Zeil-Baum-Acker: auß dem Zeilbaume acker
Beleg
Standard-Flurname
Zeil-Baum-Acker
Belegort
Belegtyp
historisch
Belegzeit
1707/1708
Quelle
Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Abteilung 135, Akten Nr. VIII b 1.
Weitere Belege
- 1707/1708: auß dem Zeilbaum: Acker
Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Abteilung 135, Akten Nr. VIII b 1., fol. 33
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Acker
Zu ahd. ackar, mhd. acker st. M. ‚Acker, Feld‘. In FlN ist Acker im Untersuchungsraum über zweitausendmal belegt. Die sehr allgemeine Bedeutung (‚bebautes Land‘) erklärt die weite Verbreitung und das überwiegende Vorkommen als GT von Namenkomposita. Bei diesen sind hinsichtlich des namengebenden Motivs verschiedene Typen zu unterscheiden: die Benennung erfolgte nach dem Namen, Amt oder rechtlichen Status des Grundbesitzers (z.B. Herrenacker), nach der Beschaffenheit und Nutzung des Bodens (z.B. Steinacker), nach der Größe und Form des Geländes (z.B. Langacker), nach der relativen Lage zu bestimmten topographischen Punkten (z.B. Mühlacker) usw. In den frühen Belegen ist die Grenze zwischen Appellativ und Name manchmal noch fließend. Selten taucht Acker als BT oder Simplex auf.
Baum
Zu ahd. mhd. boum st. M. ‚Baum‘. Die jungen FlN Baumacker und Baumstück kennzeichnen im Gegensatz zu Bangert (s.d.) nicht gefriedete Obstbaumanlagen. Baum als Simplex steht dagegen für einzeln stehende, besonders auffällige Bäume.
Zeil
Zu ahd. zîla ‚Zeile, Reihe‘, mhd. zîle, zîl st. F. ‚Reihe, Linie, Gasse‘. Neben dem Fem. steht mhd. zîl st. M. N. ‚Dornbusch, Hecke‘. Die Herkunft dieser Wörter ist ungeklärt: zîl ‚Dornbusch, Hecke‘ dürfte über eine Bedeutung ‚als Zaun dienendes Gesträuch‘ aus zîle ‚Reihe, Linie‘ hervorgegangen sein. Auch in FlN lassen sich die beiden Bedeutungsfacetten noch fassen, wenn in Verbindung mit dem GT Bäume eher auf ‚Reihe, Linie‘, mit Wiese oder Hecke eher auf die Beschaffenheit der Begrenzung eines Flurstücks verwiesen wird. Da zeil vereinzelt auch aus älterem mhd. *zîdel ‚Honig‘ (in mhd. zîdelaere st. M. ‚Bienenzüchter‘ u.a.) entstanden sein kann, ist eine sichere Abgrenzung nicht immer zu ziehen. Zeilbaum ist deshalb wohl auch als ‚Baum mit (Wild-)Bienenstöcken‘ zu verstehen. - In Vetzberg hat eine Umdeutung zu Zeitbaum stattgefunden, die offensichtlich mit dem dort früher geltenden Lambdazismus /d,t/ > /l/ zu tun hat. Als sich in Vetzberg der heute gesprochene Rhotazismus /d,t/ > /r/ durchsetzte, wurde hyperkorrekt /r/ in <t> umgewandelt.
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Acker
Zu ahd. ackar, mhd. acker st. M. ‚Acker, Feld‘. In FlN ist Acker in Südhessen über sechstausendmal belegt. Die sehr allgemeine Bedeutung (‚bebautes Land‘) erklärt die weite Verbreitung und das überwiegende Vorkommen als GT von Namenkomposita. Bei diesen sind hinsichtlich des namengebenden Motivs verschiedene Typen zu unterscheiden: die Benennung erfolgte nach dem Namen, Amt oder rechtlichen Status des Grundbesitzers (Wigantsacker, Schultheisenacker, Herrenacker), nach der Beschaffenheit und Nutzung des Bodens (Steinacker, Rübenacker), nach der Größe und Form des Geländes (Langacker, Krummacker), nach der relativen Lage zu bestimmten topographischen Punkten (Ackher beym drey dorn) usw. Die ältesten historischen Belege reichen bis ins 12. Jh. zurück (ad Langenacker, ad Obernacker CodLaur, Nr. 38 14), doch ist die Grenze zwischen Appellativ und Name in manchen frühen Belegen noch fließend (Raunheim 14. Jh. an der Herren Ackir). Relativ selten taucht Acker als BT, noch seltener als Simplex oder Diminutiv auf. Crumstadt weist die Kombination Acker + Furche auf; der GT in Groß-Bieberau/Ueberau (zusammengehörig) geht auf zersprochenes Rain (s. d.) zurück, da Au immer fem. ist.
Baum
Zu ahd. mhd. boum st. M. ‚Baum‘. Die jungen FlN Baumacker und Baumstück kennzeichnen im Unterschied zu Bangert nicht gefriedete Obstbaumanlagen. Baum als Simplex steht dagegen wie in Biebesheim am Rhein, Dietzenbach, Klein-Zimmern, Pfungstadt und Rembrücken für einzeln stehende, besonders auffällige Bäume.
Zeil
Zu ahd. zîla ‚Zeile, Reihe‘, mhd. zîle, zîl st. F. ‚Reihe, Linie, Gasse‘. Neben dem Fem. steht mhd. zîl st. M. N. ‚Dornbusch, Hecke‘. Die Herkunft dieser Wörter ist ungeklärt: zîl ‚Dornbusch, Hecke‘ dürfte über eine Bedeutung ‚als Zaun dienendes Gesträuch‘ aus zîle ‚Reihe, Linie‘ hervorgegangen sein. Auch in FlN lassen sich die beiden Bedeutungsfacetten noch fassen, wenn in Verbindung mit dem GT Bäume eher auf ‚Reihe, Linie‘, mit Wiese oder Hecke eher auf die Beschaffenheit der Begrenzung eines Flurstücks verwiesen wird. Da zeil vereinzelt auch aus älterem mhd. *zîdel ‚Honig‘ (in mhd. zîdelære st. M. ‚Bienenzüchter‘ u. a.) entstanden sein oder sich mit Zahl (s. d.) vermischt haben kann, ist eine sichere Abgrenzung nicht immer zu ziehen. Zeilbaum ist deshalb wohl auch als Baum mit (Wild-)Bienenstöcken zu verstehen
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Zahl m. / Sterz m. / Schwanz m.
- 1A
Nhd. Zagel m. geht auf ahd. zagel st.m. ,Schwanz‘ (Schützeichel 243), mhd. zagel st.m., (kontrahiert) zail, zeil (Lexer 3, 1019) zurück. Es bezeichnet, neben mancherlei übertragenen Bedeutungen, jede Art von Tierschwänzen (DWB 31 [XV], 24) und wurde, Vielfach mit Nennung des Tiernamens, metaphorisch auf Flurstücke entsprechender Form übertragen, soweit nicht die allgemeine Bedeutung ,längliches Flurstück, Endstück eines Flurteils‘ (Dittmaier 351) zugrunde liegt.
Während das Wort im Altniederdt. fehlt, hat es im Mhd. „ausgebreitete Verwendung ... gefunden ... Mit dem 15. Jahrh. beginnt es seltener zu werden und für den Schriftgebrauch langsam abzusterben“ (DWB ebd.), wohl „wegen der obszönen Bedeutung, die es im Mhd. annahm“ (Weigand/Hirt 2, 1298). Es wurde durch Schwanz ersetzt, lebt aber in vielen Mundarten fort, so auch im Hessischen zâl, zael (Vilmar 464; Crecelius 929f.), zagel, zagil (KehreinWb 451).
Neben der Standardform Zahl (oft gehoben zu /dso:l/ und mit diphthongischer Variante /dsoal/) ist in den hessischen FlN vielfach als Hauptvariante Zehl (/dse:l/) belegt, die wohl aus der mhd. kontrahierten Form zeil durch Monophthongierung entstanden ist. Daneben kommen selten Zeil und einmal Zaul (4822d1 Niedervorschütz SEK) vor, was einer thüringischen Variante entspricht (DWB ebd.; Hertel 261), sowie einmal nicht kontrahiertes /dsagel/ (5424d2 Petersberg FUL).
- 1B
Auch Sterz, früh mit Kattenstert (Graff 6, 725) belegt, mhd. stërz st.m. 1 B ‚Schweif, Schwanz‘ (Lexer 2, 1183), mnd. stêrt, start m. (Schiller/Lübben 4, 391), bezieht sich in FlN auf die schwanzförmige Gestalt des Flurstücks. Das Wort ist im ganzen deutschen Sprachraum verbreitet, hochdt. jedoch selten und meist mit Sonderbedeutungen (DWB 18 [X, II, 2], 2530ff.): „Das gemeingerm. Wort ist der gangbare nd. Ausdruck geworden, aber im Hd. nie sehr gebräuchlich gewesen. Wegen seiner vielen sonstigen Bedeutungen ist es im Nhd. unterlegen“ (Kluge/Mitzka 747) und durch Schwanz ersetzt worden. Von den Sonderentwicklungen ist besonders Sterz als Bezeichnung für die Pflughandhabe hervorzuheben, die auch im Hessischen üblich ist: „Sterz msc.‚ Schwanz der Thiere; in Oberhessen, etwa mit Ausnahme der nördlichsten Striche, gar nicht, in Niederhessen nur, wie gemeinhochdeutsch vom Pflugsterz, der Pflughandhabe, gebräuchlich, dagegen in dem niederdeutschen Hessen in der Form Stert üblich.“ (Vilmar 399; vgl. Crecelius 810 und KehreinWb 390f.; HNassWb 3, 772f.). Für die mitteldt. Sprachräume Hessens muß deshalb damit gerechnet werden, daß die wenigen hier belegten Sterz-FlN nach der Form des Pfluggriffs gegeben sind.
Im Waldeckischen gilt /stert/ ,1. Schwanz, 2. Pflugsterz‘ als Wort bis heute (WaldWb 98); die Grenze gegen südliches Schwanz verläuft auf der Höhe nördlich Korbach-Sachsenhausen (B. Martin 1925, 291).
- 1C
Schwanz ist seit dem 13. Jh. als mhd. swanz st.m. ,schwenkende tanzartige Bewegung, Schwanz, ...‘(Lexer 2, 1337f.) belegt und ersetzt im Frühnhd. standardsprachlich Zagel (DWB 15 [IX], 2257ff.; Kluge/Mitzka 689). Im Hessischen ist das Wort allgemein verbreitet (Crecelius 773f.; HNassWb 3, 502f.).
In FlN bezeichnet Schwanz Flurstücke schwanzartiger Form, wobei meist das Tier mitgenannt wird, dessen Schwanzform namengebend war. Nur bei Kuhschwanz, einem häufigen Kombinationstyp, könnte mitunter der Kuhschwanz, „ein Ball des gemeinen Volkes, wobei selbst Viehmägde zugelassen werden“ (Crecelius 774), namengebend sein, da diese Tanzveranstaltungen wohl auf freien Plätzen abgehalten wurden.
Als Wort ist Schwanz heute bis in den Raum Korbach vorgedrungen (B. Martin 1925, 291; WaldWb 102) und ersetzt Sterz.
- 2A
Die Hauptmasse der Belege ist eindeutig zu identifizieren. Manchmal liegt Vermengung mit Sal vor: mit /s/ anlautende Belege blieben deshalb ausgeschlossen. Bei den Zeil-Belegen kommt Vermischung mit Zeile, mhd. zîle vor; darum wurden nur die Belege aufgenommen, deren Kombinationstyp eindeutig auf die Bedeutung ,Schwanz‘ als namengebendes Motiv schließen läßt.
- 2B
Die im Rheingau mehrfach vorkommenden Stürzel-, Sterzel-Namen blieben unberücksichtigt. Aufgenommen ist hingegen das wegen der Lage unsichere und nur amtlich belegte
in 5218b1 Ilschhausen MBK. - 2C
Der Name ist unproblematisch. Vermengung mit Schwands- als BT (< 2C Schwand ,gerodetes Landstück‘) kann nur vereinzelt vorliegen, da Schwanz fast immer als GT oder Simplex auftritt.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 66
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Zeil-Baum-Acker: auß dem Zeilbaume acker (Altweilnau)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/603721_auss-dem-zeilbaume-acker> (aufgerufen am 03.11.2026)
Kurzform der URL für Druckwerke
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