Krappe-Kreuz: ahm Krappen Creutz

Historischer Beleg aus Wernborn  
Gemeinde
Usingen
Landkreis
Hochtaunuskreis
Topografische Karten
KDR 100, TK25 1900 ff.
AEC416D7-3050-4A60-B27E-A826B70B90DD

Beleg

Standard-Flurname

Krappe-Kreuz

Belegort

Belegtyp

historisch

Belegzeit

um 1634

Quelle

Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Abteilung 3/9, Akten Nr. 136.

Weitere Belege

Deutungen

Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Krappe

Krappe gehört in der Bedeutung ‚großer Haken zum Aufhängen‘ zu ahd. chrâpho, mhd. krapfe, krape sw. M. ‚Haken, Klammer‘. Das Wort ist im Hess. in der Regel nur in der kurzvokalischen und unverschobenen Form erhalten. Es handelt sich um einen FormN.

Kreuz

Zu ahd. krûzi, krûze, mhd. kriuze, krûze st.N. ‚Kreuz‘, einer Entlehnung aus gleichbedeutend lat. crux. In der FlN-Gebung sind Kreuz-Namen sehr häufig und allgemein verbreitet. Namengebend waren hölzerne oder steinerne Kreuze und Bildstöcke an Wegen und Landstraßen, gelegentlich auch Wegkreuzungen, die aber oft ebenfalls durch Kreuze markiert waren. Da Kreuzwege als unheimlich galten, haben sie Eingang in viele Ortssagen gefunden. Die Wegkreuze waren darüber hinaus in vielen Fällen Sühnekreuze, die als Teil der Wiedergutmachung nach Verbrechen am Tatort oder an gut sichtbarer Stelle errichtet werden mussten. - In Beuern scheint ein sonst ungebräuchlicher Plural auf /-er/ vorzuliegen.

Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Krappe

Krappe gehört in der Bedeutung ‚großer Haken zum Aufhängen‘ zu ahd. chrâpho, mhd. krapfe, krape sw. M. ‚Haken, Klammer‘. Das Wort ist im Hessischen in der Regel nur in der kurzvokalischen und unverschobenen Form erhalten. Es handelt sich um einen FormN. Die Belege sind nicht mit Bestimmtheit von südhess. Krapp, Krappe ‚Rabe‘ zu trennen, das seit fnhd. Zeit bezeugt ist. Die Krappertswiese (Groß-Gumpen) kann aus *Krapp(en)-hart entstanden sein oder auf einen FamN zurückgehen.

Kreuz

Zu ahd. krûzi, krûze, mhd. kriuze, krûze st. N. ‚Kreuz‘, einer Entlehnung aus gleichbedeutend lat. crux. In der FlN-Gebung sind Kreuz-Namen sehr häufig und allgemein verbreitet. Namengebend waren hölzerne oder steinerne Kreuze und Bildstöcke an Wegen und Landstraßen, gelegentlich auch Wegkreuzungen, die aber oft ebenfalls durch Kreuze markiert waren. Da Kreuzwege als unheimlich galten, haben sie Eingang in viele Ortssagen gefunden. Die Wegkreuze waren darüber hinaus in vielen Fällen Sühnekreuze, die als Teil der Wiedergutmachung nach Verbrechen am Tatort oder an gut sichtbarer Stelle errichtet werden mussten.

Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)

Krappen m. (f.) / Krempe f. / Krücke f. / Winkelhaken m.

Unter diesen Bezeichnungen sind FlN abgebildet, die sich als Formnamen im wesentlichen Merkmal auf den gleichen Sachverhalt beziehen: Sie bezeichnen ein hakenförmig abknickendes Geländestück, wobei dahingestellt bleibt, ob die Geländeform (z. B. Steilhang mit anschließender Ebene) oder - wohl in der überwiegenden Zahl der Belege - die Grundstücksform die namengebende Eigenschaft aufwies.

1A

Der Krappe oder Krappen, ahd. chrâpho sw.m. ‚Haken, Kralle‘ (Schützeichel 100), mhd. krapfe, krape sw.m. ‚Haken, Klammer, Türangel‘ (Lexer 1, 1712), nhd Krapfen (Kluge/Mitzka 401; Weigand/Hirt 1, 1139) ist im Hessischen nur in der kurzvokalischen und unverschobenen Form krapp(e) belegt (vgl. DWB 11 [V], 2062-2066); so schon bei E. Alberus: krapp. Als Bezeichnung für verschiedene Hakenarten gibt Vilmar 223 für Krappe an: „Vorzugsweise an der Schwalm und in Oberhessen gebräuchlich, wenn auch anderwärts in Hessen nicht unbekannt“. Als Sonderbedeutung in Rheinhessen nennt KehreinWb 244 „eine Art Karst zum Herausziehen des Mistes aus dem Stalle, in anderen Gegenden der Krampe", die auch in Südhessen verbreitet ist (SHessWb 3, 1768). Im Waldeckischen ist krape fem. (WaldWb 61). Als Bezeichnung für Flurstücke in der Form eines → Schlüssels (K. 61) ist Krappen zumindest in Teilen Mittelhessens mit Schlüssel im Wortgebrauch gleichbedeutend (Wenzel 29f. und K. 27; Stroh 21f.). Auch das Adj. krappig, heute nur noch in der Bedeutung ,übellaunig‘ u.ä. stellenweise gebräuchlich (SHessWb 3, 1771), tritt in hessischen FlN manchmal in der ursprünglichen Bedeutung ,hakenförmig‘ auf, auch substantiviert als „der Krappichte“ (52l8a4 Holzhausen MBK) u. ä.

1B

Der FlN die Krempe / die Krimpe ist als „alte Nebenform zu Krampe f.“ (DWB 11 [V], 2007) zu werten. Während Krampe mit fem. Genus nur mittel- oder niederdt. ist, ist das mask. Krampe oder Krampen oberdt. (DWB 11 [V], 2006). Beide bezeichnen verschiedenartige hakenförmige Gebilde. Für die hessischen Krempe-FlN ist wohl vielfach die waldeckische Wortbedeutung Krimpe f. ,Dachkehle, d.h. der Winkel, welcher von zwei aneinander stoßenden Dächern (z. B. des Haupthauses und eines Flügels oder des Hauses und Erkers) gebildet wird und in welchem das Wasser hinabfließt‘ (WaldWb 61), maßgebend. Daneben kennt das Waldeckische aber auch Krampe(n) m. ‚ein eiserner, geschlossener Haken in der Wand‘ (WaldWb ebd.). In der Hauptbedeutung ,Hakenförmiges‘ wird der Krampen in Südhessen gebraucht (SHessWb 3, 1747). Krampe ist etymologisch verwandt mit Krappen (Kluge/Mitzka 399, 400), mhd. krampe sw.m. ,Spitzhaue‘ (Lexer l, 1706). Als FlN scheinen Krempe und Krappen vollständig den gleichen Sachverhalt zu benennen.

1C

Auf die Hakenform bezieht sich auch der FlN Krücke, der zu ahd. krucka, chruckia f. (Graff 4, 591), mhd. krücke, krucke sw.st.f. ,Krücke‘ (Lexer 1, 1753), nicht umlautend mnd. krucke, krocke (Schiller/Lübben 2, 58l), gehört und von der allgemeinen Bedeutung ‚Krümmung, gekrümmtes Stück‘ (DWB 11 [V], 2426) bildlich auf entsprechende Flurformen übertragen wurde, wobei durchaus auch Krücke genannte Gebrauchsgegenstände wie Ofenkrücke („es ist eine Stange mit einem Haken vorn, der aber zum Brette verbreitert ist, um aus den großen alten Öfen Feuer, Kohlen, Asche hervorzuziehen“; DWB 11 [V], 2428) namengebendes Vorbild gewesen sein können. Als Wort ist Krücke in Hessen in der standardsprachlichen Bedeutung und einigen Spezialbedeutungen gebräuchlich (SHessWb 3, 1868f.; KehreinWb Nachtr. 31; WaldWb 62).

1D

Auch die Bezeichnung Haken selbst hat vielfältigen Niederschlag in hessischen FlN gefunden. Leider hat sich aber Haken so stark mit Hagen ,Hain‘ und Hack(en) vermengt, daß von den rezenten Belegen her eine Eingrenzung der Haken-Namen unmöglich ist. Es wird hier deshalb nur ein Kombinationstyp ausgewählt, der mit Sicherheit auf die Hakenform als namengebende Eigenschaft zurückgeführt werden kann: der Winkelhaken. Das Wort Winkelhaken ist seit dem 16. Jh. belegt (DWB 30 [XIV, II], 369f.) und bezeichnet wie Winkelmaß „ein aus zwei rechtwinklig miteinander verbundenen Linealen gebildetes Werkzeug aus Holz oder Metall, das zum Zeichnen und handwerklichen Gebrauch dient“ (DWB 30 [XIV, II], 372), ist aber kleiner als dieses. Obwohl das Wort in Hessen nicht nachgewiesen ist, steht außer Zweifel, daß die Form dieses Werkzeugs bildlich auf entsprechend geformte Geländestücke übertragen wurde.

2A

Die Krappe(n)-Namen sind durchweg eindeutig zu identifizieren. Dem einen oder anderen Graben-Beleg könnte ein unverstanden-umgebildetes Krappe(n) zugrunde liegen. Indizien, daß im Einzelfall der Name auf das als Nebenform im Südwestdeutschen verbreitete Krapp ,Rabe‘ (DWB 11 [V], 2066; SchwäbWb 4, 691, oder auf süd- und zentralhess. Gropp(en) ‚eiserner Kochtopf mit Deckel und zwei Griffen‘ (SHessWb 2, 1474f.) zurückgeht, liegen nicht vor. Der Beleg in 52l9a1 Roßberg MBK D: // - A: Krappe ist wegen der mündlichen Form eher als Besitzername (< Krupp(i)ch ‚kleiner, unansehnlicher Mensch‘ (Crecelius 525; SHessWb 3, l878f.)) zu deuten.

Unberücksichtigt blieben die Kreppel-/Kreppen-FlN, weil sie entweder zu Kräppel ,Backwerk‘ (das seinerseits etymologisch wohl zu Krappen gehört: Kluge/Mitzka 401) oder zu hess. Krebe(n) ‚Verschlag (zum Aufenthalt für Schweine)‘ gehören. Zu „Kreppelstein“ vgl. Gebhardt 113f.

2B

Bei Krampe/Krempe/Krimpe gibt es keine Identifizierungsprobleme. Die nordosthessischen Krempe-Namen könnten als Formnamen allerdings auch der Bedeutung ,aufgeschlagener (Hut-)Rand‘ (DWB 11 [V], 2007) zuzuordnen sein.

2C

Krücke (neben einigen unumgelauteten Krucken) tritt dialektal vorwiegend entrundet und teilweise zusätzlich gesenkt auf; dennoch ist die Identifizierung in der Regel eindeutig. Als BT ist bei entrundeten Belegen Vermengung mit Krieg(s)- möglich.

Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 60

Nachnutzung

Rechtehinweise

Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Krappe-Kreuz: ahm Krappen Creutz (Wernborn)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/624814_ahm-krappen-creutz> (aufgerufen am 03.11.2026)

Kurzform der URL für Druckwerke

https://lagis.hessen.de/resolve/de/fln/624814