Rössel-Schneise: ROESSELSCHNEISE [oesselschneis]

Rezenter Beleg aus Egelsbach  
Gemeinde
Egelsbach
Landkreis
Offenbach
Topografische Karten
KDR 100, TK25 1900 ff.
AEC416D7-3050-4A60-B27E-A826B70B90DD

Beleg

Standard-Flurname

Rössel-Schneise

Belegort

Belegtyp

rezent

Deutungen

Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Schneise

Schneise ‚Durchhieb durch den Wald; langer, gerade Waldweg‘ als die heute übliche Gebrauchsform gegenüber älterem Schneid(s) tritt zuerst im 14. Jahrhundert im Mitteldt. auf, wird aber in FlN erst im 18. Jahrhundert mit dem Aufkommen der kameralen Forstwirtschaft produktiv. Schneise begegnet dann in großer Anzahl fast ausschließlich als GT von meist rein katasteramtlichen Namen.

Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Schneise

Schneise ‚Durchhieb durch den Wald; langer, gerader Waldweg‘ als die heute übliche Gebrauchsform gegenüber älterem Schneid(s) (s. d.) tritt zuerst im 14. Jh. im Mitteldt. auf, wird aber in FlN erst im 18. Jh. mit dem Aufkommen der kameralen Forstwirtschaft produktiv. Schneise begegnet dann in großer Anzahl fast ausschließlich als GT von meist rein katasteramtlichen Namen.

Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)

Rossel f. / Rutsche f.; Steinritz f. / Steinrücke f./ Steingeröll n.

Die Namen beziehen sich - mit unterschiedlicher Wahrscheinlichkeit auf Stein- oder Geröllansammlungen, meist an Hängen.

1A

Am unsichersten davon ist der Sachbezug des FlNs Rossel. Das Wort Rossel bezeichnet in Südhessen u. a. ‚durch Verwitterung entstehende Gesteinsabstürze; vom Felde zusammengelesene und angehäufte Steinhalde; Gesteinsader, die durch den Acker zieht; mit Steinen gefüllter Entwässerungsgraben; Bach mit steinigem Bett‘ (SHessWb 4, 1465). Das HNassWb 2, 898 belegt nur die vereinzelte Bedeutung ,Stauwehr, bei dem das Wasser rauschend herabfließt‘. Rossel, Rassel, von KehreinWb 332 für Westhessen als Wort nachgewiesen, bedeutet hier ,felsiger Acker; Vertiefung an einem Berge, durch welche das Wasser fließt; auch Name mehrerer Felsberge‘ (vgl. DWB 14 [VIII], 1258; V. Pfister 237), Steinrossel ,Steinbruch‘. Etymologisch hängt Rossel vermutlich mit nhd. rasseln, mhd. raʒʒeln (Lexer 2, 355) zusammen und ist „wohl von dem Geräusch der herabrollenden Steine hergenommen“ (Dittmaier 251).

Durch Steinbewegung hervorgerufenes Gerassel wird auch bei den anderen Bedeutungsvarianten namengebendes Motiv gewesen sein. Neben Rossel scheint eine umgelautete Nebenform Rössel (/resel/) bestanden zu haben. Vgl. dial. rasseln ,röcheln‘ (Vilmar 331).

1B

Rutsche und Rütsche, als GT in den FlN fast immer im Typ Steinrutsche, -rütsche‚ und Steinritz haben die gleiche Etymologie: mhd. steinrütsche, -rutsche, -rutze ,Felsenklippe, jäher Bergabhang mit Felsen und Gerölle, Höhlen und Spalten in demselben‘ (Lexer 2, 1168) sind entlehnt aus gallorom. *rocca ,Fels‘ (DWB l8 [X, II, 2] 2144; Post 107; vgl. Dittmaier 252).

Steinritze hat also nichts mit nhd. Ritz(e) zu tun. (Stein-)rutsche‚ -rütsche hat sich früh mit der Vorstellung des ,Rutschens‘ verbunden, mhd. rutschen, rütschen, rütsen, rutzen (Lexer 2, 559; vgl. Kluge/Mitzka 617), so daß der Vorstellungsinhalt sich im Namengebrauch verändern konnte (vgl. DWB l4 [VIII], 1568; Weigand/Hirt 2, 630). Entsprechend weit ist das Spektrum der Sachbezüge in den hessischen FlN. Als Wort ist Rutsche, Rütsche in Hessen als ,abschüssige Stelle‘ verschiedener Art verbreitet (SHessWb 4, 1547f.; HNassWb 2, 946), die Steinrütsche auch als ‚anstehender Fels im Acker‘ (HNassWb3, 761), ,felsiger Ackerboden‘ (FrankfWb 3027). Die Bedeutung ,(steiniger) steiler Abhang‘ belegen auch Vilmar 335, Crecelius 705, 808 und KehreinWb 330, der darüber hinaus auf die Bedeutung ‚Stelle auf dem Acker, worüber der Pflug geritscht, nicht tief genug eingegangen ist‘ hinweist. So begegnen in hessischen FlN neben der allgemein verbreiteten Bedeutung für Steinrutsch, Steinritz ,(steiniger) Abhang, Geröllhalde‘ auch Hinweise, daß steiniger Untergrund, vereinzelt sogar römerzeitlicher Steinuntergrund Benennungsmotiv ist (Braun 1954a, 77 für die Wetterau) oder daß sich der Name auf ein Geländestück bezieht, „das durch Ausschwemmen steinig geworden ist.“ (Raven 393 für 5816c2 Neuenhain MTK). Die Bedeutung ‚Reihe von Lesesteinen am Feldrain‘ für Rütsche (ThürWb 5, 313) ist hessisch nicht belegt.

1C

Auch die Steinrücke. als Wort nur im Osthessischen in der Bedeutung ‚als Ackergrenze aufgeschichtete Steinreihe‘ (HNassWb 3, 761) belegt, bedeutet entweder ,Steinhaufen natürlicher oder künstlicher Art‘ oder entspricht der Bedeutung von Steinrutsche, womit es etymologisch verwandt ist, da es auf galloroman. *roccia ,Felsen‘ zurückgeht (DWB 18 [IX, II, 2], 2144). Durch Anlehnung an nhd. Rücken entstand die im Osthessischen öfter belegte Dialektform /-röge/.

1D

Steingeröll, auch in FlN in der standardsprachlichen Bedeutung ,fortrollende Steine in Flußbetten und an Berghängen‘, ‚unregelmäßig verteilte größere Steine‘ (Weigand/Hirt l, 691; DWB 18 [IX, II, 2082), scheint ein junges, im Nhd. entstandenes Wort zu sein. Es ist in Hessen gebräuchlich (SHessWb 2, 1270), in Nassau auch in der Bedeutung ,Gerümpel‘ (KehreinWb 160).

2A

Am unsichersten ist die Bestimmung der Rossel-Namen, vor allem in der umgelauteten Form Rössel, weil sie meist als BT auftreten und hier mit -l-Ableitungen anderer Namen (z. B. Roß) vermengt sein können. Wo Rossel usw. als GT auftritt, liegt immer der Kombinationstyp Steinrossel zugrunde.

2B

1, Aufgenommen sind alle Rutsche-Namen außer dem Kombinationstyp Rutschbach, so daß das Merkmal des ,Steinigen‘ sicher vielfach fehlt und das Merkmal des ‚steilen Abhangs‘ dominiert. Rutsche als GT hat jedoch meist den BT Stein außer in 4824b1 Schemmern WMK, 4824c1 Reichenbach WMK, 4920c1 Bergfreiheit WFK, 4921b6 Trockenerfurth SEK, 4821b2 Obermöllrich SEK, 4924d4 Metzebach SEK, 4921b7 Borken SEK, 5518d1 Gambach WET, 5515b5 Weinbach LIW.

2. Bei Steinritz kann im Einzelfall Vermengung mit ,Ritze‘ und ,Riß‘ vorliegen. Die Ritz(e)- (Riß)-Namen ohne Stein- blieben deshalb unberücksichtigt.

2C

Bei Steinrücke, das leicht mit Steinrücken vermengt ist, wurden nur die fem. Belege aufgenommen.

Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 98

Schneise f. / Schneite f.; Schnade f.

1

Hierunter sind drei Namen verschiedener Sprachgeschichtlicher Herkunft vereinigt, die - bei vermutlich gleicher etymologischer Herkunft und bei ähnlichem Sachbezug - sich so vermengt haben, daß eine Trennung vom rezenten Bestand nur begrenzt möglich ist.

1. Schneise f. ist ein zuerst um 1400 im Mitteldt. belegtes Wort mit der Bedeutung ‚gerader Durchhau im Walde“ und ‚Schlinge zum Vogelfang‘, wobei die zweite Bedeutung anscheinend davon abgeleitet ist, daß hauptsächlich in den Waldschneisen den Vögeln nachgestellt wurde (Lexer 2, 1028f.; Weigand/Hirt 2, 764; Kluge/Mitzka 670; DWB 15 [IX], 1285). Schneise gilt als vornehmlich mitteldt.‚ speziell sogar hessisches Wort (Vilmar 361f.; v. Pfister 260f.; Crecelius 754), wenngleich es zumindest heute auch im linksrheinischen Rheinland und in Thüringen weithin verbreitet ist (RheinWb 7, 1609f.; Dittmaier 276; ThürWb 5, 853f.). Es leitet sich etymologisch vermutlich von schneiden her (Kluge/Mitzka ebd.) und berührt sich damit mit Schneite und Schnade. Als Wort bezieht sich Schneise heute in Hessen durchweg auf lange, gerade Walddurchschläge und ist eine katasteramtlich außerordentlich produktiv gewordene Bezeichnung des Forstwesens (HNassWb 3, 356); nur für das Waldeckische ist als ausschließliche Bedeutung ,Dohnenstieg‘, d. i. Weg zum Aufstellen der Vogelschlingen, belegt (WaldWb 95). Die hauptsächlichen Dialektvarianten für Schneise sind /ʃna:s/ und /ʃne:s/, manchmal auch /ʃnaids/ (FrankfWb 2788).

2. Amtliche Schneise-Namen sind mündlich häufig mit /ʃna(:)d/ oder /ʃne(:)d/ belegt. Hier liegt, wie bei anderen Schneid-Namen, das Wort die Schneite, ahd. sneida f. (Graff 6, 844), mhd. sneite st.f. ‚durch den Wald gehauener Weg, Durchstich‘ (Lexer 2, 1028) zugrunde. Die Bezeichnung bezieht sich „ursprünglich wohl (auf) einen an Bäumen angebrachten Einschnitt ..., dann den Weg selbst … . Da solche an Bäumen angebrachte Einschnitte zur Abgrenzung des Grundbesitzes dienten, so ergab sich die Bedeutung ‚Grenze, Grenzscheide‘“ (DWB 15 [IX],1248).

Mnd. stehen snêde, snedde m.f. ,Grenzscheide, Flurgrenze‘ und snêide f. ‚Flurgrenze, bes. durch die Waldmark geschlagene Forstgrenze, Grenzschneise, … Anteil an der Waldmark‘ nebeneinander (Lasch/Borchling 3, 303f.).

Trotz der sachlichen Ähnlichkeit kann Schneise nicht, wie Vilmar und v. Pfister ebd. annehmen, von Schneite abgeleitet werden. Etymologisch gehört Schneite zweifelsfrei zu schneiden (DWB ebd.), ist jedoch nicht mit substantivierten Ableitungen zu mhd. snîden zu verwechseln (vgl. auch HNassWb 3, 356f.).

3. Ob auch die Schnade als ablautende Nebenform zu schneiden zu verstehen ist, ist unklar (DWB 15 [IX], 1193 s.u. Schnat; Weigand/Hirt 2, 759f.; Kluge/Mitzka 668). Jedenfalls bedeutet spätahd. snatta (Kluge/Mitzka ebd.), mhd. snate, snatte sw.st.f. neben ,Strieme, Wundmal‘ (Lexer 2, 1025) auch ,Grenze‘ und ist „anscheinend … besonders auf nd. und md. Sprachgebiet üblich“ (DWB ebd.); mnd. snât (snaet) m. ‚durch Zeichen kenntlich gemachte Flurgrenze‘ (Lasch/Borchling 3, 302). In Hessen ist Schnade als ,(Gemarkungs)grenze‘ in Waldeck üblich (WaldWb 95; HNassWb 3, 327) und nicht identisch mit dem westhessisch-nassauischen Schnade ‚Haferrispe‘ (KehreinWb 358; HNassWb 3, 327) oder dem dort bekannten Schnat f. ‚junger Zweig, kärglich aufgeschossener Keim‘ (KehreinWb 359; vgl. Vilmar 361; v. Pfister 261; Crecelius 754). Im Rheinland ist Schnad auf das niederdt. Sprachgebiet beschränkt und nur schwer von Schneite zu trennen (Dittmaier 276). Bei den süd- und mittelhessischen Schnad-Belegen liegt jedoch wohl aus Schneite monophthongiertes /ʃna:d/ vor.

Problematisch ist die in Südhessen, besonders im Odenwald übliche Form /ʃna:ds/. v. Pfister 261f. betrachtet sie als regelrechte hochdeutsch verschobene Form von Snat. Da das Merkmal der Grenze aber hier nirgendwo mehr erkennbar ist, ist es wahrscheinlicher, daß es sich um eine Kontaminationsform aus dialektal /ʃna:d/ (< Schneite) und dialektal /ʃna:s/ (< Schneise) handelt, zumal der südliche Anschlußraum nur in FlN Schneite kennt (SchwäbWb 5, 1063).

2

Die Schneise-Namen sind unproblematisch zu identifizieren. Bei den Schneite-Namen sind die mit schneiden gebildeten Namen wie Schneidmühle ‚Sägemühle‘ und wohl auch Schneidgrube, -kaute u. ä. („in der Wetterau eine Grube der Zimmerleute zum Schneiden des Bauholzes mit der Schrotsäge“; DWB 15 [IX], 1280) auszusondern.

Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 142

Nachnutzung

Rechtehinweise

Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Rössel-Schneise: ROESSELSCHNEISE (Egelsbach)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/541506_roesselschneise> (aufgerufen am 04.11.2026)

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