Rabe-Lei: Rabenlay
Beleg
Standard-Flurname
Rabe-Lei
Belegort
Belegtyp
historisch
Belegzeit
1771
Quelle
Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Abteilung 360, Lorchhausen Nr. 23.
Weitere Belege
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Lei
Es handelt es sich um einen östlichen Randbeleg der im Rheinland sehr häufigen Namen. Sie gehen auf mhd. leie, lei st. F. ‚Fels, Stein‘, ein Wort unklarer, vermutlich galloromanischer Herkunft zurück. Im Nassauischen bezeichnet Lei ‚Fels‘ allgemein (Kehrein), so auch in Ober-Kleen.
Rabe
Zu ahd. raban, mhd. raben, rabe st. M. ‚Rabe‘, womit gleichermaßen Raben- wie (die häufigeren) Saatkrähen bezeichnet werden. Benennungsmotiv ist in der Regel wohl das zahlreiche Vorkommen der Vögel, ein Rabennest (Königsberg) oder bildlich die an einen Rabenschwanz erinnernde Grundstücksform (Lützellinden). Der Rabenstein in Salzböden ist ein Stein am Weg zur Schmelzmühle. - Vermengung mit dem FamN Rab(e) (s. d.) ist möglich.
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Rabe
Zu ahd. raban, mhd. raben, rabe st. M. ‚Rabe‘, womit in Südhessen gleichermaßen Raben- wie (die häufigeren) Saatkrähen bezeichnet werden. Benennungsmotiv ist in der Regel wohl das zahlreiche Vorkommen der Vögel. Als Rabenstein bezeichnete man oft den Galgen; vielleicht beziehen sich auch Rabenbaum und Rabentisch mitunter auf Hinrichtungsstätten. Inwiefern in einigen zusammengesetzten Namen der BT (etwa in Hofheim?) auf ahd. râba, mhd. rabe, rappe sw. F., fnhd. rabe, rube ‚Rübe‘, eine Entlehnung aus lat. rāpa bzw. rāpum ‚Rübe‘ zurückgeht, ist nicht zu entscheiden. Die Belege in Ober-Beerbach zeigen eine Umdeutung von Rabennest zu Räubernest im Sinne von ‚Schlupfwinkel diebischen Gesindels‘
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Lei f.
- 1
Lei, mhd. leie, lei st.f., *auch leige, asächs. lêia ‚Fels, Stein‘ (Lexer 1, 1866) mit unklarer (Weigand-Hirt 2, 43), wohl galloromanischer Herkunft (Frings 216; Kluge/Mitzka 432), ist hauptsächlich im westdt. Sprachraum verbreitet (DWB 12 [VI], 681; Wallner 44f.; Post 110f.). Während Lei sich im Rheinland hauptsächlich auf Schiefergestein bezieht (Dittmaier 184), bezeichnet das Wort im Nassauischen auch ,Fels‘ überhaupt (KehreinWb 261). Im 19. Jh. ist „Leie fem., gewöhnlich Lêe, auch Lêde gesprochen,... nur in Oberhessen bekannt, selbst hier nicht allgemein üblich“ (Vilmar 244). Belegt sind die Verwendungen von Lei(e) für ,Schiefer‘, ‚Fels‘, besonders für die Schiefertafel des Schülers (HNassWb 2, 104; SHessWb 4, 270 und K. IV 22; Stroh 23).
- 2
Die dialektalen monophthongischen Varianten sind kaum einzugrenzen wie das von Vilmar angegebene /le:e/‚ da Vermengung mit Loh (K. 123) bestehen kann. Nach Struktur- und Kombinationstyp zu urteilen, läßt sich kein einziger hessischer /le:/- Name o. ä. sicher zu Lei stellen. Vereinzelt scheint allerdings Monophthongierung zu /la:/ vorzukommen. Vermengung mit apokopiertem /lei/ < Leite (K. 86) ist wegen der verschiedenen Verbreitungsgebiete bis auf den Grenzfall „Schmitter Lei“ in 5420c4 Sellnrod VBK auszuschließen. Unberücksichtigt bleiben (mit einer Ausnahme) die wenigen mask./neutr. Namen, die alle außerhalb des Hauptverbreitungsgebietes liegen und eher zu Loh oder Lehen gehören.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 99
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Rabe-Lei: Rabenlay (Lorchhausen)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/486773_rabenlay> (aufgerufen am 06.11.2026)
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