See-Eller: bey der Seeellern
Beleg
Standard-Flurname
See-Eller
Belegort
Belegtyp
historisch
Belegzeit
um 1721?
Quelle
Stadtarchiv Frankfurt am Main, Archiv des Heiliggeistspitals Nr. 4281.
Weitere Belege
- 17. Jahrhundert: bey der See Ellern [Wiese]
Stadtarchiv Frankfurt am Main, Archiv des Heiliggeistspitals Nr. 4281., fol. 50'
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Eller
Eller steht als hessische Variante neben nhd. Erle (Alnus glutinosa) und geht auf ahd. elira ‚Erle‘ zurück.
See
Zu ahd. se(o), mhd. sê st. M. ‚See‘. Bezeichnet See, wie im allgemeinen Sprachgebrauch, stehendes Gewässer, so haftet der Name heute häufig an flachen Flächen oder leichten Mulden, die in ihrer heutigen landwirtschaftlichen Nutzung kaum noch erkennen lassen, dass hier früher Wasser war. Auch wegen der sachlichen Nähe kommt es bei den Namen mit Diminutiv leicht zu Vermischungen mit Sechen (s.d.) (Garbenteich).
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Eller
Eller und Ellen stehen als lokale Varianten neben nhd. Erle (Alnus glutinosa) und gehen auf ahd. elira und elina, mhd. erle sw. F. ‚Erle‘ zurück. Daneben steht Ellert als Kollektivbildung. In Erzhausen liegt eher der FamN Eller vor, in Sickenhofen erfolgte Umdeutung aus Eulensee.
See
Zu ahd. se(o), mhd. sê st. M. ‚See‘. Bezeichnet See, wie im allgemeinen Sprachgebrauch, stehendes Gewässer, so haftet der Name heute häufig an flachen Flächen oder leichten Mulden, die in ihrer landwirtschaftlichen Nutzung kaum noch erkennen lassen, dass hier früher Wasser war. Auch wegen der sachlichen Nähe kommt es bei den Namen mit Diminutiv leicht zu Vermischungen mit Sechen (s. d.).
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Eller f. / Irre f.
- 1A
Die Eller ist zunächst eine Nebenform zum Baumnamen Erle, der aus ahd. erila durch Konsonantenumstellung von älterem elira (Karg-Gasterstädt/Frings 3, 265, 396f.) entstanden ist und zu heutigem Eller geführt hat (Kluge/Mitzka 172; DWB 3 [III], 416; Dittmaier 64). Als Wort scheint EIler als Bezeichnung für die ‚Erle‘ in Hessen südlich des Mains nicht verbreitet gewesen zu sein, da sich ein Eller-Gebiet erst im westlichen Rheinhessen abzeichnet (SHessWb 2, 252 und K. II 21); nördlich des Mains scheinen Erle und EIler zu konkurrieren (KehreinWb 127).
In hessischen FlN bezeichnet Eller jedoch sehr häufig ,ödliegendes Land‘ und wird von dieser Bedeutung in älteren hessischen Quellen auch als Wort verwendet (vgl. z. B. FrankfWb 3027; Raven 386).
Es ist jedoch unwahrscheinlich, daß dieses Eller etymologisch von Eller ,Erle‘ abzuleiten ist, wie allgemein angenommen wird, so daß die Verödung mit dem Wurzelausschlag der Erlenbäume (Buck 12l) zusammenhinge. Die Eller-Namen scheinen zwar meist an feuchtem Gelände zu haften, wo Erlenbewuchs möglich war, oder „offene unbebaute Stellen im Wald oder auf ehemaligem Waldboden“ (Braun 1954, 73) zu bezeichnen. Aber in historischen Belegen seit dem 14. Jh. kommt der Name mehrfach als Eldern, Elder vor (Großkopf 1980, 8; Ott 137). Der bisher älteste betrifft 5818c2 Bergen-Enkheim FFM: 1320 „unam elderam dictam hobegarte super fontem dictum Hamersyn“ (Böhmer-Lau 2, 124). Dies stimmt mit dem von Buck 6 genannten Aldern, Altern, Eldern, Eltern, Ellern, Öllern ,Ödung, Wüstland, ungebautes Gelände‘ in Form und Bedeutung überein. Dessen Etymologie ist ungeklärt; das /d/ ist aber sicher nicht sekundär zwischen den Liquiden /l/ und /r/ entstanden, wie dial. aldr ,Erle‘ im Eichsfeld (E. Müller 1966, 68).
Durch die Assimilierung von /-ld/ > /-ll-/ haben sich in Hessen beide Ableitungen vermischt und sind im rezenten Namenbestand formal nicht zu trennen.
- 1B
Die Irre als Wort und Name hat sich mit einer Sonderbedeutung aus ahd. erda st.sw.f. (Schützeichel 43), mhd. ërde st.sw.f. ‚Erde, allgem. u. zwar: bebautes u. bewohntes Land‘ (Lexer 1, 620) entwickelt und entspricht deshalb nicht mehr voll der nhd. Bedeutung von Erde. In Südhessen bezeichnet das Wort ‚brachliegendes, auch ungepflegtes Ackerland, auch Wingert oder Waldstück, überhaupt Ödland, das bestenfalls noch als Weide genutzt wird‘ (SHessWb 2, 239). Wort und Name sind dialektal teils als /er/, teils als /ir/ (manchmal auch mit Vokallänge belegt, wobei die /i/-Formen historisch seit dem 16. Jh. häufig belegt sind, die Hebung /e/ > /i/ damit eine lautliche Widerspiegelung der Bedeutungsveränderung darstellt. Ursache muß der amtliche Namengebrauch gewesen sein, da es im Dialekt keine Grundlage für eine Hebung /e/ > /i/ gibt.
Als Wort scheint Irre heute nur noch im Odenwald gebräuchlich zu sein.
- 2A
Standardform in Hessen ist /eler/‚ häufig im Plural: /eler(e)n/, wobei die Pluralform in der Endung zu /elen/ verschliffen sein kann. Die letztere Form deckt sich mit Ellen-Namen verschiedenartiger Herkunft (z. B. <mhd. elne ,Elle‘; Lexer 1, 54l), wobei insbesondere die Belege mit Ellen- als BT höchst fraglich sind, während die Simplex- und GT-Belege nach dem Strukturtyp offenbar meist zu Eller gehören. Deshalb wurden nur diese (-)/elen/ berücksichtigt. Von den Eller-Namen wurden natürlich Namen wie Ellervater, Ellermutter, Ellerheite als Bezeichnungen für ,Großeltern‘ (vgl. zu letzterem WaldWb 134) ausgesondert. Auch mögliche Kollektive wie Ellerich, Ellerts u.ä. blieben unberücksichtigt (zu Eller ,Erle‘).
- 2B
Es ist schwierig, die Irre-Namen mit der Bedeutung ,Brach-, Ödland‘ von den allgemeinen Erde-Namen zu trennen, weil die Dialektformen gewöhnlich zusammenfallen. Zur Ausgrenzung wurden deshalb die Kombinationstypen herangezogen und alle Namen, die auf die Farbe (z. B. Weißerde, Roterde), die Bodenart (z. B. Leimenerde) o.ä. Bezug nehmen, ausgeschieden. Die verbleibenden Simplex- und GT-Vorkommen gehören alle ziemlich zuverlässig zu Irre.
Bei Irre als BT gibt es jedoch kein sicheres Kriterium, welcher Bedeutungsaspekt namengebend war. Neben Irre und Erde kommt hier auch mhd. irre st.f. ‚Irrtum, Verirrung‘ (Lexer 1, 1451; vgl. Hänse 80) in Betracht, wobei (sich) irren im Hessischen auch ,zanken‘ bedeutet (Vilmar 187). Ob die mehrfach belegten Irrgärten ‚Labyrinthe‘ waren oder nicht, kann ohne nähere Kenntnis der Örtlichkeit nicht entschieden werden. Wegen der hohen Unsicherheit wurden alle Namen mit Irr- als BT ausgeschieden, obwohl darunter sicher auch einige echte Irre-Namen sind, jedenfalls soweit sie in Südhessen liegen. Die kartierten Namen stellen damit nur die einigermaßen sichere Teilmenge der vorkommenden Irren dar.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 33
Seien m. f.; Siegen m.
- 1
Die Namen der oder die Seie(n) (meist der Seien, die Seie) und der Siegen gehören etymologisch und in der Sachbedeutung zusammen. Beide gehen auf germ. *sîhwan zurück, wobei durch grammatischen Wechsel Kluge/Mitzka 699) einerseits ahd. sîhan ,(heraus) seihen‘ (Schützeichel 164), mhd. sîhen ‚trans. seihen, intrans. tröpfelnd durch etwas sickern, fließen‘ (Lexer 2, 919), andererseits ahd. sîgan, sîgen ‚sinken, wanken, sich neigen, sich niedersenken; herabfließen‘ (Schützeichel 164), mhd. sîgen (Lexer 2, 916) entstehen. Die daraus gebildeten Substantivierungen mhd. sîhe st.sw.f. und sîgen st. n. ‚das Sinken, das Tröpfeln, Fließen‘ (Lexer 2, 919, 917) beziehen sich in FlN auf eine ‚Vertiefung auf dem Felde, wohin das Regenwasser seinen allmählichen Ablauf nimmt, Vertiefung, tiefere Stelle der Flur überhaupt‘ (Vilmar 383; ähnlich Kehrein Wb 374) und entsprechen deshalb in der Sache nicht immer Seife(n) (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 120), wie Dittmaier 287, 29l angibt.
Aus den Angaben bei Kehrein ebd. geht nicht klar hervor, ob Seich f., Seihen m. in Nassau im 19. Jh. noch als Wort bekannt war; Vilmar ebd. hingegen berichtet, daß Siegen im „nördlichen Niederhessen“ noch verstanden, aber als Wort nicht mehr verwendet werde (vgl. Arnold 516). Heute ist hier nur noch vereinzelt ein Siegplatz ‚nasse Stelle im Acker‘ belegt (HNassWb 3, 597; vgl. ebd. 558). Gleicher etymologischer Herkunft und in FlN von Siegen kaum zu trennen ist der, das Siech, Sich, Sech u. ä. bzw. unverschoben nd. Siek, Sik, Sege ‚feuchte Niederung, feuchte sumpfige Stelle‘ (Bach 2 § 309), mnd. sîk (sieck, zyk) m.n. ‚wasserhaltiger Grund, sumpfige Niederung, Tümpel‘ (Lasch/Borchling 3, 230). Schließlich scheint es in hessischen FlN noch eine /(e)l/-Ableitung zu den Hauptvarianten zu geben, so daß auch Namen wie Seiel, Seigel, Segel, Sichel u.ä. hierher gestellt werden.
Durch Monophthongierung und Diphthongierung, durch Spirantisierung des /g/ und verschiedenartige Kontrahierungen entsteht dialektal eine Fülle von Nebenvarianten zu den beiden Hauptvarianten des Namentyps.
- 2
Während die Identifizierung der Hauptvarianten Seie(n) und Siegen ziemlich unproblematisch ist, ist die Ein- und Ausgrenzung der seltener vorkommenden Varianten mit großen Unsicherheiten behaftet, so daß nur eine erste Annäherung an die tatsächliche Verbreitung der Seie(n)-Siegen-Namen in Hessen erfolgen kann, die durch Realproben und historische Belege im einzelnen gesichert werden müßte. Das gilt besonders
l. für die gesamte Gruppe der Namen mit der vermuteten /(e)l/-Ableitung, für die bisher außer durch Kombinationstypen nur gelegentlich eine Sachbestätigung gefunden werden konnte (Henn 1977, 75 für 4925c1 Sontra WMK);
2. für das Vorkommen der Nebenvarianten als BT von FlN, wo zahlreiche Vermengungen mit anderen Namen vorliegen. So sind die Secken-‚ Sicken-Belege aufgenommen, obwohl sie sicher z. T. auf PN (Förstemann 1, 1317ff.), im Einzelfall vielleicht auch auf mnd. segge ,Riedgras‘ (Bach 2 § 323) zurückgehen. Ausgesondert wurden nur die Belege für den „Siegbach“ (links zur Dill) und für die Wüstung „Seckbach“ (in 5219d2 Wittelsberg MBK: 831/850 „Sigibach“; Reuling 1979, 282).
3. Der mehrfach belegte FlN Sechling gehört nicht hierher: ,Gebund, Garbe‘ (Crecelius 785; HNassWb 3, 589).
Unberücksichtigt blieben auch Belege mit genitivischem /-s/ im BT wie Sichels-‚ Siegels-‚ weil sie mit großer Wahrscheinlichkeit auf einen PN oder FamN zurückgehen.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 119
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„See-Eller: bey der Seeellern (Bad Soden am Taunus)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/523786_bey-der-seeellern> (aufgerufen am 04.11.2026)
Kurzform der URL für Druckwerke
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