Unger-Born: vor Ungers born
Beleg
Standard-Flurname
Unger-Born
Belegort
Belegtyp
historisch
Belegzeit
1759
Quelle
Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Abteilung 179, Nr. 178.
Weitere Belege
- 1759: vor Ungars born [Wiese]
Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Abteilung 179, Nr. 178., fol. 7' - 1771: auf Ungers born [Acker]
Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Abteilung 179, Nr. 178., fol. 23
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Born
Zu ahd. brunno, purnno, mhd. burne, born sw. M. ‚Brunnen, Quelle‘. Namengebend sind natürlich fließende, nicht gegrabene Quellbrunnen, aus denen geschöpft werden konnte; auch kleine Quellbrunnen im Walde und Wiesenquellen. Born ist eine mitteldt./niederdt. Form und durch /r/-Metathese aus oberdt. Brunnen, ahd. brunno, ‚Brunnen‘ entstanden.
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Born
Zu ahd. brunno, purnno, mhd. burne sw. M. ‚Brunnen, Quelle‘. Namengebend sind natürlich fließende, nicht gegrabene Quellbrunnen, aus denen geschöpft werden konnte; auch kleine Quellbrunnen im Walde und Wiesenquellen. Born ist eine mitteldt./niederdt. Form und durch r-Metathese aus oberdt. Brunnen, ahd. brunno, mhd. brunne ‚Brunnen‘ entstanden. Das Diminutiv Börnchen erscheint in Bieber, Bürgel, Büttelborn, Dorndiel, Heppenheim, Klein-Gerau, Königstädten, Klein-Umstadt, Lampertheim?, Offenthal, Raibach, Weiterstadt, Wixhausen, Worfelden. Auffällig ist der Name Bornsprung in Trebur (GT zu springen), der sich zu Borkel (s. d.) und Brunkel (s. d.) stellt. Bornweichel (Gräfenhausen) scheint eine Zersprechung aus -weiher zu sein
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Under f.
- 1
Der Under, Unter ist eine hauptsächlich im Westmitteldt. und Oberdt. verbreitete Bezeichnung für die (Nach-)Mittagszeit, ahd. untarn st.m. ,Mittag‘ (Schützeichel 214), mhd. undern, untern st.m. (Lexer 2, 1792), und hängt mit der Präp. unter in der älteren Bedeutung ‚zwischen‘ zusammen (Kluge/Mitzka 806). Under(n) bezeichnet unterschiedliche Tageszeiten und auch die Zwischenmahlzeit (DWB 24 [XI‚III], 1691ff.), im Hessischen teils die Zeit zwischen 11 und 13 Uhr, teils zwischen 16 und 17 Uhr, teils den ganzen Nachmittag (Crecelius 841f.; HNassWb 4, 231). Im Wortgebrauch ist Undern heute im wesentlichen auf den Lahn-Dill-Raum, das Amöneburger Becken mit Burgwald und den Vogelsberg beschränkt (HNassWb 4, 233f., K. 9).
Von der Vorstellung der Mittagsruhe ausgehend, hat sich der FlN Under(n) entwickelt, der in Hessen jedoch fast immer fem. Genus hat. „Es wird meistens von dem Ruhen und der Ruhestätte des Schäfers und der Schafe gebraucht, noch selten von dem Ruhen der Kühe- und Schweinehirten“ (Crecelius 842; vgl. WaldWb 107; KehreinWb 417; Dittmaier 324; Vilmar 423). Auch der Mist, den die Schafe in dieser Zeit zurücklassen, wird übrigens so genannt; vgl. → Pferch K. 39).
- 2
Under ist in FlN leicht und eindeutig zu identifizieren, wenn der Name als Simplex oder im GT auftritt.
Bei Namen mit Unter- als BT ist formal nicht entscheidbar, ob Under(n) oder nhd. unter zugrunde liegt (z. B. Unterfeld, Unterwiese, Unterweg). Nach den Kombinationstypen liegt in den meisten Fällen die Gegensatzbezeichnung zu ober vor; Unter- als BT blieb deshalb - mit zwei Ausnahmen - außer Betracht: Berücksichtigt wurden die Kombinationstypen Unterplatz und Unterstatt, weil sie eindeutig auf Ruheplätze verweisen (HNassWb 4, 232, 235; WaldWb ebd.; Vilmar ebd.).
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 43
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Unger-Born: vor Ungers born (Bicken)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/58481_vor-ungers-born> (aufgerufen am 01.11.2026)
Kurzform der URL für Druckwerke
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