Zippels-Vieh-Wiese: obendig zippels wihe wiessen
Beleg
Standard-Flurname
Zippels-Vieh-Wiese
Belegort
Belegtyp
historisch
Belegzeit
1524
Quelle
Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Abteilung 333, Akten Nr. 1916.
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Vieh
Zu ahd. fihu, mhd. vihe, vehe st. N. ‚Tier, Vieh‘. Der Name bezieht sich auf die Gesamtheit der Haus- und Weidetiere. Teils verweisen die FlN auf Viehweiden, teils auf Wege und Gassen, die zur Weide hinführen. Trieb und Trift (s.d.) kann in beiden Bedeutungen verwendet werden. - Bei Viehmal in Frankenbach liegt Umdeutung vor. Zu Grunde dürfte liegen entweder mhd. *vêhe-bühel ‚Streit-, Fehde- Hügel‘ oder mhd. *vohe-bühel ‚Fuchs-, Füchsin- Hügel‘.
Wiese
Zu ahd. wisa, mhd. wise sw. st. F. ‚Wiese‘. In FlN zeigt sich die allgemeine Bedeutung ‚zu mähende (kultivierte) Grünfläche‘.
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Vieh
Zu ahd. fihu, mhd. vihe, vehe st. N. ‚Tier, Vieh‘. Der Name bezieht sich auf die Gesamtheit der Haus- und Weidetiere. Teils verweisen die FlN auf Viehweiden, teils auf Wege und Gassen, die zur Weide hinführen. Trieb, Treib und Trift (s. d.) kann in beiden Bedeutungen verwendet werden. - In Bürstadt schließen sich die Fluren unmittelbar an die ausgedehnte Viehweide an, so dass die Form Febitter offenbar aus *Viehweide entstellt ist und so amtlich wurde. In den historischen Belegen aus Seeheim 1516 und 1541 kennzeichnet gg die Füllung des Hiatus; in dem von 1541 scheint darüber hinaus eine Diphthongierung vorzuliegen.
Wiese
Zu ahd. wisa, mhd. wise sw. st. F. ‚Wiese‘. In FlN zeigt sich die allgemeine Bedeutung ‚zu mähende (kultivierte) Grünlandfläche‘. Neben das Simplex und die zahlreichen Komposita treten die Diminutivformen Wieschen, Wießgen und Wiesel. Die zusammengehörigen Belege aus Auerbach und Bensheim zeigen einen zersprochenen Namen, dessen Zugehörigkeit zu Wiese im BT unsicher ist. Den ältesten Belegen aus Rüsselsheim liegt ein FamN Wiese zu Grunde.
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Zippen m.; Timpen m. / Zippel m. / Zappen m.
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Hauptname ist der Zipfen, mhd. zipf st.m. ‚spitzes Ende, Zipfel‘ (Lexer 3, 113l), nhd. zipf, zipfe m.: „Am meisten verbreitet, doch auf das hd. Gebiet beschränkt, ist die Bedeutung ‚Spitze, Ecke, Zipfel eines Tuches oder Kleidungsstücks‘, wofür die Schriftsprache das abgeleitete Zipfel verwendet“ (DWB 31 [XV], 1544).
Der Zippe oder Zippen ist im Hessischen als Wort noch durchaus geläufig (Vilmar 471; Crecelius 935; KehreinWb 451) und wird mit Zippel ‚Zipfel‘ zusammengebracht.
Im Niederdt. entspricht dem Wort im Anlaut unverschobenes und durch Nasal erweitertes Timp, Timpe m. (DWB 31 [XV], 1543), < mnd. timpe f. (Schiller/Lübben 4, 544), das als Timpe(n) ,Zipfel‘ auch im Waldeckischen gilt (WaldWb 104).
Zipfel, Zippel ist ursprünglich wohl Verkleinerungsform zu Zipf und tritt spätmhd. als zipfel st.m. mit der gleichen, aber auch der speziellen Bedeutung ,anhangender oder zwischeneingehender Land-, Waldstreifen‘ auf (Lexer 3, 1131; DWB 31 [XV], 1546).
Etymologisch nächstverwandt mit Zipf und Zipfel ist Zapfen, ahd. zapho m. ,Zapfen‘ (Graff 5, 640), mhd. zapfe sw.m., zapf st.m., md. zappe (Lexer 3, 1030; Kluge/Mitzka 874; Weigand/Hirt 2, 1302, 1330; DWB 31 [XV] 258ff.).
In den hessischen FlN erscheinen Zippen, Timpen, Zapfen durchweg in schwacher Deklination. Als Namen bezeichnen sie meist spitz- oder keilförmig zulaufende Geländeteile, sind also meist Formnamen, die sich, nach den Kombinationstypen zu urteilen, häufig auf Ausbuchtungen der Gemarkungsgrenze, aber auch vorspringender Waldstücke (→ Schachen K. 68) beziehen. Als Formnamen gehören Zipfen und Zapfen, obwohl von ihrer Wortbedeutung her nicht völlig gleichbedeutend, heute faktisch zusammen.
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1. Zipfen und Zapfen sind im Diminutiv kaum zu trennen, weil die Dialektform /dsebçe/ u. ä. auf beide Namen gleichermaßen rückführbar ist. Entschieden wurde nach Möglichkeit nach dem Kombinationstyp, z. B. /aiçdsebçe/ als Eichzippchen ‚kleiner Zipfen mit Eichenbestand‘, obwohl auch Zapf nicht ausgeschlossen ist: vgl. mhd. haselzapfe (Lexer 1, 1193). Auszusondern ist der SN „Zipfen“, Siedlung in 6119a6 Lengfeld DAD, der allerdings auf den dortigen Waldnamen „Zipf(en)“ zurückgeht (W. Müller 771f.).
2. Die wenigen Belege mit Zipfels-+ GT blieben unberücksichtigt, weil hier der BT eher auf den FamN Zipfel zurückgeht.
3. Von den möglichen Timpen-Varianten wurde nur diese Form aufgenommen, weil die von Leithaeuser 105 hinzugenommenen Varianten Timpel, Tempel offensichtlich jedenfalls in hessischen FlN nicht hierhergehören.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 67
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Zippels-Vieh-Wiese: obendig zippels wihe wiessen (Niederreifenberg)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/625963_obendig-zippels-wihe-wiessen> (aufgerufen am 03.11.2026)
Kurzform der URL für Druckwerke
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