Wind-Scheide: HINTER DER WINDSCHEIDE [hinter der windscheid]

Rezenter Beleg aus Merenberg  
Gemeinde
Merenberg
Landkreis
Limburg-Weilburg
Topografische Karten
KDR 100, TK25 1900 ff.
AEC416D7-3050-4A60-B27E-A826B70B90DD

Beleg

Standard-Flurname

Wind-Scheide

Belegort

Belegtyp

rezent

Weitere Belege

Deutungen

Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Scheide

Hier sind die Belege zusammengestellt, die wahrscheinlich zur fem. Form mhd. scheide st. F. ‚Grenzscheide, Grenze, Scheidung, Trennung‘ zu stellen sind, vor allem Flurscheide, Wegscheide. Bei Scheid(e) als BT ist eine Trennung gegen Scheid faktisch kaum möglich. - In Einzelfällen liegt der im Untersuchungsraum historisch belegte FamN Scheid(en) zu Grunde.

Wind

Zu ahd. mhd. wint st. M. ‚Wind, Sturm, Windrichtung‘. Es handelt sich vor allem um solche Stellen, die in besonderem Maße zugig und dem Wind ausgesetzt waren. Die Windlücke ist ein (zugiger) Durchlass durch die Dorfbefestigung oder eine Landwehr. - Von den Windmühlen-Namen ist nur für Grüningen eine 1713 auf der Warte erbaute Windmühle gesichert, in Langsdorf und Garbenteich gab es wohl keine. Einige Komposita gehören wohl zum Verb winden und nehmen somit auf die Geländeform Bezug nehmen. Wennstrauch kann auch mit ‚wenden‘ in Zusammenhang stehen. Dass sich im einen oder anderen Namen die Volksbezeichnung Wenden verbirgt, ist nicht auszuschließen, da die Siedlung von Slaven in fränkisch-karolingischer Zeit im hiesigen Raum wahrscheinlich ist. Das zeigt z.B. der OrtsN Winnen (s.d.).

Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Wind

Zu ahd. mhd. wint st. M. ‚Wind, Sturm, Windrichtung‘. Es handelt sich vor allem um solche Stellen, die in besonderem Maße zugig und dem Wind ausgesetzt waren. Im Winter (Balkhausen) ist umgedeutet aus Windhain1; Windehren (Unter-Hambach) gehört zu Irre ‚brachliegendes Ackerland‘. Neben dem Substantiv steht die Adjektivbildung windisch ‚windig‘, die aber hess. auch ‚verdreht, verzogen, krumm, windschief‘ bedeutet, sodass der Name sich auf die Grundstücksform beziehen kann. In Darsberg kann ein FamN Wind oder Wende vorliegen. Darüber hinaus ist nicht auszuschließen, dass einzelne Komposita zum Verb winden gehören und somit auf die Geländeform Bezug nehmen.

Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)

Scheid m. (n.f.)

1

Der Scheid ist eine Substantivierung zum Verb scheiden ‚spalten, trennen‘, findet sich spurenweise im Ahd. sceit st.m. ‚Spaltung‘ (Schützeichel 169; Graff 6, 437) und im mhd. scheit st.m. ‚Trennung, Sonderung‘ (Lexer 2, 688) und hat sich in Namen früh mit Scheide ,Grenzscheide‘, mhd. scheide st.f. (Lexer 2, 683f.) vermengt (Weigand/Hirt 2, 689f.; Kluge/Mitzka 640; DWB 14 [VIII], 2398).

Wie die zahlreichen westdt. SN auf -scheid sind auch die FlN mask. oder neutr.; in hessischen FlN herrscht das mask. Genus offensichtlich vor, obwohl wegen der präpositionalen Fügungen in den meisten Fällen eine Entscheidung, ob mask. oder neutr., nicht möglich ist. Bach 2 § 619 stützt seine Vermutung, daß die -scheid-Namen nicht „nach einer Lage an der Grenze, einer Wasserscheide oder nach einem Höhenrücken bezeichnet“ seien, sondern „vielfach ... das bezeichnen, was sich einer durch Rodung aus dem Waldland der Allgemeinde ausgeschieden und so zu seinem Besitz gemacht hat“, damit, daß dann „das Wort in den FlN wohl viel häufiger sein (müßte), als dies tatsächlich der Fall ist.“ Obwohl Scheid als FlN in den westlichen Landesteilen Hessens außerordentlich häufig vorkommt, bleibt es bei der auch von Dittmaier 262 vertretenen Auffassung, daß die Namengebung sich auf die Eigenschaft ‚Grenze, Scheide, Bergriegel‘ bezieht (so schon Arnold 343f.; Vogt 1895, 3).

Scheid als Mask. oder Neutr. hat, als Wort in der Bedeutung ,Grenze‘ vereinzelt noch bekannt (HNassWb 3, 114), verschiedene Sonderbedeutungen entwickelt (ebd.; Crecelius 722), ist sonst aber nur als FlN erhalten (KehreinWb 342).

Als dialektale Hauptvarianten aus mhd. *scheit entwickeln sich /ʃaid/ sowie monophthongiertes /ʃe:d/ und /ʃa:d/, wobei durch Hebung auch /ʃi:d/ und /ʃo:d/ entstehen konnte. Da -scheid als GT im Nebenton stand, wurde der Vokal oft zu /ʃed/, /ʃid/, /ʃad/, weiter zu [ʃəd], gekürzt. Im Anlaut ist im niederdt. Sprachgebiet Hessens z. T. /sk-/ bzw. /ʃk-/ erhalten.

2

Die Scheid-Namen sind meist unproblematisch zu identifizieren. Die Schwierigkeit besteht darin, die „echten“ Namen mit der mutmaßlichen Bedeutung ‚Grenze ...‘ auszufiltern, ohne von vornherein auszuschließen, daß ein Genuswechsel zum Fem. stattgefunden haben könnte. Das wurde im groben dadurch erreicht, daß die häufigen und mit Sicherheit von mhd. scheide f. kommenden Kombinationstypen Wegscheide, Feldscheide und Flurscheide (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 6) ausgesondert wurden. Danach blieben nur noch 24 fem. Scheid-Namen übrig, die zum größeren Teil außerhalb des Hauptgebiets von Scheid m. (n.) liegen und z. T. erkennbar jungen Ursprungs sind (z. B. „Wetterscheide“). Diese Namen wurden jedoch mit aufgenommen, da ja auch bei Namen mit Scheid- als BT nicht mit Sicherheit zu entscheiden ist, ob eine mask./neutr. oder fem. Ausgangsform zugrunde liegt. Insgesamt machen jedoch die Kombinationstypen deutlich, daß die weitaus meisten verzeichneten Belege echte Belege für den Namentyp sind.

Die SN und die häufigeren Wüstungsnamen (vgl. Arnold 344f.) sind nicht aufgenommen. Die vereinzelten Kollektiva Gescheid können mit dem Hohlmaß Gescheidt n. (= ¼ Kumpf) (v. Pfister 246f.) vermengt sein.

Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 82

Nachnutzung

Rechtehinweise

Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Wind-Scheide: HINTER DER WINDSCHEIDE (Merenberg)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/583241_hinter-der-windscheide> (aufgerufen am 06.11.2026)

Kurzform der URL für Druckwerke

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