Leimen-Halde: im leym helg:

Historischer Beleg aus Mittelheim  
Gemeinde
Oestrich-Winkel
Topografische Karten
KDR 100, TK25 1900 ff.
AEC416D7-3050-4A60-B27E-A826B70B90DD

Beleg

Standard-Flurname

Leimen-Halde

Belegort

Belegtyp

historisch

Belegzeit

1718

Quelle

Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Abteilung 29, Akten Nr. IIIb 38.

Deutungen

Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Halde

Zu ahd. halda, mhd. halde, helde sw. st. F. ‚Bergabhang‘. Die Namen beziehen sich auf Flurstücke in Hanglage. Durch Dehnung oder Umlautung des Stammvokals und Assimilation der nachfolgenden Konsonantenverbindung /ld/ > /ll/ ist ein breites Spektrum von Namenvarianten entstanden, wobei oft eine Umdeutung zu Hölle eine Rolle spielt: Hahl, Halle, Helde, Helle, Heil, Höhle, Hölle.

Leimen

Zu ahd. leim, leimo, mhd. leim st. M., leime sw. M.‚Lehm‘. Die FlN beziehen sich in den allermeisten Fällen auf Orte, an denen man den Lehm abbaute, der beim Hausbau zum Füllen des Fachwerks und zum Backofenbau verwendet wurde (Leimkaute, -grube). Manchmal war die Bodenbeschaffenheit namengebendes Motiv. - Meistens liegt im Untersuchungsraum die schwach flektierende Variante vor; einige Belege deuten auf eine Variante mit /au-/-Diphthong hin.

Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Halde

Zu ahd. halda, mhd. halde, helde sw. st. F. ‚Bergabhang‘. Die Namen beziehen sich auf Flurstücke in Hanglage. Durch Dehnung oder Umlautung des Stammvokals und Assimilation der nachfolgenden Konsonantenverbindung /ld/ > /ll/ ist ein breites Spektrum von Namenvarianten entstanden: Hahl, Halle, Helde, Helle, Heil, Hille, Höhle, Hölle, Holde, Hülle, Hulle. Lokale Umdeutungen besonders der Varianten Höhle und Hölle waren damit in vielen Fällen verknüpft. In Nieder-Modau/Ober-Ramstadt erfolgte eine Umdeutung, da es sich nach den historischen Formen um ein *Hagel-Kreuz ‚Kreuz, das zur Erinnerung an einen Hagelschlag (?) errichtet wurde‘ handelt. Die Grenzflur Da/Bessungen liegt an einem Hang. Es ist aber von den Belegen her unklar, ob es sich um ein Diminutiv zu Halde oder Höhle handelt oder ob frühe Umdeutung zu heilig (s. d.) stattgefunden hat1. Die Hahlwage in Zell (BGS) liegt oberhalb des Hahn ( Hain, s. d.) als ebene Fläche, sodass der FlN wohl Dissimilation von /n/ > /l/ erfahren hat und als ‚waagrechte Fläche des Hains‘ zu verstehen ist.

Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)

Leimen m.

1

Der Leimen, ahd. leim st.m.‚ leimo m. ‚Lehm, Schlamm‘ 1 (Schützeichel 109), mhd. leim st.m.‚ leime sw.m. (Lexer l, 1867), mnd. lêm m. (Schiller/Lübben 2, 661), urverwandt mit lat. limus ,Schlamm‘, ist die oberdt. Form der standardsprachlichen Bezeichnung Lehm für die Bodenart. Erst um 1800 ist Leim(en) durch das aus dem (Ost)Mitteldt. und Niederdt. stammende Lehm aus der Schriftsprache verdrängt worden (DWB 12 [VI], 544f., 697f.; Kluge/Mitzka 431; Weigand/Hirt 2, 40; zur Etymologie: Trier 1951, 10-16).

Als Wort ist Leimen in Hessen allgemein verbreitet (SHessWb 4, 275; HNassWb 2, 82; WaldWb 65; Crecelius 554), wobei entsprechend der dialektalen Monophthongierung von mhd. /ei/ nördlich /le:m/(-)‚ manchmal zu /li:m/(-) gehoben, und südlich /la:m/(-)‚ häufig weiter zu /lo:m/(-) gehoben und im Zentralhessischen zu /loam/(-) diphthongiert, gelten, während Osthessen /laim/(-) erhalten hat.

In FlN bezieht sich Leimen entweder auf lehmhaltigen Boden oder - häufiger - auf Örtlichkeiten, wo der Lehm in Leimengruben, -kauten‚ -kaulen‚ -löchern für den örtlichen Baubedarf, besonders des Fachwerkbaus, abgebaut wurde (Dittmaier 184); entsprechend den Abbaugruben für Letten, Aul(erde) und Ton (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 105-107).

Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 104

Nachnutzung

Rechtehinweise

Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Leimen-Halde: im leym helg: (Mittelheim)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/487763_im-leym-helg> (aufgerufen am 03.11.2026)

Kurzform der URL für Druckwerke

https://lagis.hessen.de/resolve/de/fln/487763