Schell-Horn-Mühle: SCHELLHORNMUEHLE [schaefermill]
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Hörn
Nach dem historischen Beleg enthält der BT den Plural von Horn, ahd., mhd. horn st.N., nach der Grundstücksform einer zipfeligen Gestalt (Wilhelmi).
Horn
Zu ahd. mhd. horn st. N. ‚Horn‘; nach der Form.
Mühle
Zu ahd. mulî, mulin ‚(mit Wasserkraft betrieben) Mühle, Mühlstein‘, mhd. mül, müle st. sw. F. ‚Mühle‘, einer Entlehnung aus gleichbedeutend lat. molina. Die mündlichen Formen haben oft die Form /me(:)n/, wobei das /n/ entweder aus der Flexion stammt: *an der müh(le)n oder durch /n/-/l/-Dissimilation entstanden ist. Namengebend waren meist Wassermühlen sowie die zu ihrem Betrieb notwendigen technischen Anlagen wie etwa Wassergräben und Stauwehre. Auf den Mühlwegen wurden Getreide und das gemahlene Mehl transportiert. Nur in einem Beleg steckt erkennbar ein FamN: Mühlhansenroth in Langd gehört zum PN Hans Mühl als ÜberN ‚der an/von der Mühle‘.
Schell
Im Lemma vermengen sich verschiedene Benennungsmotive: (1) Die meisten Belege mit Schell(en)- als BT führen auf ahd. skelo, schel, mhd. schele, schel sw. M. ‚Zuchthengst‘ zurück und verweisen auf Orte, wo der Hengst gehalten wurde, oder die dem Halter als Nutzungsstücke zur Verfügung standen. (2) Nicht auszuschließen ist auch eine Verbindung mit mhd. Schülle sw. M. ‚Scholle‘. (3) Einige Kombinationsformen, so vor allem die mit -driesch oder mit -rod, legen die Herleitung von einem BesitzerN Schell nahe. - Mehrere Belegreihen zeigen Vermengung mit Schild (s.d.).
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Horn
Zu ahd. mhd. horn st. N. ‚Horn‘. Die meisten Namen sind FormN: Sie beziehen sich auf Flurstücke von spitz zulaufender Form, auf vorspringende Waldspitzen oder, umgekehrt, auf Feldstücke, die in den Wald hineinragen, oder auf frei stehende Ecken von Hochflächen, die durch fortschreitende Erosion ihre Verbindung mit dem Plateau verloren haben. Daneben können einzelne Namen auf ahd. hor, horo, mhd. hor ‚Schlamm, Kot‘ zurückgehen und auf feuchten, sumpfigen Boden verweisen (Weiher!). In Dieburg/Groß-Zimmern wurde ein ursprünglicher *Hornhart (im Sinne von Horn-Wald) zu Hurnet, Hornet, Hernet zersprochen.
Mühle
Zu ahd. mulî, mulin ‚(mit Wasserkraft betriebene) Mühle, Mühlstein‘, mhd. mül, müle st. sw. F. ‚Mühle‘, einer Entlehnung aus gleichbedeutend lat. molīna. Namengebend waren Wassermühlen sowie die zu ihrem Betrieb notwendigen technischen Anlagen wie etwa Wassergräben (Mühlgräben) und Stauwehre (Mühlwehr). Mühlwehr steckt möglicherweise auch in Müllwert (Biebesheim am Rhein). Millert, Müllert sind vermutlich wie Bangert aus Baum-garten Zusammenrückungen aus Mühl-garten. Auf den Mühlwegen wurden Getreide und das gemahlene Mehl transportiert. Müllenrad (in Nieder-Roden) gehört nicht zu Mühlrad, sondern ist zu den -rod-Namen mit PN als BT zu stellen. Unklar ist der GT des Belegs aus Winterkasten.
Schell
Im Lemma vermengen sich (mindestens) drei verschiedene Benennungsmotive: Die meisten Belege mit Schell(en)- als BT führen auf ahd. skelo, schel, mhd. schele, schel sw. M. ‚Zuchthengst‘ und verweisen auf Orte, wo der Hengst gehalten wurde, oder die dem Halter als Nutzungsstücke zur Verfügung standen. Das Wort ist resthaft in südhess. Schellei ‚Hoden‘, Schellenbarg ‚kastrierter Eber‘ erhalten. Entsprechend geht der Schellert (Crumstadt) wohl auf *schel-hart ‚Waldstück, wo der Hengst gehalten wird‘ zurück. Einige Kombinationsformen, so vor allem die mit Hube, legen die Herleitung von einem BesitzerN Schell, Schöll nahe (auch Arheilgen, vgl. aber auch die Belegreihe in Wald-Michelbach). Andere, besonders die im Simplex (Münster, Radheim, Ober-Scharbach (kollektiviert?)), führen auf mhd. schelle st. M., eine Nebenform von mhd. scholle sw. M. ‚Scholle‘, zurück und beziehen sich auf klumpigen (?) Boden. Vereinzelt mag auch das Schöllkraut, mhd. schelkrût st. N. (Chelidonium majus), namengebend sein, so vielleicht in Urberach; auch ein FamN (Arheilgen) kommt als BT vor.
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Horn n. / Buschhorn n.
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Horn, ahd. horn st.n. (Schützeichel 86), mhd. horn st.n. ‚Horn, hervorragende Spitze‘ (Lexer 1, 1340f.), gemeingerm. und urverwandt mit lat. cornu ‚Horn‘ (Kluge/Mitzka 316f.; Weigand/Hirt 1, 890f.; DWB 10 [IV, II], 1815ff.), bezieht sich bildlich in FlN auf eine ,vorspringende Waldspitze, dann überhaupt spitz auslaufender Flurteil‘ (Dittmaier 114), „besonders bezeichnet es das Hineinragen einer Flur in eine andere, vgl. gêre“ (Leithaeuser 42); im Oberdt. ‚Landzunge, spitzer Berggipfel‘ (Buck 115; Vollmann 20). Auch in der Pfalz und in Rheinhessen werden ‚hervorragende Berge und Bergesteile‘ mit Horn benannt (Zink 44; vgl. SHessWb 3, 718ff.).
Für die hessischen Horn-Namen ist charakteristisch, daß sie nur ganz selten als Simplex auftreten. Meist drücken sie eine bestimmte Hornform aus wie Posthorn oder Ziegenhorn. Es wird sich in den meisten Fällen um ein hornförmiges Landstück handeln, spitz zulaufend in gerader oder gebogener Form.
Einen Sonderfall stellen die anscheinend nur in Hessen recht häufigen Buschhorn-Namen dar. Als Erklärung findet sich bei KehreinNb 461 „Buschhorn ist eine Anhöhe mit Buschwerk“; der Name wäre also Köppel (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 79) vergleichbar. Leithaeuser 42, Wallner 32 und Scheuermann 53 führen den FlN ohne weitere Erläuterung an. Buck 41 hält den Namen ebenso wie Arnold 509 für eine Verfälschung aus *Buch-schorn ‚steiler Ort mit Buchenbestand‘ (< ahd. scorro m. ,Fels‘; Graff 6, 539f.; vgl. Buck 39, 248). Die Deutung wäre bestätigt, wenn Buschhorn n. zu den in Hessen ebenfalls einige Male belegten FlN vom Typ Buchschirm (zu ahd. scarra f.?; Graff ebd.) zu stellen ist, der aber regelmäßig fem. ist. Ohne historische Belegreihen läßt sich die Frage nicht eindeutig entscheiden.
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Erhebliche Ein- und Ausgrenzungsprobleme ergeben sich bei Horn- als BT, weil diese Belege offensichtlich zu einem guten Teil auf hoch(en) und auf hor ,Sumpf‘ zurückgehen (vgl. Dittmaier 114). Die Wahrscheinlichkeit der Falschidentifizierung war so groß, daß Namen mit Horn- als BT ausgeschieden wurden, obwohl darunter sicher auch eine Reihe echter Horn-Namen sind.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 80
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Schell-Horn-Mühle: SCHELLHORNMUEHLE (Laufenselden)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/484380_schellhornmuehle> (aufgerufen am 06.11.2026)
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