Schiefer-Land: AM SCHIEFERLAND [ɒm schiwwerland]
Weitere Belege
- 1793: am Schieferland [Acker]
Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Abteilung 179, Nr. 178., fol. 89
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Land
Zu ahd. lan, lant ‚Land, Gegend, Gebiet; Erde, Feld; Ufer‘, mhd. lant st.N. ‚Land, Erde, Gebiet, Heimat‘. Die Namen beziehen sich entweder ganz allgemein auf ein Stück Feld, Ackerland, urbare Fläche, oder sie heben auf den Unterschied zu einem benachbarten Gewässer ab. Das gilt besonders für die Namen, in denen Land GT ist. Land als BT kommt verhältnismäßig selten vor, hauptsächlich als Landstraße und als Landwehr, zu mhd. lantwer st. F., lantgewer(e) st. sw. F. (s. Lampert). Auch Landhege bezeichnet Landwehren, und die Landhöhe in Holzheim bezieht sich auf den Limes (Jung).
Schiefer
Als Bezeichnung für die Gesteinsart Schiefer hat sich das Wort erst im Nhd. aus dem seit dem 14./15. Jahrhundert belegten schiverstein entwickelt, das seinerseits auf mhd. schiver, schever, schivere, schevere st. sw. M. ‚Splitter von Stein, bes. von Holz‘ zurückgeht. Die frühen Belege aus dem 14. Jahrhundert, die sich alle auf die Feldlage westlich von Birklar beziehen, verweisen deshalb darauf, dass es eher der splittrige Boden war, der das namengebende Motiv abgab, als die Gesteinsart selbst. - In Gonterskirchen hat anscheinend Umdeutung in Anlehnung an den Schiffelbach (s.d.) stattgefunden.
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Land
Zu ahd. lan, lant ‚Land, Gegend, Gebiet; Erde, Feld; Ufer‘, mhd. lant st. N. ‚Land, Erde, Gebiet, Heimat‘. Die Namen beziehen sich entweder ganz allgemein auf ein Stück Feld, Ackerland, urbare Fläche, oder sie heben auf den Unterschied zu einem benachbarten Gewässer ab, oder sie verweisen auf die Grenze bzw. den Besitz einer Territorialherrschaft. Namensimplizia sind äußerst selten; die einzige Singularform kommt im Namen eines Flurstücks an der Gemarkungsgrenze zwischen Siedelsbrunn und Wald-Michelbach vor, Pluralformen erscheinen in den historischen Belegen aus Langen, Schaafheim und Traisa. Allertshofen diese Namen weisen wohl auf nicht näher bestimmte Stücke Ackerland hin. Bei den zahlreichen Namenkomposita kommen einige Kombinationstypen besonders häufig vor. Landgraben ist oft der Name eines Grenzgrabens, der einzelne Feldstücke oder ganze Herrschaftsbereiche voneinander abtrennt (manchmal gleichbedeutend mit Landwehr), oft bezieht er sich auch auf einen der durch das Land ziehenden Be- oder (im Ried häufiger) Entwässerungsgräben, die seit der frühen Neuzeit angelegt wurden. Als GewN kommt Landgraben in drei Fällen vor: 1. links zur Weschnitz, 2. rechts zum Fanggraben, links zur Modau, 3. rechts zur Modau. Landdamm oder Landdeich heißt ein Hochwasserdamm (meist am Rhein), der das dahinter liegende Land vor Überflutung schützt. Als Landstraße (auch: Landweg) wird ein überörtlicher Verkehrsweg bezeichnet. Landhege (Groß-Gerau) und Landpfahl (Wolfskehlen) sind andere, seltenere Namen für eine Landwehr (s. d.)
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Schiefer m.
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Das Wort Schiefer, ahd. sciverro sw.m. ,Gesteinsbrocken‘ (Schützeichel 170), mhd. schiver, schëver, schivere, schëvere st.sw.m. ‚Splitter von Stein, bes. von Holz‘ (Lexer 2, 763f.) hat sich als /ʃiver‚ ʃever/ in der Bedeutung ,Splitter‘ dialektal in Hessen bis heute gehalten (HNassWb 3, 149; Crecelius 727; v. Pfister 248; (aber anscheinend nicht im Waldeckischen: WaldWb 91)). Im Nassauischen gilt dafür /ʃliver/ (HNassWb 3, 234; KehreinWb 352). Aus der Eigenschaft des blättrigen Absplitterns entwickelt sich im 14./15. Jh. schiverstein als Bezeichnung der Gesteinsart, und daraus erst nhd. das einfache Schiefer (DWB 15 [IX], 2; Weigand/Hirt 2, 704; Kluge/Mitzka 646f.).
Wegen dieses Bedeutungsspektrums ist deshalb durchaus nicht sicher, daß die mit Schiefer gebildeten FlN sich immer auf die Gesteinsart beziehen (Dittmaier 265); vielmehr können auch im Boden vorkommende Mengen von Gesteinssplittern namengebend sein. Deshalb wird versucht, über die Kombinationstypen (mögliche) Sachunterschiede abzubilden:
1. Mit -stein‚ -grube (-kaute‚ -kaule)‚ -bruch u. ä. gebildete Schiefer-Namen verweisen sicher auf die Gesteinsart.
2. Mit -mühle, -gasse u. ä. gebildete Namen verweisen ebenfalls auf die Gesteinsart, indem die Verwendung von Schiefer namengebendes Motiv ist.
3. Bei Schiefer als Simplex oder in Verbindung mit allgemeinen GT wie -acker‚ -wiese‚ -berg muß offenbleiben, welche der beiden Hauptbedeutungen namengebend war. Als namengebende Gesteinsarten kommen auch Muschelkalk (in 4925c1 Sontra WMK (Henn 1977, 72)) und Phonolith (in 5519b2 Ober-Widdersheim WET (Braun 1957, 37)) in Betracht. Soweit feststellbar, ist Schiefer in hessischen FlN meist mask.
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Die Identifizierung ist in den meisten Fällen unproblematisch. Vermengungen mit schief scheinen nicht vorzukommen, vereinzelt vielleicht mit Schiffer als Berufsbezeichnung bzw. als FamN.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 100
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Schiefer-Land: AM SCHIEFERLAND (Bicken)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/58439_am-schieferland> (aufgerufen am 01.11.2026)
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