Lache-Beune: auf die Lach beun

Historischer Beleg aus Eddersheim  
Topografische Karten
KDR 100, TK25 1900 ff.
AEC416D7-3050-4A60-B27E-A826B70B90DD

Beleg

Standard-Flurname

Lache-Beune

Belegort

Belegtyp

historisch

Belegzeit

1669

Quelle

Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Abteilung 360, Eddersheim Nr. 3.

Deutungen

Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Beune

Zu ahd. biunta ‚eingezäuntes Grundstück‘, mhd. biunte, biunde, biunt st.w.F. ‚freies, besonderem Anbau vorbehaltenes und eingehegtes Grundstück, Gehege‘. Es bezeichnet ursprünglich aus der Allmende herausgenommenes, gehegtes Sonderland, das vornehmlich dem Anbau von Sonderkulturen wie Flachs, Rüben u.ä. vorbehalten war. Die heutigen FlN beziehen sich auf geschlossenes Ackerland und auf Grundstücke, die meist in Ortsnähe auf gutem Boden liegen.

Lache

Lache kann sich in FlN auf zwei verschiedene Sachverhalte beziehen: Lache 1: Zu ahd. lah st. M., lahha sw. F. ‚Lache, Sumpf, Wassergraben‘, mhd. lâ st. F., lache sw. st. F. ‚Lache, Pfütze, Sumpf, Sumpfwiese‘, nhd. Lache, ‚stehendes kleineres Gewässer, Pfuhl; sumpfige Wiese; niedrig gelegener, oft überschwemmter Landstrich; flache Geländevertiefung; stehendes Wasser in einem alten Flussbett‘. Lache 2: Zu mhd. lâche, lâchene sw. F., nhd. Lache ‚Einschnitt, Kerbe in den Grenzbaum oder -stein; Grenzzeichen‘. Zur Grenzmarkierung dienten im Mittelalter Einkerbungen in bestimmten, meist auffälligen und hochwüchsigen Bäumen (mhd. lâchboum st. M. ‚Grenzbaum‘) oder Steinen (mhd. lâchstein st. M. ‚Grenzstein‘). Im Untersuchungsgebiet scheint durchweg die Bedeutung Lache 1 namengebend zu sein. Dabei bezieht sich der Name in Einzelfällen sogar auf ein fließendes Gewässer wie im Falle der Oberlache in Gießen-Wieseck. Nur in einigen Namen mit Lache als BT könnte auch eine Grenzmarkierung Anlass zum Namen gegeben haben.

Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Beune

Zu ahd. biunta ‚eingezäuntes Grundstück‘, mhd. biunte, biunde, biunt st. sw. F. ‚freies, besonderem Anbau vorbehaltenes und eingehegtes Grundstück, Gehege‘. Es bezeichnet ursprünglich aus der Allmende herausgenommenes, gehegtes Sonderland, das vornehmlich dem Anbau von Sonderkulturen wie Flachs, Rüben u. ä. vorbehalten war. Die heutigen FlN beziehen sich auf geschlossenes Ackerland und auf Grundstücke, die meist in Ortsnähe auf gutem Boden liegen. Eine alte Adjektivableitung beunigt mit dem Suffix ahd. -eht/-oht steht daneben in Klein-Krotzenburg. Der diphthongierten Standardform Beune, Beunde und der entrundeten Hauptvariante Bein, Beine stehen zahlreiche weitere lautliche Varianten wie Bunde, Büne, selten Baune gegenüber. Häufigere und lautlich etwas weiter entfernt stehende Varianten Binn und Benn, Benge und Binge sowie Binde werden gesondert aufgeführt.

Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)

Beune f.

1

Die Beune oder Beunde, ahd. biunta st.f. (Karg-Gasterstädt/Frings 1, 1154), mhd. biunte, biunde, biunt st.sw.f. (Lexer 1, 289), ist als Wort unklarer Herkunft; vermutlich ist es aus *bi-(w)unda ‚um was sich der Zaun herumwindet‘ (Bach 2 § 57; Dittmaier 27; Weigand/Hirt 1, 226; Kluge/Mitzka 72; anders DWB 1 [I], 1747f.) entstanden. Es bezeichnet ursprünglich aus der Allmende herausgenommenes, gehegtes Sonderland, das vornehmlich dem Anbau von Sonderkulturen wie Flachs, Rüben u.ä. vorbehalten war (Bader 3, 97-104), und war insofern bedeutungsgleich mit Bitze (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 11) (Ramge 1985a, 681-686).

Während das Wort vor allem in einigen oberdt. Dialekten noch erhalten ist, ist es in Hessen heute nur in FlN bekannt. Sie beziehen sich auf „geschlossenes Ackerland“ (Crecelius 156) und auf Grundstücke, die meist in Ortsnähe auf gutem Boden liegen (KehreinWb 75; vgl. noch v. Pfister 18f.; SHessWb 1, 756). Vilmar 37f. weist vor allem auf die verschiedenen dialektalen Varianten des FlNs hin: Neben den diphthongierten Standardformen Beun(d)e und - entrundet - Bein(e) begegnen Kurzformen mit postvokalischem /-n(e)/-Ausfall (/boi‚ bai/), die manchmal sekundär monophthongiert sind (/ba:/). Der diphthongierten Standardform entspricht im hessischen Monophthonggebiet langvokalisches /bi:ne/ u. ä. Daneben muß früh eine kurzvokalische Nebenform *binde bestanden haben, die teils zu Binde und - gesenkt - Bende führte, meist aber durch Assimilation des /-nd-/ > /n/ die Formen Binn und Benn ergab, bzw. im nordosthessischen Gutturalisierungsgebiet (Wiesinger K. 19), wo /-nd/ > /ŋ/ wurde, Binge, Benge. Nicht selten tritt ein kollektiviertes oder intensiviertes Gebeune u.ä. auf.

2

Vor allem verschiedene dialektale Varianten machen die zuverlässige Ein- und Ausgrenzung der Beune-Namen schwierig.

1. Bei den /boin(e)/-Belegen ist eine Vermengung mit mittelhess. Beune ‚Backtisch‘ (Crecelius 156) ziemlich unwahrscheinlich.

2. Die /bain/-Formen sind von den mit Bein gebildeten FlN meist leicht durch Genus und Kombinationstyp (z. B. Hosenbein) zu trennen.

3. Die Formen mit /-n(e)/-Ausfall /boi, bai/ fallen phonologisch oft mit dem Plural von Bau zusammen. Ausgesondert wurden hier die Kombinationstypen, die auf tierische Bauten hinweisen (Fuchsbäu(e)‚ Dachsbau u. ä.).

4. Gleiches gilt für die langvokalischen Monophthongformen /bi:ne/, amtlich auch (Bühne), die mit dialektal Bühne ‚Oberboden, Zimmerdecke‘ u.ä. (Crecelius 220f.) zusammenfallen. Auch hier wurde nach dem Kombinationstyp entschieden.

5. Bei Binde als BT ist kaum sicher zu entscheiden, ob der Name zu Beune oder zu binden (z. B. Bindweiden) gehört. Hier wurden die Namen ausgesondert, deren Kombinationstyp mit hoher Wahrscheinlichkeit auf die Zugehörigkeit zu binden verweist. Der FlN Bende ,gebannte Heuwiese‘ (Dittmaier 23) ist in Hessen nicht nachzuweisen.

6. Am unsichersten ist die in Nordhessen verbreitete Variante Binge, Benge, weil sie im Gutturalisierungsgebiet mit Binge ‚Vertiefung, Graben‘ (Dittmaier 29) zusammenfällt. Eine versuchsweise bearbeitete Binge-Karte zeigt diffuses Streuvorkommen südlich des Gutturalisierungsgebiets und Häufungen im Raum Kassel-Melsungen-Homberg. Da in Nordhessen nur in diesem Raum auch Binde-Belege gehäuft auftreten (vgl. die vorläufige Karte in Ramge 1985, 683), ist es wahrscheinlich, daß auch die nordhessischen Binge-‚ Benge-Belege weit überwiegend zu Beune gehören. Da es kein sprachliches Kriterium gibt, die beiden Bedeutungen in Namen auseinanderzuhalten, wurden alle Binge-‚ Benge- Belege im Gutturalisierungsgebiet in die Karte aufgenommen, obwohl darunter vermutlich auch einige echte Bingen sind.

7. /bi:(n)/ kann im Einzelfall mit Biene oder Biegen (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 97) vermengt sein.

Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 15

Lache f.

1

Das Wort Lache, ahd lacha f. (Graff 2, 100f.), mhd lache st.sw.f. (Lexer 1, 1808), mnd. lâke (lacke) f. (Lasch/Borchling 2, 723), ist umstrittener Herkunft: Teils wird Entlehnung aus dem Romanischen (< lat. lacus ,See‘) angenommen, teils germ. oder gall. Ursprung vermutet (Müller/Frings 295-298; DWB 12 [VI], 13; Kluge/Mitzka 417; Weigand/Hirt 2, 3; Dittmaier 175f.). Lache/Lake ist im größten Teil des dt. Sprachgebiets verbreitet und bezeichnet „ein stehendes kleineres Gewässer, Pfuhl, mundartlich mit mancherlei Nebenbedeutungen, in Nieder- und Mitteldeutschland heißt Lache gern eine sumpfige Wiese oder ein niedrig gelegener, der Überschwemmung häufig ausgesetzter Landstrich, eine geringe, lang hin sich ziehende Feldvertiefung, in der einmal Wasser stand (KehreinWb 253), oder auch das stehende Wasser in einem alten oder durch Austreten erbreiterten Flußbette“ (DWB ebd.).

Das Wort ist in Hessen, erweitert um die Bedeutungskomponente ‚flache Einsenkung im Gelände‘ (HNassWb 2, 2; SHessWb 4, 74; Crecelius 530), bis heute gebräuchlich, wenngleich, soweit es sich um Wasserstellen handelt, Pfütze (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 110) und Pfuhl (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 111) üblicher sind.

In hessischen FlN haftet der Name heute natürlich vielfach an trockengelegten Geländevertiefungen. Gerade die heutige Verteilung des Namens belegt darüber hinaus, daß es sich meist um ehemalige Nebenarme von Flüssen und Bächen handelt, eine Tatsache, auf die übrigens schon Arnold 523 hingewiesen hat. „Lache“ tritt als GewN im nördlichen Südhessen auf als Bach links zur Gersprenz, „Schifflache“ als Altmainarm südl. Hanau und zweimal als Altrheinarme „Großlache“ westl. Groß-Gerau auf.

Die unverschobene Form Lake erscheint resthaft auch im Oberdt., Lache ist gelegentlich auch mask. belegt (DWB ebd.).

2

Nicht zugehörige Namen wie Li-lach und Bett-Laken können leicht ausgesondert werden.

l. Problematisch ist die Abgrenzung gegen mhd. lâche sw.f. ‚Einschnitt- Kerbe in den Grenzbaum od. -stein‚ überh. Grenzzeichen‘ (Lexer 1, 1807), wenn der Name als Simplex oder BT auftritt. Fälle wie „Lachelinde“ (5320b2 Ober-Ohmen VBK), „Lachgang“ (5118b3 Wehrda MBK, 6018c1 Urberach OFK), „Lachstein“ (5614b5 Nauheim LIW) sind einfach zugunsten von ,Grenz(zeichen)‘ zu entscheiden, aber bei den nicht ganz seltenen Lach(en)graben könnte z. B. bestenfalls die Sachprobe eine Klärung herbeiführen; dennoch wurde der letztere Kombinationstyp hier aufgenommen.

2. Vermengungen bestehen u. U. mit Loh (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 123) ,Gehölz‘, die mithilfe des Genus (z.B. /a:m dsi:lox/ ,Ziegen-loh‘ in 5517a4 Cleeberg GIE) oder der phonologischen Abweichung (z.B. A: hinter der Lachwiese – D:/luxvis/ ,Lohwiese‘ in 5517d1 Oberwetz LDK) bis auf einige unklare Fälle entschieden werden konnten.

3. Salzla(:)k(e) ,Salzlecke‘ wurde nicht aufgenommen, wohl aber Salzlache.

Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 108

Nachnutzung

Rechtehinweise

Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Lache-Beune: auf die Lach beun (Eddersheim)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/510211_auf-die-lach-beun> (aufgerufen am 03.11.2026)

Kurzform der URL für Druckwerke

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