Ton-Au: in der Thonaw

Historischer Beleg aus Eppstein  
Gemeinde
Eppstein
Topografische Karten
KDR 100, TK25 1900 ff.
AEC416D7-3050-4A60-B27E-A826B70B90DD

Beleg

Standard-Flurname

Ton-Au

Belegort

Belegtyp

historisch

Belegzeit

1564

Quelle

Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Abteilung 331, Akten Nr. III c, 2.

Deutungen

Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Au

Zu ahd. ouwa, mhd. ouwe st. F. ‚Land am oder im Wasser, feuchter Wiesengrund, Flussinsel‘. Gelegentlich auftretende Graphien <h> und (vereinzelt) <g> sind in der Stellung zwischen zwei Vokalen als Schreibungen für einen Gleitlaut aufzufassen, der zur Ausspracheerleichterung dient. - Die Auzahl in Münster legt schon wegen des GTs Zahl ‚Schwanz‘ (s.d.) die Vermutung nahe, dass der BT Au Ergebnis einer Umdeutung ist. Der Beleg von 1489 lässt offen, ob mit <Auwer> der Auerhahn (s.d.) oder der Auerochse gemeint ist, deren Schwanz das namengebende Motiv bildete. Bei beiden Varianten ist dann allerdings erstaunlich, dass die Diphthongierung /u:/ > /au/ hier schon vollzogen ist.

Ton

Zu ahd. thâha ‚Ton, Lehm, Scherbe‘, mhd. dahe, tahe sw. F. und auch mit Vokallänge dâhe, tâhe ‚Ton‘. Das /n/ ist wohl über die flektierte Form in den Nominativ gekommen, wodurch der Vokal im Mitteldt. vor /n/ zu /o:/ gehoben wurde. Das Wort ist ursprünglich westoberdt. und im Hess. nicht heimisch (dafür: Aul, s.d.).

Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Au

Zu ahd. ouwa, mhd. ouwe st. F. ‚Land am oder im Wasser, feuchter Wiesengrund, Flussinsel‘. Gelegentlich auftretende Graphien lgg, ,hh und bb sind in der Stellung zwischen zwei Vokalen als Schreibungen für einen Gleitlaut aufzufassen, der zur Ausspracheerleichterung dient. Au- und Aab-Belege stehen öfter nebeneinander; so auch in Bensheim, wo der Au-Name in der Raab-Straße aufgegangen ist1.

Ton

Zu ahd. thâha ‚Ton, Lehm, Scherbe‘, mhd. dahe, tahe sw. F. und auch mit Vokallänge dâhe, tâhe1 ‚Ton‘. Das /n/ ist wohl über die flektierten Formen in den Nominativ eingedrungen, wodurch der Vokal im Mitteldt. vor /n/ zu /oː/ gehoben wurde. Das Wort ist ursprünglich westoberdt. und im Hessischen nicht heimisch (dafür: Aul, s. d.).

Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)

Ton m.

1

Ton ist mhd. als dahe, tahe sw.f. (Lexer 2, 407), mit Vokallänge tâhe, dâhe (Kluge/Mitzka 781; Weigand/Hirt 2, 1051), < ahd. thâha sw.f. ‚Ton, Lehm, Scherbe‘ (Karg-Gasterstädt/Frings 2, 23) belegt. Das /n/ ist wohl über die flektierten Formen in den Nominativ gekommen, das /a:/ ist dadurch im Mitteldt. zu /o:/ gesenkt worden; zugleich wechselte das Genus ins Mask. (DWB 21 [XI, I, 1], 389; Kluge/Mitzka ebd.; Trier 1951, 16). Ton ist in westoberdt. Dialekten „früh“ durch Letten (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 105) und Lehm (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 104) verdrängt worden (Kluge/Mitzka ebd.) und hat sich in seiner heutigen sprachlichen Form weitgehend durch den Einfluß der Sprache Luthers durchgesetzt.

Für das Hessische wird Ton in den älteren Wörterbüchern nicht genannt, obwohl es zumindest in Nordhessen bekannt ist (HNassWb 4, 75), wohl weil das Wort als „hochdeutsch“ gewertet wurde. Dabei ist es, wie die FlN-Verteilung zeigt, zunächst durchaus dialektale Bezeichnung, die in Konkurrenz zu Letten und Leimen steht.

Wie diese bezeichnet Ton in hessischen FlN schweren, tonigen Boden, der bei möglichst reinem Vorkommen in Tongruben, -kauten‚ -löchern abgebaut und zum Abdichten, vor allem aber als Töpfererde verwendet wurde.

Es steht außer Frage, daß es sich bei den hessischen Vorkommen um alteinheimische FlN handelt.

Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 107

Nachnutzung

Rechtehinweise

Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Ton-Au: in der Thonaw (Eppstein)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/511087_in-der-thonaw> (aufgerufen am 04.11.2026)

Kurzform der URL für Druckwerke

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