Klamm-Beutel: am Klambeudel

Historischer Beleg aus Bicken  
Gemeinde
Mittenaar
Landkreis
Lahn-Dill-Kreis
Topografische Karten
KDR 100, TK25 1900 ff.
AEC416D7-3050-4A60-B27E-A826B70B90DD

Beleg

Standard-Flurname

Klamm-Beutel

Belegort

Belegtyp

historisch

Belegzeit

1743

Quelle

Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Abteilung 173, Dillenburg, Nr. 288.

Weitere Belege

Deutungen

Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Beutel

Wohl zum Appellativ ahd. bûtil, mhd. biutel st. M. N. ‚Tasche, Beutel‘. Es dürfte sich um einen FormN für eine leichte Vertiefung im Gelände handeln.

Klamm

Zu ahd. klamma st. F. ‚Klemme‘ mhd. klam st. M. klamme st. F. ‚Bergspalte, Schlucht‘. Die Wörter lassen sich an das Adjektiv mhd. klam ‚eng, dicht‘ anschließen. So sind die südhess. Klamm-Namen auf die Bedeutung ‚Felsspalte, Schlucht, schmale enge Täler und Höhen‘ zurückzuführen. Ihre Verbreitung ist in Südhessen auf den südwestlichen Teil des Odenwalds beschränkt. Daher wird in Nieder-Roden ein FamN vorliegen.

Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)

Schlucht, Schluft f. / Klamm f.

1A

Die Schlucht/Schluft-FlN lassen sich auf ahd. sluht (Graff 6, 792), mhd. sluft st.f. ‚das Schlüpfen, die Schlucht‘ und sluoche f. ‚Graben, Schlucht‘ (Lexer 2, 990, 992) zurückführen. Dabei haben sich mehrere Bedeutungsvarianten vermischt. Schlucht/Schluft benennt sowohl ‚eine schmale Tiefe zwischen Felsen‘ (Kluge/Mitzka 659; Weigand/Hirt 2, 737) als auch allgemein ,Wasser(abzugs)gräben, Rinnen‘, vgl. mhd. wazzersluoht st.f. ,Wassergraben‘ (Lexer 3, 713).

Beim Lautwandel von -ft- > -ht-, -cht- hat sich aus Schluft im Moselfränkischen und westlichen Niederdt. das schriftdeutsche Schlucht entwickelt, das die ältere Form langsam verdrängt (Paul/Moser/Schröbler § 116, 2a, 4.).

Eine Weiterbildung ist das in Thüringen übliche Schlufter/Schluchter m., das einen Graben bezeichnet, der durch Gewitterregen oder Schneewasser entstanden ist (DWB 15 (IX), 795, 812f.), aber ebenso einen ‚Einschnitt im Gelände, Hohlweg‘ benennt (ThürWb 5, 706). Auch sonst ist die Bedeutung außerhalb Hessens ähnlich (vgl. RheinWb 7, 1383, 1393; SiegWb 267).

Als Wort ist Schluft in Mittel- und Nordhessen für ‚Senke im Acker, Waldschneise‘ und als Bezeichnung für einen ‚tief liegenden Waldwiesendistrikt‘ bekannt (HNassWb 3, 253). Während Kehrein Schlufter als Bezeichnung für ,Schlucht‘ nennt (KehreinWb 354), finden sich bei Crecelius und Vilmar keine Hinweise.

Die FlN Schlucht/Schluft benennen in Hessen enge Täler und Hohlwege (KehreinNb 544; vgl. auch Dittmaier 273), können aber auch Pässe benennen, so in: 4624c2 Ziegenhagen WMK „auf der Schluft“ ,Paß über den First des Kaufunger Waldes‘ (Kaerger/Sauer 24, 29).

1B

Die südhessischen Klamm-FlN lassen sich ableiten von ahd. klammjan ,klemmen‘ (Graff 4, 557), mhd. klamme st.f.‚ klam st.m. allgemein ‚Einengung, Klemmung‘, auch ,Bergspalte, Schlucht, enges Tal‘ (Lexer 1, 1603; DWB 11 (V), 935). Speziell im Oberdt. hat sich die Bedeutung ,Felsspalte mit Wildwasser‘ eingestellt (Kluge/Mitzka 373; Weigand/Hirt l, 1045).

Klamm ist auch als FlN hauptsächlich im oberdt. Sprachraum verbreitet und bezeichnet dort ,Bergspalten, Schluchten‘ u. ä. (Buck 138; Zink 138; Keinath 56).

Hessisch ist Klamm als FlN in geringer Anzahl nur für den südwestlichen Teil des Odenwaldes belegt und benennt auch hier ,Felsspalten oder Schluchten, schmale, enge Täler, und Hohlen‘ (SHessWb 3, 1363)

Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 92

Nachnutzung

Rechtehinweise

Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Klamm-Beutel: am Klambeudel (Bicken)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/58243_am-klambeudel> (aufgerufen am 01.11.2026)

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