Aul-Mark: ULMARK [ullmak]
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Aul
Zu mhd. ûle sw. F. ‚Topf‘ einer Entlehnung aus gallorom. ôlla ‚Topf‘. Die Aul-Namen weisen auf Orte, an denen Töpfererde gegraben wurde, die Wege dahin (Aulweg), gelegentlich auch auf den Ofen, in dem die Ware gebrannt wurde (Aulofen). Neben Aul steht Eul (s.d.). Vermengungen mit Eule (s.d.) entstehen dadurch, dass das Tier dialektal auch Aul(e) heißt. - Sprachlich auffällig ist der Uhlborn in Cleeberg, weil hier die Diphthongierung unterblieben ist (falls dem BT kein anderes Benennungsmotiv zu Grunde liegt (Jäger)).
Mark
Zu ahd. marca, mhd. marke st. F.‚Grenze, abgegrenztes Land; Gesamteigentum einer Gemeinde an Grund und Boden‘. Als Simplex und in Verbindung mit dem GT -wald überwiegt die Bedeutung ‚Allmende, Gemarkung‘; die Markstein-Belege beziehen sich dagegen auf Grenzmarkierungen.
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Aul
Zu mhd. ûle sw. F. ‚Topf‘, einer Entlehnung aus gallorom. ôlla ‚Topf‘. Die Aul-Namen weisen auf Orte, an denen Töpfererde gegraben wurde. In den Belegen aus Leeheim und Ober-Liebersbach scheint sich nicht-diphthongiertes /uː/ erhalten zu haben.
Mark
Zu ahd. marca, mhd. marke st. F. ‚Grenze, abgegrenztes Land; Gesamteigentum einer Gemeinde an Grund und Boden‘. Als Simplex und in Verbindung mit dem GT -wald überwiegt die Bedeutung ‚Allmende, Gemarkung‘; die zahlreichen Markstein-Belege beziehen sich dagegen auf Grenzmarkierungen. Die Teilhaber eines Markwaldes waren die Märker, mhd. merkære st. M., aber auch die Grenzsteine wurden Märker genannt, wenn sie das Zusammentreffen von mehreren Gemarkungen markierten. Am Märkerstuhl (Ober-Klingen) tagte das Märkergericht
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Aul f. / Topf m.; Düppen m. / Pott m. / Häfen m.
- 1A
Aul, ahd. ûla f. ,Topf‘ (Graff 1, 234), mhd. ûle sw.f. (Lexer 2, 1721), ist aus gallorom. ôlla ‚Topf‘ entlehnt (Hildebrandt 1963, 337) und im Trierer und Kölner Raum als Wort noch erhalten (RheinWb 1, 333; Müller/Frings 112; Post 247). In Hessen ist das Wort ausgestorben, wird aber noch von E. Alberus paraphrasierend ein weit milchdöpfen, ein aul genannt (DWB 1 [I], 817), von Crecelius 66 und KehreinWb 53 als „veraltet“ bezeichnet, wobei Kehrein - einigermaßen unklar - ,Theil, Bezirk eines Dorfes oder der Gemarkung‘ hinzufügt. Auch nach Vilmar 96 ist Aul „nicht mehr in Übung“, im Gegensatz zur Berufsbezeichnung des Töpfers Euler, Eulner (Vgl. KehreinWb 131; Crecelius ebd.; vgl. Estor 1407: Euler, töpfer). In Südhessen ist aber auch Euler unbekannt (SHessWb 2, 303). In FlN bezieht sich AuI meist auf die zur Topfherstellung benötigte Erde bzw. Vorgänge der Topfherstellung (s.u. 2). FlN weisen auch eine umgelautete Form Eul, bzw. nichtdiphthongiertes /u(:)l/ auf.
- 1B
Aus der komplizierten und im einzelnen umstrittenen Wortgeschichte von Topf (DWB 21 [XI, I, 1], 814-837; Müller/Frings 110; vgl. Weigand/Hirt 2, 1053; Kluge/Mitzka 782), mhd. topf st.m. (Lexer 2, 1462), genügt für unsere Zwecke der Hinweis, daß dafür in ganz Hessen mit Ausnahme des niederdt.-nordhessischen und südhess. Gebiets dial. Düppen gilt, das Hildebrandt 1963, 321 auf ahd. *duppîn (mit Gefäßsuffix în) zurückführt. Neben entrundetem /dibe/ bzw. entrundet-gesenktem /debe/ begegnet osthess. gerundet-gesenktes /döbe/ auch in den FlN (Vilmar 413; Crecelius 281 mit Hinweis auf E. Alberus: ein dopff, döpffen, kochdöpfen; KehreinWb 112; HNassWb 4, 174ff.; SHessWb 1, 1847ff.; so auch Estor 1406: Döppe, topf). Inwieweit einzelne mundartliche /top(f), töp(f)/-Belege durch die ostmitteldt. Standardform Topf oder durch die Standardsprache beeinflußt sind, kann für die nordosthessischen Belege nicht sicher entschieden werden (zur Grenze vgl. Hildebrandt 1963, 320).
Insgesamt grenzt sich hess. Düppen scharf gegen niederdt. Pott auf einer Linie nördl. Battenberg-Waldeck-nördl. Kassel ab (HNassWb 4, 175, K. 8), während in Südhessen die Grenze gegen südliches Hafen auf der Linie Seligenstadt-südl. Darmstadt-Groß-Gerau im Rheintal bereits nach Süden bis in den Raum Heppenheim verschoben ist (SHessWb 1, K. 109; vgl. Hildebrandt K. 1; DWA VIII).
In FlN bezieht sich Topf/Düppen wie Aul in der Regel auf Orte, die mit Topfproduktion und -transport verbunden sind; vereinzelt mag der Name nach der Form der Flur gegeben sein (vgl. Dittmaier 316).
Die Bezeichnung des Topfmachers Töpfer, mhd. töpfer, topfer st.m. (Lexer 2, 1463) ist als Wort heute hauptsächlich im hessischen Norden ab Marburg-Kirchhain-Ziegenhain-Hersfeld gebräuchlich (HNassWb 4, 77; vgl. Vilmar 96).
- 1C
Das niederdt. Synonym zu Topf/Düppen, der Pott, mnd. pot, put (Schiller/Lübben 3, 365), ist vermutlich vorlat. Herkunft, von den Römern übernommen, aber hauptsächlich von den Franken verbreitet und im Ripuarischen, Niederfränk. und Niederdt. gebräuchlich (Hildebrandt 1963, 333-337; Müller/Frings 111; Post 248; Kluge/Mitzka 561; DWB 13 [VII], 2039). In Hessen gilt Pott im Waldeckischen (WaldWb 82) und nördl. Kassel. Zur Grenze gegen Düppen s.1B.
Als aus Pott abgeleitete Berufsbezeichnung ist in FlN nur Pötter, mnd. potter (Schiller/Lübben 3, 368) belegt, wie auch Vilmar 305 nachweist, während das WaldWb 82 dafür Pöteker hat.
Nach den FlN-Belegen ist nicht ganz klar, ob es auch eine umgelautete Form Pött gab oder ob es sich nur um Plural-, bzw. Diminutivformen handelt.
- 1D
Obwohl das in Süddeutschland übliche Synonym für Topf, Hafen u.ä., ahd. haven st.m. ,Gefäß‘ (Schützeichel 75), mhd. haven, heven st.m. (Lexer 1, 1195) als Wort im größten Teil Südhessens mit /hafe, have/ gilt (SHessWb 3, 34 und Karten 109 und III 8), wenn auch von Norden durch Düppen bedrängt, hat sich dieses Wort in der südhessischen FlN-Gebung nicht ausgewirkt. Neben einem einzigen umgelauteten /heve-/-Beleg (zum Umlaut vgl. Hildebrandt 1963, 310) stehen einige wenige Namen nach der entsprechenden Berufsbezeichnung Hafner, Häfner, ahd. hafenâre st.m. (Schützeichel 75), mhd. havenære st.m. (Lexer 1, 1195).
- 2A
Aus den zahlreichen Aul(en)-‚ Eul(en)-‚ 0hl(en)-Namen wurden diejenigen herausgefiltert, die mit Sicherheit oder hoher Wahrscheinlichkeit auf Aul zurückgehen. Die meisten Eulen-, Uhlen-Namen gehen auf die Eule zurück, aber in weiten Teilen Hessens zwischen oberer Lahn und mittlerer Fulda auch die Aulen-Namen, weil hier mhd‚ iuwel, iule sw.f. ,Eule‘ (Lexer 1, 1464) > md. ûle zu Aule diphthongiert wurde (vgl. Vilmar 19). Die Zugehörigkeit der Varianten wurde deshalb nach dem Kombinationstyp ermittelt: Als zugehörig wurde Simplex angenommen (weil „in der Eule“, auf den Vogel bezogen, keinen rechten Sinn gibt), ferner Aul als BT zu -grube, -kaute‚ -erde und -ofen (wo Töpfe gebrannt wurden) und schließlich -gasse‚ -weg‚ -pfad (Wohnungen der Euler bzw, Transportwege).
- 2C
Nicht aufgenommen ist Pottasche, deren Bezeichnung daher rührt, daß „Laugensalz dadurch gewonnen wurde, daß gebrannte Pflanzenteile in einem Topf gekocht wurden“ (Kluge/Mitzka 561). Als FlN tritt Pottasche auf in 5721d1 Breitenborn a.W. MKK, 5813c7 Grebenroth RTK, 5815c3 Engenhahn RTK, 6218b8 Steinau DAD, 6219bl Rehbach ODW, also weit jenseits des Pott-Gebiets.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 106
Mark f.; Märker m.
- 1
Die Mark, ahd. marca, mar(c)ha st.f. ‚Grenze, Ende; Bestimmung; Grenzmark, Land, Gebiet‘ (Schützeichel 123), mhd. marke, auch march, mark merke‘ st.f. (Lexer l, 2048) „ist ursprünglich die unwirtliche, grenzenlose Waldwildnis (...) zwischen einzelnen Siedlungsinseln“ (HRG 3, 280), erweitert von da aus seine Bedeutung einerseits auf die Grenze und die Regelung der Nutzungsrechte im Grenzraum aneinanderstoßender Siedlungsgenossenschaften und andererseits auf die Gesamtheit des dadurch umschlossenen Gebiets der Siedlung, das Land innerhalb des Dorfetters, die Feldfluren und die Allmende (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 2). Die hochkomplexen, historischen und regionalen Veränderungen unterliegenden Formen der Markgenossenschaft (vgl. HRG 3, 302-316) haben dazu geführt, daß der Mark-Begriff sehr unterschiedliche Gebrauchsbedeutungen im semantischen Spannungsfeld zwischen ,Grenze‘ und ,Gemarkung‘ erhielt. Für den älteren Sprachgebrauch in Hessen zeichnet sich nach der Untersuchung der Weistümer ab, daß in den mittleren und südlichen Landesteilen zwar auch die Bedeutung ,Grenze‘ eine Rolle spielte, aber die Bedeutungen ,Allmende‘ und ‚Gemarkung‘ vorherrschten, (Schmidt-Wiegand 1981, 19-23 und K. 2, 3). Hier hatten vor allem die Markwälder, die von einer Markgenossenschaft oder mehreren benachbarten gemeinsam genutzt wurden, eine wichtige Funktion (z. B. für den Rheingau vgl. Klötzer; für 5317b1 Rodheim-Bieber GIE Heymann; weit. Lit. Demandt l, 593-595). Die Teilhaber eines Markwaldes waren die Märker, mhd. merkaere st.m. (Lexer 1, 2111; DWB l2 [VI], 1637), die das Märkerding als Forst- und Waldgericht abhielten (so als FlN „Markgeding“ in 57l4b5 Daisbach RTK). Aber auch Grenzsteine wurden Märker genannt, wenn an ihrem Standort drei oder mehr Gemarkungen aneinanderstießen (Dreimärker, Viermärker). Das verstärkende Gemarke f. ‚Gemeindegebiet‘ (DWB 6 [IV, I, 3], 3165; Lexer 1, 836) entspricht dem katasteramtlichen nhd. Gemarkung.
In Hessen war Mark im 19. Jh. „nur noch sehr spärlich im Gebrauche; gemeine Weiden heißen noch in einzelnen Gegenden appellativisch Mark, z. B. bei Altenbrunslar“ (Vilmar 262); Crecelius 579 erwähnt nur den Markstein als ,Grenzstein‘; KehreinWb 158 führt Gemark und Gemarkung an (vgl. KehreinNb 408, 501). Während Mark heute in Hessen nur noch im Kombinationstyp Markstein üblich ist (SHessWb 4, 542, 545; HNassWb 2, 259; WaldWb 70), ist Gemark ,Gemarkung‘ auf Rheingau/Westtaunus und Rheinhessen beschränkt (SHessWb K. II 74; Dittmaier 86, K. l7) und in Südhessen durch Gemarkung ersetzt.
In den FlN spiegelt sich die gesamte Breite der Wortbedeutungen, so daß es sinnvoll ist, die wichtigsten Kombinationstypen / +wald/ und /+stein/ besonders hervorzuheben.
Soweit Mark sich auf Gemeinland bezieht, sind Allmende (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 2) und Gemein(d)e (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 3) zu vergleichen; soweit die Bedeutung ‚Gemarkung‘ vorliegt, auch Bann (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 12).
- 2
Für die Hauptmasse der Belege ist die Identifizierung unproblematisch. Etwas unsicher sind die Mark-Namen mit ausgefallenem Verschlußlaut /k/ wie „Marbach“, für die sich teilweise aber Mark als Ausgangsform ermitteln läßt, z. B. für /in der ’moar,eg/- „Markeck“ in 5718b2 Rendel WET (vgl. Großkopf 1980, 14). Sie wurden deshalb einbezogen.
Problematisch sind einige FlN mit -mark als GT und mask. Genus (z. B. /of dem pafemoarg/ in 5318d6 Salzböden GIE), weil wegen des Genus der GT eher teilassimiliertes -berg ist. Entschieden wurde in diesen Fällen nach dem Genus (obwohl Mark nicht immer fem. ist.) und dem Kombinationstyp.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 1
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Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
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„Aul-Mark: ULMARK (Espenschied)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/474293_ulmark> (aufgerufen am 06.11.2026)
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