Lettich-Wasen: AM LETTIGWASEN [ɔm 'lɛadç,vɔasəm]
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Wasen
Zu ahd. waso, mhd. wasen, wasem st. M. ‚grasbewachsene Erdfläche, Rasen‘. Das Wort ist bedeutungs- und vermutlich auch herkunftsgleich mit nhd. Rasen und bezeichnet wie dieses Rasenflächen, dann aber auch aus dem Rasen gestochene Grasplacken. Die FlN beziehen sich durchgängig auf Wiesen, hauptsächlich wohl auf solche, die der Gemeinschaftsnutzung unterlagen (etwa in Schindwasen, Sauwasen, Gemeindewasen). Bei den Simplizia tritt die Bedeutung ‚Schindanger‘ seit dem 15. Jahrhundert mehr und mehr als namengebendes Motiv auf.
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Wasen
Zu ahd. waso, mhd. wasen, wasem st. M. ‚grasbewachsene Erdfläche, Rasen‘. Das Wort ist bedeutungs- und vermutlich auch herkunftsgleich mit nhd. Rasen und bezeichnet wie dieses Rasenflächen, dann aber auch aus dem Rasen gestochene Grasplacken. Die FlN beziehen sich durchgängig auf Wiesen, hauptsächlich wohl auf solche, die der Gemeinschaftsnutzung unterlagen (etwa in Schindwasen, Sauwasen, Gemeindewasen). Bei den Simplizia tritt die Bedeutung ‚Schindanger‘ seit dem 15. Jh. mehr und mehr als namengebendes Motiv auf.
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Lett m.
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Mit Lett oder Letten, ahd. letto, liet(e) m. (Graff 2, 167), mhd. lette sw.m., lieteme (Lexer 1, 1890) wird ‚Tonerde; zäher, schwer zu bearbeitender Boden, der viel Ton enthält‘ (SHessWb 4, 303) bezeichnet, „vom Fachmann von Lehm und Ton unterschieden, im gewöhnlichen Sprachgebrauche häufig mit beiden gleichbedeutend gebraucht“ (DWB 12 [VI], 791). Zur Etymologie s. Kluge/Mitzka 437; Weigand/Hirt 2, 56; Trier 1951, 36-44.
Lett, Lette(n) ist in Hessen noch allgemein gebräuchlich (SHessWb ebd.; HNassWb 2, 129), außer in Waldeck, wo das Wort weder im WaldWb noch bei Martin belegt ist. Als sprachliche Nebenform ist Latt (HNassWb ebd.; Crecelius 558) und als Hauptvariante Lett(i)ch (wohl Substantivierung aus dem Adj. lettig) mit verschiedenen Nebenformen gebräuchlich (DWB 12 [VI], 793; Stroh 14). Alberus führt Lett und Lettch an (SHessWb 4, 303, 305). In Südhessen grenzen sich heute konkurrierendes Lett und Lettich gegen südliches und westliches Letten mit einer Linie Mainz-Bensheim-Michelstadt ab (SHessWb K. IV 26).
In hessischen FlN beziehen sich die Namen auf die tonige Bodenart, häufig aber auch auf den Abbau von Letten, der zum Töpfern und zum Abdichten verwendet wurde, in Lettengruben, -kauten, -löchern (vgl. Dittmaier 186).
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Nicht Lett(en) als sprachliche Form, wohl aber seine sprachlichen Varianten bereiten Schwierigkeiten bei der Ein- und Ausgrenzung der hierher gehörigen Belege. Zu berücksichtigen sind Varianzen des Stammvokals, der /ç/-Form und Sonderformen. Da Letten am häufigsten als BT von FlN auftritt, erweist sich neben der Angabe der Bodenart in den Datensätzen der Kombinationstyp als sicherste Richtschnur zur Identifizierung der Namen, besonders wenn sie auf den Abbau von Letten hindeuten.
1. Neben Lett(en) als Standardform tritt gelegentlich eine gehobene Form /lit/ auf, die im nord- und osthessischen Monophthonggebiet mit Liete (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 86) vermengt sein kann.
2. Bei den Latt-Belegen sind zunächst die fem. Latt(en)-Namen fernzuhalten (zu nhd. Latte), aber auch die mehrfach belegten Wieslatt, die sich zu Wiesenlattich‚ einer Bezeichnung des Löwenzahns (DWB 29 [XIV, I, 2], 1615), stellen.
2. Unsicher sind viele -/ç/-Belege, weil Vermengung mit mhd. latech, lateche st.sw.f. ,Lattich‘ (Lexer l, 1839), in Hessen auch Lattich m. ‚Gartensalat‘ (HNassWb 2, 44) sowohl bei den /e/- wie den /a/-Formen vorliegen kann. Dennoch wurden diese Belege aufgenommen, wenn sie nicht nach sprachlichen Kriterien eindeutig auszusondern waren. Die Kombinationstypen sprechen in den meisten Fällen eindeutig für die Bedeutung ,Letten‘. Allerdings kommen auch Umdeutungen vor, so beim „Letschbach“ in Darmstadt und Darmstadt-Bessungen, 1585 „Lützelbach“ ‚kleiner Bach‘ (Kraft = HFB 3, 49; v. Hahn = HFB 4, 54).
3. Ableitungen von Lett(en) scheinen die Formen Letter, Latter, Litter zu sein, obwohl auch hier die Zugehörigkeit nicht ganz sicher ist und Vermengungen mit anderen Bedeutungen, besonders mit Leder, möglich sind.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 105
Wasen m.
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Der FlN geht zurück auf ahd. waso m. (Graff 1, 1063), mhd. wase sw.m., wasen, wasem st.m. ,grasbewachsene Erdfläche, Rasen‘ (Lexer 2, 702) und bezeichnet sowohl Rasenflächen wie aus dem Rasen ausgestochene Grasplacken (DWB 27 [XIII], 2276ff.). Das im Oberdt. und Westmitteldt. übliche Wort für den Rasen ist bedeutungsgleich mit dem niederdt. wrasen und dem daraus im Ostmitteldt. entstandenen Rasen (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 31), anscheinend ohne mit diesem etymologisch verwandt zu sein (DWB ebd.; anders Weigand/Hirt 2, 1215). Da sich in der Neuzeit Rasen räumlich ausbreitet und in der Standardsprache durchsetzt, stellt sich die Frage, ob und wie sich dieser Veränderungsprozeß in hessischen FlN widerspiegelt (Kluge/Mitzka 840). Nach den hessischen Idiotika war Wasen noch im 19. Jh. das hier vorherrschende Wort (Vilmar 442; v. Pfister 331f.; Crecelius 895; KehreinWb 439), und noch in der Gegenwart ist Rasen „weit spärlicher bezeugt als Wasen“ (HNassWb 2, 771; vgl. FrankfWb 3492). Dabei ist die Variante Wasem, bei E. Alberus Wasum, die vielleicht in Analogie zu Boden-Bodem (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 95) entstanden ist (Crecelius ebd.; DWB 27 [XIII], 2277) und hauptsächlich im Rhein- und Moselfränkischen gilt (Wallner 64), sehr verbreitet, oft mit Kurzvokal (v. Pfister ebd.). Der Name tritt gelegentlich zu Wesen, Wesem umgelautet auf.
Wasen, Wasem bezieht sich in hessischen FlN durchweg auf Rasenflächen, und zwar nach Ausweis der häufigeren Kombinationstypen wie Schindwasen, Sauwasen, Gemeindewasen hauptsächlich auf solche, die der Gemeinschaftsnutzung unterlagen. Insofern entspricht Wasen in der Sache weitgehend Anger (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 29; vgl. Dittmaier 331; Keinath 99), war aber als „offener, ebener Wiesenplatz ohne besondere Nutzungsbeschränkung“ (Bader 3, 118).
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Fälle, in denen aufgrund des mündlichen Belegs /
/ unsicher ist, ob ‚Wiesen‘ oder ,Wasen‘ (Umlaut ?) gemeint ist, sind vereinzelt. Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 30
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Lettich-Wasen: AM LETTIGWASEN (Brandoberndorf)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/60486_am-lettigwasen> (aufgerufen am 05.11.2026)
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