Schaf-Under: AUF DER SCHAFUNNER [ʊf də ʃɑːfʊnɐ]
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Schaf
Zu ahd. scâf, mhd. schâf st.N. ‚Schaf‘. Die Schafhaltung hat als wichtiger Erwerbszweig im Raum Gießen reichen Niederschlag in FlN gefunden. Zahlreiche Namen beziehen sich auf Ställe: Schaf-hof, -haus, -stall sowie auf Weide- und Lagerplätze: -lager. - Beim nur historisch belegten Schafdoktor in Gießen ist nicht klar, ob sich die Nennung auf den Eigentümer oder auf das Grundstück bezieht. Schaftöter in Allendorf a.d.Lahn könnte sich auf ein Ereignis beziehen. - Schafmäuschen in Gießen / Wieseck ist eine Umdeutung, wie die historischen Belege zeigen: Der GT des Namens geht auf mhd. metze sw. M. ‚kleineres Trockenmaß‘ zurück und bezeichnet damit bildlich die Kleinheit des Grundstücks oder dessen geringen Ertrag.
Under
Die hier aufgeführten Namen gehören mit hoher Wahrscheinlichkeit zu ahd. untarn ‚Mittag‘, mhd. undern, untern st. M. ‚Mittag, Mittagessen‘, einer Ableitung von der Präposition ahd. untar in der Bedeutung ‚zwischen‘. Gemeint ist also eigentlich die Zwischenzeit zwischen Morgen und Abend. Von der Vorstellung der Mittagsruhe ausgehend, werden in FlN Rastplätze des Weideviehs und die Ruhestätten der Hirten und Schäfer benannt.
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Schaf
Zu ahd. scâf, mhd. schâf st. N. ‚Schaf‘. Die Schafhaltung hat als wichtiger Erwerbszweig reichen Niederschlag in FlN gefunden; zahlreiche Namen beziehen sich auf Ställe: Schafhof, -scheuer, -haus, -lager, -pferch sowie auf Weide- und Lagerplätze. In einigen Fällen scheint die Person des Schafhalters oder der FamN namengebend zu sein; so in der Schafskelter in Auerbach nach dem Zimmermann Hans Schaff (1518)
Under
Zu ahd. untarn ‚Mittag‘, mhd. undern, untern st. M. ‚Mittag, Mittagessen‘, einer Ableitung von der Präposition ahd. untar in der Bedeutung ‚zwischen‘. Gemeint ist also eigentlich die Zwischenzeit zwischen Morgen und Abend. Von der Vorstellung der Mittagsruhe ausgehend, werden in FlN Rastplätze des Weideviehs und die Ruhestätten der Hirten und Schäfer benannt. Die Belege in Astheim, Bensheim und Dietzenbach zeigen Gutturalisierung von /nd/ > /ŋ/, in Lorsch und Gumpersberg Assimilation von /nd/ > /n/.
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Under f.
- 1
Der Under, Unter ist eine hauptsächlich im Westmitteldt. und Oberdt. verbreitete Bezeichnung für die (Nach-)Mittagszeit, ahd. untarn st.m. ,Mittag‘ (Schützeichel 214), mhd. undern, untern st.m. (Lexer 2, 1792), und hängt mit der Präp. unter in der älteren Bedeutung ‚zwischen‘ zusammen (Kluge/Mitzka 806). Under(n) bezeichnet unterschiedliche Tageszeiten und auch die Zwischenmahlzeit (DWB 24 [XI‚III], 1691ff.), im Hessischen teils die Zeit zwischen 11 und 13 Uhr, teils zwischen 16 und 17 Uhr, teils den ganzen Nachmittag (Crecelius 841f.; HNassWb 4, 231). Im Wortgebrauch ist Undern heute im wesentlichen auf den Lahn-Dill-Raum, das Amöneburger Becken mit Burgwald und den Vogelsberg beschränkt (HNassWb 4, 233f., K. 9).
Von der Vorstellung der Mittagsruhe ausgehend, hat sich der FlN Under(n) entwickelt, der in Hessen jedoch fast immer fem. Genus hat. „Es wird meistens von dem Ruhen und der Ruhestätte des Schäfers und der Schafe gebraucht, noch selten von dem Ruhen der Kühe- und Schweinehirten“ (Crecelius 842; vgl. WaldWb 107; KehreinWb 417; Dittmaier 324; Vilmar 423). Auch der Mist, den die Schafe in dieser Zeit zurücklassen, wird übrigens so genannt; vgl. → Pferch K. 39).
- 2
Under ist in FlN leicht und eindeutig zu identifizieren, wenn der Name als Simplex oder im GT auftritt.
Bei Namen mit Unter- als BT ist formal nicht entscheidbar, ob Under(n) oder nhd. unter zugrunde liegt (z. B. Unterfeld, Unterwiese, Unterweg). Nach den Kombinationstypen liegt in den meisten Fällen die Gegensatzbezeichnung zu ober vor; Unter- als BT blieb deshalb - mit zwei Ausnahmen - außer Betracht: Berücksichtigt wurden die Kombinationstypen Unterplatz und Unterstatt, weil sie eindeutig auf Ruheplätze verweisen (HNassWb 4, 232, 235; WaldWb ebd.; Vilmar ebd.).
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 43
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Schaf-Under: AUF DER SCHAFUNNER (Rod a. d. Weil)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/619735_auf-der-schafunner> (aufgerufen am 03.11.2026)
Kurzform der URL für Druckwerke
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