Galle-Rod: in dem Galleroth

Historischer Beleg aus Merenberg  
Gemeinde
Merenberg
Landkreis
Limburg-Weilburg
Topografische Karten
KDR 100, TK25 1900 ff.
AEC416D7-3050-4A60-B27E-A826B70B90DD

Beleg

Standard-Flurname

Galle-Rod

Belegort

Belegtyp

historisch

Belegzeit

1772

Quelle

Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Abteilung 162, Nr. 163.

Weitere Belege

Deutungen

Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Galle

Im FlN Galle haben sich vermutlich zwei voneinander unabhängige Bildungen miteinander vermischt. Zum einen ahd. galla, mhd. galle sw. F. ‚Galle (als Körperflüssigkeit)‘, ein germanisches Erbwort, das zu idg. *ghel- ‚gelb‘ gehört, und zum anderen spätmhd. galle sw. F. ‚Geschwulst‘, eine Entlehnung aus lat. galla ‚Gallapfel‘. Vorherrschendes Benennungsmotiv dürfte wohl eine fehlerhafte, geschwulstartige Stelle im Bodengrund gewesen sein. Das Element des Feuchten, Flüssigen, des Wasserhaltigen käme dann durch die Vermischung mit Galle als Körperflüssigkeit zustande.

Rod

Zu ahd. rot, rod, mhd. riute st.N.F.‚Rodung, durch Rodung urbar gemachtes Stück Land‘. Die zahlreichen Belege weisen eine Fülle von sprachlichen Varianten auf. Neben den häufigen /ro:t, rot/-Formen sind es vor allem /rö:de/-Formen. Soweit sie als Sg. fem. identifizierbar sind, gehen sie auf eine Nebenform von mhd. riute zurück, in der der Stammvokal gekürzt uns zu /ö/ gesenkt ist, um dann durch die Dehnung in offener Silbe zu /rö:de/ zu werden. /rö:de/ kann aber auch Plural zu Rod sein und konkurrieiert dann mit der Pluralform auf /-er/: Röder, mundartlich oft zu /re:rer/ entrundet und weiter zu /ri:rer/ gehoben. Rod-Formen erscheinen häufiger mit Senkung zu /a/ (Rad). Bei mündlichen /u:/-Formen wurde in der Regel angenommen, dass sie zu rot gehören, womit Vermengung ohnehin leicht möglich ist. Für den /d/-Laut kommt neben regelmäßigem Rhotazismus zu /r/ gelegentlich Lamdbazismus zu /l/ vor (Röder Loch in Odenhausen (Rabenau)). - In diesem wie in einigen andern Fällen ist nicht auszuschließen, dass die Namen an SiedlungsN Rod erinnern, über die aber nichts weiter bekannt ist.

Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Galle

Im FlN Galle haben sich vermutlich zwei voneinander unabhängige Bildungen miteinander vermischt. Zum einen ahd. galla, mhd. galle sw. F. ‚Galle (als Körperflüssigkeit)‘, ein germanisches Erbwort, das zu idg. *g hel- ‚gelb‘ gehört, und zum anderen spätmhd. galle sw. F. ‚Geschwulst‘, eine Entlehnung aus lat. galla ‚Gallapfel‘. Vorherrschendes Benennungsmotiv dürfte wohl eine fehlerhafte ‚geschwulstartige‘ Stelle im Bodengrund gewesen sein. Das Element des Feuchten, Flüssigen (etwa in Gallborn und auch in Gallenbach) käme dann durch die Vermischung mit Galle als Körperflüssigkeit hinzu.

Rod

Zu ahd. rot, rod, mhd. riute st. N. ‚Rodung, durch Rodung urbar gemachtes Stück Land‘. Der FlN Rod ist in vielen Varianten im ganzen Untersuchungsgebiet dicht und früh (13./ 14. Jh.) belegt. Formen mit Langvokal (in historischen Belegen oft durch Dehnungs-tii gekennzeichnet: roidtr) stehen neben solchen mit Vokalkürze; das /o/ erscheint vereinzelt zu /u/ gehoben, daneben häufig zu /ɑ/ gesenkt (Rad ), besonders im Nordosten des Untersuchungsgebiets. Neben der vorherrschenden Diminutivform Rödchen gibt es im südlichen Untersuchungsgebiet die mit dem Suffix -el gebildete Form Rödel, bei den Pluralformen überwiegt die Form Röder. Auch hier zeigt sich starke Varianz im Bereich des Vokalismus, die in einzelnen Fällen zu Umdeutungen und Verballhornungen geführt hat: Rädchen, Rädel, Rodel, Riedel, Rüdel, Rudel; Räder, Roder, Rieder, Rüder. Die Abgrenzung von Rod gegen rot (und den FamN Rot, Roth) ist - vor allem in den historischen Belegen - nicht immer zweifelsfrei möglich.

Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)

Galle f.

1

Der FlN Galle geht zurück auf ahd. galla, calla sw.f. ,Galle‘ (Karg-Gasterstädt/Frings 4, 29), mhd. galle sw.f. ‚Galle, Bitteres überhaupt‘ (Lexer 1, 729), ,geschwulstartige Stelle‘ (Weigand/Hirt 1, 615; Kluge/Mitzka 229). Als Bezeichnung für ‚fehlerhafte Stelle in Naturdingen‘ meint Galle einen ,unfruchtbaren, schlechten Fleck im Ackergrund und auf Wiesen‘ (DWB 4 [IV, I, 1], 1188), d. h. zu trockene, steinige oder auch zu nasse, quellige Stellen in Äckern und Wiesen.

Galle ist im Hessischen ebenso wie in großen Teilen des oberdeutschen Sprachraumes verbreitet und dient als Benennung für ‚nasse Stellen im Acker, in der Wiese, Quellen in Wiesen‘ (SHessWb 2, 1063; Buck 77; Keinath 42; PfälzWb 3, 16; RheinWb 2, 988; SchwäbWb 3, 31; BadWb 2, 280; Schmeller 1, 890). Auch für das Gebiet Frankenberg, Kirchhain, Marburg und den Kreis Wetzlar haben Leinweber (36 u. K. 38) und Wenzel (1930, 53 u. K. 61) Galle als überwiegende Bezeichnung für ‚nasse Stelle im Acker‘ festgestellt.

Der FlN Galle wird für Äcker und Wiesen mit nassen, quelligen Stellen sowie für ,steinige Stellen im Acker und solche, die nach Regen sehr feucht und bei Trockenheit sehr trocken sind‘ verwendet (Dittmaier 82).

2

Die Identifizierung der Galle-Belege bereitete keine großen Schwierigkeiten. Die Formen Goll- und Gell- (,Gold-, Gelb-‘) wurden nicht mit aufgenommen, da diese Namen ein anderes namengebendes Motiv haben (vgl. Debus 1964, 250f.; Knöpp 18).

Die morphologische Struktur der mit Goll- und Gell- gebildeten Namenkomposita unterscheidet sich deutlich von den Galle-FlN, bei denen -born‚ -brunnen‚ -acker‚ -wiese‚ -grund als GT typisch ist.

Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 118

Nachnutzung

Rechtehinweise

Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Galle-Rod: in dem Galleroth (Merenberg)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/582986_in-dem-galleroth> (aufgerufen am 06.11.2026)

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