Schiefer-Kaute: vor der schieffer kaut
Beleg
Standard-Flurname
Schiefer-Kaute
Belegort
Belegtyp
historisch
Belegzeit
1759
Quelle
Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Abteilung 179, Nr. 178.
Weitere Belege
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Kaute
Zu spätmhd. kûte F. (mitteldt.) ‚Grube, Loch‘. Am Ende des 15. Jahrhunderts beginnt Kaute älteres Grube zu ersetzen. Namengebend waren stets natürliche oder künstliche Bodenvertiefungen, dann meist mit Kaute im GT. In Eisenkauten wurde Eisen im Tagebau abgebaut; die zahlreichen Leimenkauten dienten der Lehmgewinnung.
Schiefer
Als Bezeichnung für die Gesteinsart Schiefer hat sich das Wort erst im Nhd. aus dem seit dem 14./15. Jahrhundert belegten schiverstein entwickelt, das seinerseits auf mhd. schiver, schever, schivere, schevere st. sw. M. ‚Splitter von Stein, bes. von Holz‘ zurückgeht. Die frühen Belege aus dem 14. Jahrhundert, die sich alle auf die Feldlage westlich von Birklar beziehen, verweisen deshalb darauf, dass es eher der splittrige Boden war, der das namengebende Motiv abgab, als die Gesteinsart selbst. - In Gonterskirchen hat anscheinend Umdeutung in Anlehnung an den Schiffelbach (s.d.) stattgefunden.
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Kaute
Zu spätmhd. kûte F. (mitteldt.) ‚Grube, Loch‘. Am Ende des 15. Jh.s beginnt Kaute älteres Grube zu ersetzen. Namengebend waren stets natürliche oder künstliche Bodenvertiefungen, dann meist mit Kaute im GT. Ob auch der Beleg aus Wattenheim (als Diminutiv) hierher gehört, ist ungewiss.
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Kaule f.
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Die nordhessischen Kaule/Kuhle-FlN gehen auf mhd. kûle sw.st.f. ‚Grube, Loch‘ (Lexer 1, 1766) zurück. Das Wort ist im Mitteldt. als Kaule und im Niederdt. als Kuhle verbreitet (DWB 11 (V), 348; Weigand/Hirt 1, 1012).
Kaule bezeichnet als Wort zunächst allgemein eine ‚Vertiefung im Boden‘. Es kann eine natürliche Vertiefung sein, z.B. eine Erdmulde oder flache Grube, gelegentlich auch mit Wasser gefüllt. Zumeist sind jedoch von Menschen gegrabene Löcher und Gruben gemeint, die dazu dienen, landwirtschaftliche Vorräte aufzubewahren und zu überwintern, Abfälle zu lagern und natürliche Materialien (Stein, Sand, Schiefer, Lehm usw.) zu gewinnen. Daneben können mit Kaule auch Tierlager und -suhlen, Fanggruben, Schindgruben sowie ‚kleine Pflanzlöcher‘ gemeint sein (DWB ebd.; PfälzWb 4, 140; RheinWb 4, 330).
Kaule/Kuhle ist vorwiegend in Nordhessen bekannt, sonst überwiegt das weitverbreitete Kaute (SHessWb 3, 1218; WaldWb 60; Vilmar 231; B. Martin 1933, 10ff.; Reichmann 78 und K. 4).
Der FlN Kaule/Kuhle bezieht sich, wie auch Kaute, meist auf die oben beschriebenen Lager-, Nutz- und Vorratsstätten. Gelegentlich benennt der Name auch Fanglöcher, Schindgruben, Suhlen u.ä. (SHessWb ebd.; Dittmaier 135; KehreinNb 470ff.; KehreinWb 218).
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Die Identifizierung der Kaule/Kuhle-Namen machte eine besondere Betrachtung der morphologischen Namenstruktur notwendig. Gerade im Mittelhessischen sind gleichlautende Kaule/Kuhle-Namen belegt, die von mhd. kugele, kugel sw. f. ,Kugel‘, md. kûle (Lexer 1, 1765) abzuleiten sind und daher nicht zu dem hier bearbeiteten Namen gehören.
Kaulenköpfchen u.ä. bezeichnen kleinere Berge, kugelige Erhöhungen (DWB 11 (V), 349; RheinWb 4, 326), Kaulbahn, Kuhlbreite u.ä. entspricht dem Namen Kegelbahn (DWB ebd.), der meist die länglichschmale Form des Flurstücks beschreibt oder den Platz des Spieles selber meint (Dittmaier 135, Genzel 149). Kauleich/Kuhleich ist entstanden aus kontrahiertem Kugel > Kuhl + leich, thür. ,Spiel‘, abgeleitet von mhd. leich ‚Spiel, Tanz‘ (Lexer 1, 1863; Kluge/Mitzka 432), mit der Bedeutung ‚Platz für Spiel und Feste‘. Im östlichen Hessen ist Leich als ‚Spiel mit Tonkugeln‘ bekannt (Vilmar 243f.; vgl. Kugelleich DWB 11 [V], 2542f.).
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 94
Schiefer m.
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Das Wort Schiefer, ahd. sciverro sw.m. ,Gesteinsbrocken‘ (Schützeichel 170), mhd. schiver, schëver, schivere, schëvere st.sw.m. ‚Splitter von Stein, bes. von Holz‘ (Lexer 2, 763f.) hat sich als /ʃiver‚ ʃever/ in der Bedeutung ,Splitter‘ dialektal in Hessen bis heute gehalten (HNassWb 3, 149; Crecelius 727; v. Pfister 248; (aber anscheinend nicht im Waldeckischen: WaldWb 91)). Im Nassauischen gilt dafür /ʃliver/ (HNassWb 3, 234; KehreinWb 352). Aus der Eigenschaft des blättrigen Absplitterns entwickelt sich im 14./15. Jh. schiverstein als Bezeichnung der Gesteinsart, und daraus erst nhd. das einfache Schiefer (DWB 15 [IX], 2; Weigand/Hirt 2, 704; Kluge/Mitzka 646f.).
Wegen dieses Bedeutungsspektrums ist deshalb durchaus nicht sicher, daß die mit Schiefer gebildeten FlN sich immer auf die Gesteinsart beziehen (Dittmaier 265); vielmehr können auch im Boden vorkommende Mengen von Gesteinssplittern namengebend sein. Deshalb wird versucht, über die Kombinationstypen (mögliche) Sachunterschiede abzubilden:
1. Mit -stein‚ -grube (-kaute‚ -kaule)‚ -bruch u. ä. gebildete Schiefer-Namen verweisen sicher auf die Gesteinsart.
2. Mit -mühle, -gasse u. ä. gebildete Namen verweisen ebenfalls auf die Gesteinsart, indem die Verwendung von Schiefer namengebendes Motiv ist.
3. Bei Schiefer als Simplex oder in Verbindung mit allgemeinen GT wie -acker‚ -wiese‚ -berg muß offenbleiben, welche der beiden Hauptbedeutungen namengebend war. Als namengebende Gesteinsarten kommen auch Muschelkalk (in 4925c1 Sontra WMK (Henn 1977, 72)) und Phonolith (in 5519b2 Ober-Widdersheim WET (Braun 1957, 37)) in Betracht. Soweit feststellbar, ist Schiefer in hessischen FlN meist mask.
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Die Identifizierung ist in den meisten Fällen unproblematisch. Vermengungen mit schief scheinen nicht vorzukommen, vereinzelt vielleicht mit Schiffer als Berufsbezeichnung bzw. als FamN.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 100
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Schiefer-Kaute: vor der schieffer kaut (Bicken)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/58437_vor-der-schieffer-kaut> (aufgerufen am 01.11.2026)
Kurzform der URL für Druckwerke
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