Klinge-Henn-Stück: offem Klingel hentz stuck

Historischer Beleg aus Mauloff  
Gemeinde
Weilrod
Landkreis
Hochtaunuskreis
Topografische Karten
KDR 100, TK25 1900 ff.
AEC416D7-3050-4A60-B27E-A826B70B90DD

Beleg

Standard-Flurname

Klinge-Henn-Stück

Belegort

Belegtyp

historisch

Belegzeit

1715

Quelle

Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Abteilung 135, Akten Mauloff Nr. 10.

Deutungen

Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Henn

Zum PN Henn als Kurzform von Johannes.

Klinge

Zu ahd. klingo, klinga ‚(Sturz-)bach‘, mhd. klinge sw. st. F. in der Bedeutung ‚Gießbach, Talschlucht‘, das zum starken Verb ahd. klingan, mhd. klingen ‚rauschen, plätschern, klingen‘ gebildet ist. Klinge benennt daher im Allgemeinen Bäche und enge Schluchten, die sich bei starken Regenfällen in Sturzbäche verwandeln. Heute sind es oft enge Geländeeinschnitte.

Stück

Im FlN Stück, ahd. stuki, mhd. stücke, stück, stucke, stuck st. N. ‚Teil wovon, Stück‘ schwingt meist die allgemeine Bedeutung ‚Acker, Feld, Land, Gartenland‘ mit, wobei die Teilbezeichnung für das Ganze steht (‚ein schönes Stück‘). Im Unterschied zu Südhessen, wo zahlreiche Vermengungen mit Stock (s. d.) und Stecken (s. d.) die Identifizierung erschweren, sind die mittelhessischen Vorkommen eindeutig.

Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Henn

Überwiegend zum PN (Kurzform von Johannes) und FamN Henn.

Klinge

Zu ahd. klingo, klinga, ‚(Sturz-)bach‘, mhd. klinge sw. st. F. in der Bedeutung ‚Gießbach, Talschlucht‘, das zum starken Verb ahd. klingan, mhd. klingen ‚rauschen, plätschern, klingen‘ gebildet ist. Klinge benennt daher im Allgemeinen Gebirgsbäche und enge Schluchten, die sich bei starken Regenfällen in Sturzbäche verwandeln. In Südhessen gilt vor allem die Bedeutung ‚Bach in einer Talschlucht‘ und dann auch ‚Talschlucht‘ selbst. Die Belegverteilung deutet für die Klingen-Namen auf oberdt. Sprachzusammenhang hin. Der südhess. Raum scheint das Zentrum ihrer hess.-mitteldt. Verbreitung zu sein.

Stück

In Stück haben sich offensichtlich drei verschiedene Namen vermengt: Stück N., ahd. stuki, mhd. stücke, stück, stucke, stuck st. N. ‚Teil wovon, Stück‘ einerseits und Stock (s. d.) und Steck(en) (s. d.) andererseits. -stück als GT bezieht sich meist auf Grundstücke, die durch den BT spezifiziert werden; es schwingt hier, wie bei anderen Stück-Namen, auch die allgemeine Bedeutung ‚Acker, Feld, Land, Gartenland‘ mit, wobei die Teilbezeichnung für das Ganze steht (‚ein schönes Stück‘). Verschiedentlich begegnet in den FlN das Diminutiv Stückel. - Andere Stück-Namen sind hyperkorrekt aus den beiden anderen Namen entstanden, die ihrerseits zahlreiche Übergänge und Vermischungen aufweisen. Hierhin gehören wohl vor allem die Belege mit schwacher Flexion (Stücken) sowie diejenigen, deren Endung als Kollektivierungsanzeiger verstanden werden kann (Bieber, Dieburg, Froschhausen, Klein-Krotzenburg). Umgekehrt können über Senkung und Entrundung auch in diesen Lemmata einzelne Stück-Namen aufgegangen sein.

Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)

Klinge f.

1

Die heutigen FlN Kling(e) f. und Klingen/Klingel m.n. sind abzuleiten von ahd. clinga, chlinga st. sw. f.‚ klinge, chlingo sw.m. ,(Sturz-)Bach‘ (Schützeichel 98), mhd. klinge sw.st.f. ,Gebirgsbach, Talschlucht‘ (Lexer 1, 1623f.), auch ‚Gießbach‘ (Kluge/Mitzka 377), ,rauschender Bach, Wildbach‘ (Weigand/Hirt 1, 1058) und dem Verb ahd. chlingan, klingan st.v. (Graff 4, 563), mhd. klingen ‚rauschen, plätschern, klingen, erklingen‘ (Lexer 1, 1626).

Klingel ist möglicherweise substantivierte Ableitung von mhd. klingelen sw.v. ‚rauschen, plätschern‘ (Lexer 1, 1625), kann aber auch durch Dissimilation von Klingen zu Klingel entstanden sein (Dittmaier 148). Die Klingen-Formen können von der Pluralform oder einer adjektivischen Wendung *‚an der klingenden Bach‘ → Klingenbach abgeleitet sein (vgl. Schröder 236).

Klinge benennt (Gebirgs-)Bäche überhaupt; viele heißen nach ihrem ,murmelnden, plätschernden Geräusch‘, das sie an seichten, steinigen Stellen verursachen, Klingel.

Ebenso sind enge Täler, ,wasserlose, enge Schluchten, schmale Gräben‘, die sich bei Gewittern und im Frühjahr in Sturzbäche verwandeln, gemeint (DWB 11 (V), 1174).

Klinge ist in Südhessen, besonders im Odenwald, bekannt als Benennung für einen ‚Bach in einer Talschlucht‘, eine ‚enge Talschlucht urspr. mit einem Bach, heute nicht selten ohne Wasser‘ (SHessWb 3, 1422) und in Oberhessen als ‚Bach, der durch ein Tal fließt, und Tal, dadurch ein Bach fließt‘ (Crecelius 506). In der Wetterau sind Klingen ‚Wasserrisse an Abhängen‘, die bei starkem Regen oder zur Schneeschmelze große Wassermengen führen (Braun 1954b 119).

Klinge ist eine im Mittel- und Oberdeutschen weitverbreitete Benennung für Gebirgsbäche, schluchtartige Täler, schmale, tiefe Gräben u.ä. (vgl. BadWb 3, 166; Buck 140; PfälzWb 4, 309; SchwäbWb 4, 490; Schmeller 1, 1334).

2

Die zu /e/ gesenkte Klenge-Form in Mittel- und Oberhessen hätte zu Vermengung mit klengen ,Leinsamenkapseln in der Sonne zum Trocknen ausbreiten, damit sie aufspringen‘ (Crecelius 506; Vilmar 206; Kluge/Mitzka 377) und davon abgeleiteten FlN z. B. Klengkaule ,Kaule, in der die Kapseln zum ,klengen‘ getrocknet werden‘ (Vilmar ebd.) führen können. Es ließen sich jedoch kaum Anhaltspunkte in Namenform und -kombination finden, die auf FlN in diesem Zusammenhang hinwiesen, nur Knottenklänger in 5118d1 Sterzhausen MBK wurde aussortiert. Namen, die sich auf die Form eines Flurstückes beziehen, z. B. Klingelbeutel in 4624c1 Ermschwerd WMK blieben unberücksichtigt.

Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 93

Stück n.

1

Stück, ahd. stuki, stu(c)che st.n. ‚Stück, Teil‘ (Schützeichel 186) mhd. stücke, stück; stucke, stuck (Lexer 2, 1259) ist „seit dem 13. Jh. im Sinne von Acker, Feld, Grundstück, zuerst besonders in Flurbeschreibungen bezeugt“ (DWB 20 [X,IV], 212). In dieser Bedeutung ist Stück auch für das Hessische (HNassWb 3, 872) belegt. Als FlN bezieht sich Stück darauf oder auf ein „Teilstück eines Ganzen, also auch von Wald und Wiese“ (Dittmaier 307).

Da ca. 3500 rezente FlN mit Stück gebildet sind, mußte eine Auswahl getroffen werden, damit ein aussagefähiges Bild zustandekommt. Ausgewählt wurden solche Namentypen, in denen sich das Merkmal des Feldteils, des größeren Flurstücks besonders deutlich widerspiegelt: Neben dem Simplex Stück die Typen, die auf ein verhältnismäßig großes Stück hindeuten (großes, langes, breites Stück), sowie diejenigen, die im BT auf Besitzstücke geistlicher oder weltlicher Herren hinweisen. Damit wird auch der agrargenetische Gesichtspunkt berücksichtigt, daß viele Stück-Fluren besonders groß sind und anscheinend oft erst verhältnismäßig spät in die Vergewannung einbezogen wurden, also nicht nur „kleinere Teile des Restlandes“ darstellen (Flechsig 1959a, 44). Darauf deuten auch die aufgenommenen Kombinationstypen mit Stück als BT (Stück(s)acker‚ Stück( s)feld) hin.

Diese Namentypen dürften zudem die älteren Schichten der Stück-Namen repräsentieren, denen die zahlreichen, oft wohl jungen Wiesen-‚ Kraut-‚ Erlenstücke usw. gegenüber stehen.

2

1. Etwas fraglich ist die Zugehörigkeit der wenigen stuck-Namen, doch scheint es sich um Reste nichtumgelauteter Formen zu handeln.

2. Abweichend vom sonstigen Verfahren wurde bei Stück auf die Kennzeichnung vom Mehrfachvorkommen am Ort verzichtet, weil es auf die speziellen Namentypen ankam.

3. Baumstück (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 12) ist nicht aufgenommen.

Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 48

Nachnutzung

Rechtehinweise

Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Klinge-Henn-Stück: offem Klingel hentz stuck (Mauloff)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/613902_offem-klingel-hentz-stuck> (aufgerufen am 04.11.2026)

Kurzform der URL für Druckwerke

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