Wasser-Stade: am wasserstaten
Beleg
Standard-Flurname
Wasser-Stade
Belegort
Belegtyp
historisch
Belegzeit
1743
Quelle
Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Abteilung 173, Dillenburg, Nr. 288.
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Wasser
Zu ahd. wazzar, mhd. wazzer st.N. ‚Wasser (als Element), Gewässer, Fluss‘. Benannt werden Gewässer und feuchte Flurstücke, aber auch Einrichtungen zur Regulierung und Gewinnung von Wasser. Hierzu gehört in unserem Verbreitungsgebiet nur das heute nicht mehr gebräuchliche Wasserhaus (mündlicher Beleg aus Röthges), das eine gemauerte Wasserkammer bezeichnet, sowie die Wasserstube. Bei den meisten Komposita handelt es sich um durchsichtige Bildungen wie Wasserloch, -wiese und -graben. Wasserfall (mit wechselndem Genus) kann auf natürliche Wasserfälle, aber auch auf künstlich angelegte Wasserfallen als kleine Staufstufen mit einer beweglichen Schleuse verweisen. Mitunter verbietet das Gelände eine solche Erklärung wie in Großen-Linden (Schulte), so dass hier an Umdeutung (etwa aus *Wasserfang) zu denken ist.
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Wasser
Zu ahd. wazzar, mhd. waʒʒer st. N. ‚Wasser (als Element), Gewässer, Fluss‘. Benannt werden Gewässer und feuchte Flurstücke, aber auch Einrichtungen zur Regulierung und Gewinnung von Wasser. Hierzu gehören Wasserwerk, -wehr, -turm, -rad oder das heute nicht mehr gebräuchliche Wasserhaus, das eine gemauerte Wasserkammer bezeichnet. Während Wasser als Simplex überhaupt nur ein einziges Mal auftritt (etwas häufiger sind nur die Diminutivbildungen auf -chen und -lein), gliedert sich der Namenbestand insgesamt in eine Fülle von über 40 verschiedenen Komposita mit Wasser- im BT. Am häufigsten erscheinen durchsichtige Bildungen wie Wasserloch, -wiese und -graben. Wassergefäll kann auf natürliche Wasserfälle, aber auch auf künstlich angelegte Wasserfallen als kleine Staustufen mit einer beweglichen Schleuse verweisen.
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Staden m. (n.), Stede f.
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Stad, Staden, ahd. stad st.m. ‚Ufer, Gestade‘ (Schützeichel 181) mit einer Nebenform stado (Graff 6, 643), aus der mhd. stade sw.m. neben regulärem stat st.m.n. (Lexer 2, 1127, 1143) entstand, ist als Wort heute nur im Oberdt. gebräuchlich, war früher auch im Mitteldt. und Niederdt. (mnd. stâde n., Lasch/Borchling 406) verbreitet und ist durch den Einfluß Luthers heute standardsprachlich durch das ursprünglich aus dem Niederdt. stammende Wort Ufer (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 84) ersetzt (DWB 17 [X, II, 1], 415; Kluge/Mitzka 254). Im Hessischen scheint - nach dem Zeugnis der FlN und der vereinzelten Wörterbuchnachweise - das schwach flektierende Staden als Mask. vorgeherrscht zu haben. E. Alberus hat sowohl stad wie staden (DWB ebd.). Vilmar 394 verzeichnet Staden m. als „jetzt schwerlich mehr üblich“; KehreinWb 386 kennzeichnet den Staden als „veraltet“, und das HNassWb 3, 721 nennt Staden m. „vereinzelt für ,Ufer‘“ und ‚Wasser, Bach, Flüßchen‘. Das WaldWb 173 schließlich führt als ausgestorben ein stade von 1741 an. Immerhin zeigen diese spärlichen Belege, daß Staden in Hessen bis weit in die Neuzeit bekannt gewesen sein muß.
Keinerlei Hinweis findet sich auf eine umgelautete Nebenform Stede, die es nach Ausweis zahlreicher FlN aber hier gegeben haben muß. Eine umgelautete fem. Nebenform stedi f. gab es bereits im Ahd. (Braune/Eggers § 216 A.4), wenn auch „in seltenen Belegen“. Diese erscheint anscheinend auch häufiger - jedoch bis zur Unkenntlichkeit mit ahd. stad st.f. ‚Ort, Stätte‘ vermengt - in Siedlungsnamen (Bach 2 § 110 u. ö.; vgl. Arnold 346-351). Das in FlN nördlich der mittelhessischen Namenscheide häufig auftretende Simplex die Stede (/ʃde:de, ʃde:re, ʃdi:de, ʃdi:re/; häufiger auch mit Kurzvokal) und der davon abgeleitete häufige Kombinationstyp Stedenrain u. ä. erlauben keine Zweifel, daß die umgelautete Variante hier verbreitet war, sogar gegen Staden vorherrschte. Einen entsprechenden Sachzusammenhang stellt Henn 1977, 79f. dar. Danz 344 stellt für die Vorkommen im Kreis Eisenach fest, daß die Namen an ‚steil ansteigenden Flurteilen‘ oder einem ‚kleinen Abhang‘ haften. An eine Verbindung mit thüring. Stete f. ‚schmaler Weg zwischen Gärten‘ (Hertel 235) ist wohl nicht zu denken, obwohl ähnliche Bedeutungen für Staden im Rheinischen bekannt sind (RheinWb 8, 491; vgl. Dittmaier 297).
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Die Eingrenzung der Stad(en)-Namen ist unproblematisch. Hingegen ist eine einigermaßen vollständige Erfassung der Stede-Namen unmöglich, weil Stede im Genus und oft auch phonologisch mit Stätte ‚Ort, Stätte‘ zusammenfällt. Das sicherste Unterscheidungskriterium ist die Vokalquantität: Stede hat vorwiegend Langvokal, Stätte, von einigen Gebieten abgesehen, meist Kurzvokal. Um die Minimalmenge der sicheren Stede-Belege herauszufinden, wurden deshalb nur gesicherte fem. Belege mit Langvokal aufgenommen, sofern der Kombinationstyp nicht die Zugehörigkeit zu Stätte nahelegte. Umgekehrt kann aber die Zugehörigkeit zu Stede bei den Kombinationstypen Stederain und Stedebach unbeschadet der Vokallänge als sicher angenommen werden. Annähernd die Hälfte der Stede-verdächtigen Namen fielen so aus. Weitere Nachweise wären über die Realprobe und historische Belege zu erbringen.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 85
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Wasser-Stade: am wasserstaten (Bicken)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/58506_am-wasserstaten> (aufgerufen am 01.11.2026)
Kurzform der URL für Druckwerke
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