Paul-Büchler-Hof-Reite: Paul Büchlers Hofraithe
Beleg
Standard-Flurname
Paul-Büchler-Hof-Reite
Belegort
Belegtyp
historisch
Belegzeit
1771
Quelle
Staatsarchiv Darmstadt, A 1 (Die Urkunden werden nach Ortsnamen bzw. Provenienz und Jahr zitiert).
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Hof
Zu ahd. mhd. hof st. M. ‚Hof, Gehöft, (allein gelegenes) Bauerngut‘ sowie zu ahd. hovestat ‚Wohnstätte‘, mhd. hovestat, hofstat st. F. ‚Hofstatt; Grundstück, auf dem ein Hof steht, stand oder errichtet werden kann‘ und mhd. hovereite sw. F., nhd. Hofreite ‚Hofraum; freier Raum um ein landwirtschaftliches Gebäude; bäuerliches Anwesen mit Haus, Hof und Wirtschaftsgebäuden‘. - Die dialektal allein geltende Form /ho:b/ findet sich in den historischen Belegen erstaunlich selten, hier hauptsächlich unter den spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Vorkommen.
Reite
Das Wort Reite, Reide, meist in Hofreide, ist etymologisch ungeklärt. Hofreite bezeichnet ursprünglich den unbebauten Raum am Hofgut, dann aber auch den Hof mit der Hoffläche insgesamt: Das ist die heute in Hessen herrschende Gebrauchsweise.
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Büchler
Zum FamN Büchler.
Hof
Zu ahd. mhd. hof st. M. ‚Hof, Gehöft, (allein gelegenes) Bauerngut‘ sowie zu ahd. hovestat ‚Wohnstätte‘, mhd. hovestat, hofstat st. F. ‚Hofstatt; Grundstück, auf dem ein Hof steht, stand oder errichtet werden kann‘ und mhd. hovereite sw. F., nhd. Hofreite ‚Hofraum; freier Raum um ein landwirtschaftliches Gebäude; bäuerliches Anwesen mit Haus, Hof und Wirtschaftsgebäuden‘. Die in einigen historischen Belegen (z. B. Dornheim, Ginsheim-Gustavsburg) dokumentierte Ersetzung des wurzelschließenden Reibelauts /f/ durch den Verschlusslaut /b/ zeigt sich auch noch in einigen rezenten Diminutivformen (Eulsbach: Hebchen, Schannenbach: Hebche) und mündlich (Hausen). Einer der FlN aus Götzenhain bezieht sich auf die Wiese eines Hofverwalters.
Paul
Zum PN Paul bzw. dem HeiligenN Paulus, in Bessungen FamN
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Pfuhl m.
- 1
Der Pfuhl, ahd. pful (Graff 3, 332) und pfuol (Weigand/Hirt 2, 417; Kluge/Mitzka 547), mhd. phuol st.m., Pl. phüele; md. phûl (Lexer 1, 268), mnd. pôl, pûl m. (Schiller/Lübben 3, 359) bezeichnet „im eigentlichen Sinne eine größere tiefere Pfütze“ (DWB 13 [VII], 1804). Für den Sprachgebrauch in Hessen stellt v. Pfister 212 fest: „In Niederhessen und südlich des Maines Puel, im Buchenlande Pôl, in den Lahngauen und der Wetterau Poul, gilt der Ausdruck meistens nicht sowol in schriftsprachlicher Bedeutung als ‚Sumpf, Lache, Pfütze‘, sondern eigens für die Jauche vom Viehe, wofür in nördlichem Lande doch mehr Adelsudde herschet.“ Das wird durch die Bedeutungsangaben in den rezenten hessischen Wörterbüchern gestützt (SHessWb 1, 813f.; HNassWb 2, 625; WaldWb (poul) 82), wenngleich heute südlich der Linie Biedenkopf-Staufenberg-Lauterbach-Gersfeld für ‚Jauche‘ Pfudel vorherrscht (HNassWb 3, 861f. und K. 31). In den hessischen FlN geht Pfuhl offensichtlich fast immer auf die ursprüngliche Bedeutung ‚Lache, Pfütze, kleiner Teich‘ (Dittmaier 228; Buck 206) zurück.
Die verschiedenen dialektalen Varianten von Pfuhl gehen aus von mhd. phuol, das teils zu /pu:l/, /po:l/, in Nordhessen stellenweise /pü:l/, monophthongiert wurde, teils in steigenden Diphthong [poul‚ paol] überging. Daneben gab es eine bereits mittelalterliche Nebenform mit kurzem Stammvokal /u/ am Mittelrhein und in der Wetterau (Weigand/ Hirt ebd.), die sich in heutigem mundartlichen /pul/, /pol/ erhalten hat. Außerdem kommt die Dialektvariante /pun/‚ /poin/ vor, deren /n/ entweder als Dissimilation oder aus dem Sg.Dat. zu erklären ist, falls neben dem in der Regel stark flektierten Pfuhl noch eine schwach reflektierte Nebenform anzusetzen ist: dafür sprechen Belege wie /em pi:len/ in 4722a2 Großenritte KSK u. a. (vgl. DWB 13 [VII], 1805). Auch die gelegentlich als FlN vorkommende Form Pudel (vgl. KehreinWb 313) ist vermutlich aus Pfuhl entstanden, indem älterem *pfuel ein /d/ eingeschoben wurde (DWB 13 [VII], 1804; Kluge/Mitzka ebd.; vgl. dagegen Dittmaier 236).
- 2
Identifizierungsschwierigkeiten ergeben sich vor allem bei der Variante /paul/, weil sie z. T. gleichlautend mit dem PN Paul ist. Belege mit /paul/ u. ä. als Simplex und GT wurden deshalb aufgenommen, /paul(s)-/ als BT hingegen nicht.
Im Bereich des Limes kann sich /po:l/ im Einzelfall auch auf den „Pfahlgraben“ beziehen. Vereinzelt scheint auch der Volksname der „Polen“ namengebend gewesen zu sein (z.B. „bei den toten Polen“ 4323a1 Gieselwerder KSK u. a.). Bei /poil/-Formen könnte gelegentlich /boil/ ‚Bühl‘ (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 71) zugrunde liegen.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 111
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Paul-Büchler-Hof-Reite: Paul Büchlers Hofraithe (Hochstädten)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/472176_paul-buechlers-hofraithe> (aufgerufen am 04.11.2026)
Kurzform der URL für Druckwerke
https://lagis.hessen.de/resolve/de/fln/472176