabhügel1. Da mhd. /ou/ südhess. zu /ɑː/, verdumpft auch zu /oː/ geworden ist, sind viele ursprüngliche Hauk-Namen zu Haag (wie in Ginsheim-Gustavsburg) oder zu Hoch umgedeutet worden; eine sichere Zuordnung der nur in jüngerer Zeit belegten Namen ist deshalb nicht möglich. Mit der vorauszusetzenden Pluralform *höuger stehen möglicherweise die FlN Heier u. ä. in Zusammenhang (s. d.). Die Belege in Erfelden, Goddelau, Klein-Umstadt, Wolfskehlen gehen wohl auf eine Verkleinerungsform *höugel zurück, der FlN aus Groß-Umstadt vermutlich auf den FamN Hauk.

Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)

Boden m.

1

Die Boden-FlN haben ihre sprachhistorische Grundlage in ahd. bodam st.m. (Karg-Gasterstädt/Frings 1, 1243ff.), mhd. bodem, boden st.m. ‚Boden, Grund‘ (Lexer 1, 321; vgl. auch DWB 2 [III], 210; Weigand/Hirt 1, 262; Kluge/Mitzka 88).

Als Wort ist Boden in Oberhessen Bezeichnung für ‚den oberen Teil des Hauses, Speicher‘ und in der Zusammensetzung Bodenzins für ‚Grundzins‘ bekannt (Crecelius 185).

In Südhessen ist mit Boden allgemein ,Erdboden‘, als Fläche ‚gleicher Boden‘ und speziell die ,Ackerkrume‘, oft mit Qualitätsbeschreibung (sandiger, schwerer, schlechter Boden, Mutterboden, Lehmboden usw.) gemeint (SHessWb 1, 984ff.).

Die Bedeutung von Boden ist auch außerhalb Hessens ähnlich, wird aber noch um einige Varianten erweitert.

„Boden meint vorzugsweise den Ackerboden“, daneben ist „in den Böden“ gleichbedeutend mit ‚in den Tälern auf dem ebenen Land‘ (DWB 2 [II], 211).

Im Oberdeutschen bedeutet Boden eine ‚Ebene unter, am oder auf einem Berg, Terassenstücke an Halden‘ (Buck 32; Oeller 20); im Rheinischen die ‚unterste Terasse des Weinbergs‘ (RheinWb 1, 832; KehreinWb 86). Auch auf Boden als Benennung eines Teils der Landschaft wird verwiesen (PfälzWb l, 1067; SchwäbWb 1, 1256).

In FlN ist Boden als ‚flaches und bebaubares, freies und weites Gelände, oft im Talgrund gelegen‘, aber auch als ‚ebene Hochfläche‘ belegt (Keinath 60, 90; Knöpp 20; Danz 36f.). Nach Kehrein ist Boden ein in Hessen-Nassau häufig belegter FlN (KehreinNb 349f.).

Bei der Betrachtung des vorliegenden Namenmaterials kann man im wesentlichen drei verschiedene Sachbezüge feststellen, auf die sich die hessischen Boden-FIN beziehen.

l. Namengebend ist sehr oft die niedrige Lage oder die Tallage des benannten Flurstücks (vgl. Dittmaier 36; Bach 1925, 30; KehreinNb ebd.). Darauf weisen die folgenden, mehrfach belegten Namentypen hin: Kesselboden, Talboden, Bodental, Dellenboden, Niederbaden, im tiefen Boden, im untersten Boden.

2. Zahlreiche Belege der hessischen Boden-Flurnamen beziehen sich auf die Bodenqualität oder -farbe des jeweiligen Flurstückes (vgl. SHessWb 1, 986, 988): Kiesboden, Speckboden, Steinboden, Weißboden, Salzboden, Kalkboden, Sandboden, Simmetenboden, Fruchtboden, Faulebodenacker, -wiese, Moorboden, im faulen Boden, im sauren Boden, im bösen Boden, im roten Boden, im guten Boden; auch solche Namen, die auf ‚nasse Stellen‘ hinweisen: im nassen Boden, Lachboden, Bodenbrunkel, Bodenbruch, Klingenboden, Bodengalle.

3. Auf ebene Flächen, terrassenartige Lage und Größe der Flurstücke beziehen sich folgende Namen: Bodenplacken, Bodenflecken, Fleckenboden, Gleichenboden, am langen Boden, im großen Boden.

Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 95

Hauk m.

1

Hauk, ahd. h0ug, houc, hôg st.n. ,Hügel‘ (Schützeichel 87), mhd. houc st.n. ‚Hügel‘ (Lexer 1, 1356), geht zurück auf germ. *haugaz (Bischoff 1975, 3). Bischoff zeigt, daß das Spektrum der Bedeutungen zu erweitern ist. Ausgehend von 1) ,Grabhügel‘ und später auch ,Dingstätte‘; 2) ‚zum Zwecke der Grenzmarkierung aufgeworfener Steinhaufen‘ erweitert sich regional die Bedeutung auf ‚Hügel‘ schlechthin (Bischoff 1975, 4-16).

Als Wort ist Hauk den hessischen Mundartwörterbüchern nicht bekannt. In Namen tritt Hauk vor allem in der Rhön auf und bezeichnet meist größere Bodenerhebungen (T. Haas 1925, 1-16; Vilmar 1837, 253)

2

Die Identifizierung der Hauk-Namen bereitet größere Schwierigkeiten. Da mhd. /ou/ rheinfränkisch und im größten Teil Zentralhessens zu /a:/ geworden ist (Wiesinger K. 16), fällt mhd. houc mit dem Massennamen Haag zusammen (Knöpp 21). In Einzelfällen können auch noch Belege mit /o(:)/-Monophthong und /x/- Auslaut unter den Hoch-Namen verborgen sein. Die nach Bischoff 1975, 23ff. möglichen Varianten Heiger, Heger, Heier, Heuer u. ä. werden ihrer Umstrittenheit wegen (Kaufmann 1976, 179ff.; Laufs 504ff.; Ramge 1967, 147f.) nicht berücksichtigt.

Auffällig ist der in der Wetterau öfter vorkommende Kombinationstyp Kohlhauk. Diesen FlN liegt wohl eine Sachbedeutung zugrunde, die auf die Meilerwirtschaft (Dittmaier 156f.), eventuell auch auf Kohlenbrand (Arnold 570) hinweist. Die Namen wurden trotzdem berücksichtigt (vgl. auch Knöpp 19). Kohlhauk erscheint in folgenden Orten: 5319b4 Atzenhain VBK, 5420d5 Stockhausen GIE, 5520b4 Glashütten WET. Einen „Köhlerhauk“ gibt es in 5425d1 Kleinsassen FUL.

Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 72

Nachnutzung

Rechtehinweise

Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Hauk-Boden: Im Hauckenn bodem (Altwiedermus)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/700521_im-hauckenn-bodem> (aufgerufen am 04.11.2026)

Kurzform der URL für Druckwerke

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