Unger-Gründchen: auf Ungars gründgen

Historischer Beleg aus Bicken  
Gemeinde
Mittenaar
Landkreis
Lahn-Dill-Kreis
Topografische Karten
KDR 100, TK25 1900 ff.
AEC416D7-3050-4A60-B27E-A826B70B90DD

Beleg

Standard-Flurname

Unger-Gründchen

Belegort

Belegtyp

historisch

Belegzeit

1759

Quelle

Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Abteilung 179, Nr. 178.

Weitere Belege

Deutungen

Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)

Under f.

1

Der Under, Unter ist eine hauptsächlich im Westmitteldt. und Oberdt. verbreitete Bezeichnung für die (Nach-)Mittagszeit, ahd. untarn st.m. ,Mittag‘ (Schützeichel 214), mhd. undern, untern st.m. (Lexer 2, 1792), und hängt mit der Präp. unter in der älteren Bedeutung ‚zwischen‘ zusammen (Kluge/Mitzka 806). Under(n) bezeichnet unterschiedliche Tageszeiten und auch die Zwischenmahlzeit (DWB 24 [XI‚III], 1691ff.), im Hessischen teils die Zeit zwischen 11 und 13 Uhr, teils zwischen 16 und 17 Uhr, teils den ganzen Nachmittag (Crecelius 841f.; HNassWb 4, 231). Im Wortgebrauch ist Undern heute im wesentlichen auf den Lahn-Dill-Raum, das Amöneburger Becken mit Burgwald und den Vogelsberg beschränkt (HNassWb 4, 233f., K. 9).

Von der Vorstellung der Mittagsruhe ausgehend, hat sich der FlN Under(n) entwickelt, der in Hessen jedoch fast immer fem. Genus hat. „Es wird meistens von dem Ruhen und der Ruhestätte des Schäfers und der Schafe gebraucht, noch selten von dem Ruhen der Kühe- und Schweinehirten“ (Crecelius 842; vgl. WaldWb 107; KehreinWb 417; Dittmaier 324; Vilmar 423). Auch der Mist, den die Schafe in dieser Zeit zurücklassen, wird übrigens so genannt; vgl. → Pferch K. 39).

2

Under ist in FlN leicht und eindeutig zu identifizieren, wenn der Name als Simplex oder im GT auftritt.

Bei Namen mit Unter- als BT ist formal nicht entscheidbar, ob Under(n) oder nhd. unter zugrunde liegt (z. B. Unterfeld, Unterwiese, Unterweg). Nach den Kombinationstypen liegt in den meisten Fällen die Gegensatzbezeichnung zu ober vor; Unter- als BT blieb deshalb - mit zwei Ausnahmen - außer Betracht: Berücksichtigt wurden die Kombinationstypen Unterplatz und Unterstatt, weil sie eindeutig auf Ruheplätze verweisen (HNassWb 4, 232, 235; WaldWb ebd.; Vilmar ebd.).

Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 43

Nachnutzung

Rechtehinweise

Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Unger-Gründchen: auf Ungars gründgen (Bicken)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/58482_auf-ungars-gruendgen> (aufgerufen am 01.11.2026)

Kurzform der URL für Druckwerke

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