Bangert-Acker: Bangerts Acker
Beleg
Standard-Flurname
Bangert-Acker
Belegort
Belegtyp
historisch
Belegzeit
1771
Quelle
Staatsarchiv Darmstadt, A 1 (Die Urkunden werden nach Ortsnamen bzw. Provenienz und Jahr zitiert).
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Acker
Zu ahd. ackar, mhd. acker st. M. ‚Acker, Feld‘. In FlN ist Acker im Untersuchungsraum über zweitausendmal belegt. Die sehr allgemeine Bedeutung (‚bebautes Land‘) erklärt die weite Verbreitung und das überwiegende Vorkommen als GT von Namenkomposita. Bei diesen sind hinsichtlich des namengebenden Motivs verschiedene Typen zu unterscheiden: die Benennung erfolgte nach dem Namen, Amt oder rechtlichen Status des Grundbesitzers (z.B. Herrenacker), nach der Beschaffenheit und Nutzung des Bodens (z.B. Steinacker), nach der Größe und Form des Geländes (z.B. Langacker), nach der relativen Lage zu bestimmten topographischen Punkten (z.B. Mühlacker) usw. In den frühen Belegen ist die Grenze zwischen Appellativ und Name manchmal noch fließend. Selten taucht Acker als BT oder Simplex auf.
Bangert
Bangert geht auf ahd. boumgarto ‚Obstgarten‘, mhd. boumgarte sw. M. ‚Baumgarten‘ zurück. Regionales Bangert entstand im Zuge der Monophthongierung von /boum/ > /ba:m/, /bo:m/ durch Kürzung des Vokals, Teilassimilierung von /mg/ zu /ng/ und weiter gehende Velarisierung zu /n&/. Das im Nebenton stehende -garte wurde schließlich zu /-gert/ abgeschwächt. Amtlich erscheint oft die Form Banngarten u.ä.; das ist aber eine Umdeutung zu Bann, wie die historischen Belege in der Regel zeigen. Bangert ist ein Name des südlichen und westlichen Sprachraums. Er bezieht sich wie die standardsprachliche Form Baumgarten ursprünglich auf ein gehegtes Grundstück mit Obstbäumen. Es liegt meist in Ortsnähe und ist als privates Eigentum dem Gartenrecht unterworfen. Vereinzelt und vom Appellativ nicht immer sicher zu trennen erscheinen auch die FamN Bangert, Baumgart.
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Acker
Zu ahd. ackar, mhd. acker st. M. ‚Acker, Feld‘. In FlN ist Acker in Südhessen über sechstausendmal belegt. Die sehr allgemeine Bedeutung (‚bebautes Land‘) erklärt die weite Verbreitung und das überwiegende Vorkommen als GT von Namenkomposita. Bei diesen sind hinsichtlich des namengebenden Motivs verschiedene Typen zu unterscheiden: die Benennung erfolgte nach dem Namen, Amt oder rechtlichen Status des Grundbesitzers (Wigantsacker, Schultheisenacker, Herrenacker), nach der Beschaffenheit und Nutzung des Bodens (Steinacker, Rübenacker), nach der Größe und Form des Geländes (Langacker, Krummacker), nach der relativen Lage zu bestimmten topographischen Punkten (Ackher beym drey dorn) usw. Die ältesten historischen Belege reichen bis ins 12. Jh. zurück (ad Langenacker, ad Obernacker CodLaur, Nr. 38 14), doch ist die Grenze zwischen Appellativ und Name in manchen frühen Belegen noch fließend (Raunheim 14. Jh. an der Herren Ackir). Relativ selten taucht Acker als BT, noch seltener als Simplex oder Diminutiv auf. Crumstadt weist die Kombination Acker + Furche auf; der GT in Groß-Bieberau/Ueberau (zusammengehörig) geht auf zersprochenes Rain (s. d.) zurück, da Au immer fem. ist.
Bangert
Bangert geht auf ahd. boumgarto ‚Obstgarten‘, mhd. boumgarte sw. M. ‚Baumgarten‘ zurück. Regionales Bangert entstand im Zuge der Monophthongierung von /bɔʊm/ zu /bɑːm/, /boːm/ durch Kürzung des Vokals, Teilassimilierung von /mg/ zu /ng/ und weiter gehende Velarisierung zu /ŋ/. Das im Nebenton stehende -garte wurde schließlich zu -gert abgeschwächt. Bangert ist ein Name des südlichen und westlichen Sprachraums mit einem Schwerpunkt im vorderen Odenwald. Er bezieht sich, wie die standardsprachliche Form Baumgarten, ursprünglich auf ein gehegtes Grundstück mit Obstbäumen. Es liegt meist in Ortsnähe und ist als privates Eigentum dem Gartenrecht unterworfen. Vereinzelt und vom Appellativ nicht immer sicher zu trennen erscheint auch der FamN Bangert, so z. B. in Mörlenbach, Rothenberg, Vöckelsbach und Winkel.
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Bangert m., Baumgarten m.
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Die FlN Bangert und Baumgarten gehen auf das gleiche Wort zurück: ahd. boumgart(o) st.sw.m. ‚Obstgarten‘ (Karg-Gasterstädt/Frings l, 1301f.), mhd. boum-garte sw.m. ,Baumgarten‘ (Lexer l, 334f.). Der Typ Bangert entstand in Verbindung mit der Monophthongierung von boum zu /ba:m‚ bo:m/ durch Kürzung des Vokals, Teilassimilierung von /m-g/ > /n-g/ und weitergehender Velarisierung zu /ŋ/. Das im Nebenton stehende garte wurde zu -gert(e) abgeschwächt.
Als Wörter sind Bangert und Baumgarten in Hessen ungebräuchlich (vgl. SHessWb 1, 63l), außer in Nassau, wo mit Bangert u.ä. „gewöhnlich ein großer, schlecht umzäunter Grasplatz, der voller Bäume steht, Obstbaumgarten“ (KehreinWb 60) bezeichnet wird. Während Crecelius 89 Bangert für „in der Wetterau selten“ erklärt, nennt v. Pfister 337 Wingert und Bangert „zwei in großem Theile Hessens gar haüfig widerkehrende Örtlichkeits-Benennungen.“ In Waldeck konkurrieren Baumgarten und niederdt. Baumhof (NSächsWb 2, 542) als Bezeichnungen für (Obst-)Baumgärten (B. Martin 1925, l95f.; vgl. WaldWb 9), mnd. bômgârde, m. und bômhof (Lasch/Borchling 1, 314f.). Als FlN beziehen sich Bangert und Baumgarten ursprünglich auf ein gehegtes Grundstück mit Obstbäumen, meist in Ortsnähe gelegen und als privates Eigentum dem Gartenrecht unterworfen (Bader 3, 72-76). Das heute auch als Wort gebräuchliche Baumstück (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 22) enthält das Merkmal der Einfriedung ebensowenig wie die Bezeichnungen Baumacker, -feld‚ -wiese u. ä. (vgl. SHessWb ebd.).
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Die Identifizierung von Baumgarten bereitet keine Schwierigkeiten. Ob hingegen alle Bangert-Namen zu mhd. boum-garte zu stellen sind, ist umstritten. Knöpp 21 erwägt Herleitung aus Banngarten ‚gebannter Garten‘. Da „bisweilen in verdächtiger Anlehnung an Bannvorstellungen“ (Bader 3, 72) gelegentliche Vermischung mit Banngarten nicht auszuschließen ist, wurden amtliche
nur aufgenommen, wenn die mundartliche Form die Bedeutung ‚Bangert‘ nicht ausschließt (→ Bann K. l2). Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 21
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Bangert-Acker: Bangerts Acker (Hochstädten)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/472006_bangerts-acker> (aufgerufen am 04.11.2026)
Kurzform der URL für Druckwerke
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