Gebück: das Gebück

Historischer Beleg aus Adolfseck  
Gemeinde
Bad Schwalbach
Topografische Karten
KDR 100, TK25 1900 ff.
AEC416D7-3050-4A60-B27E-A826B70B90DD

Beleg

Standard-Flurname

Gebück

Belegort

Belegtyp

historisch

Belegzeit

nach 1792

Quelle

Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Abteilung 133, Akten Adolfseck Nr. 66.

Weitere Belege

Deutungen

Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Gebück

Zu mhd. gebicke, gebucke st. N. ‚ ein zur Bezeichnung der Waldgrenzen ineinander gebogenes oder geflochtenes Gebüsch, Gehölzverhau‘, einer Ableitung von mhd. bücken sw. V. ‚biegen, bücken‘, das als Intensivum zum starken Verb mhd. biegen gebildet ist. Es handelt sich bei den Gebücken um als Landwehren dienende Gehölzverhaue mit Wall und Graben, wobei die meist aus Hainbuchen bestehende Hecke durch das Umbiegen und Neuverwurzeln der Triebe zu einer undurchdringlichen Schutzanlage verwuchs. Das ursprünglich wohl rhein. Wort ist in Hessen heute untergegangen. Am Gleiberg und am Vetzberg liegt das Gebück am Hang unterhalb der Burgen.

Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Gebück

Zu mhd. gebicke, gebucke st. N. ‚ein zur Bezeichnung der Waldgrenzen ineinander gebogenes oder geflochtenes Gebüsch, Gehölzverhau‘, einer Ableitung von mhd. bücken sw. V. ‚biegen, bücken‘, das als Intensivum zum starken Verb mhd. biegen gebildet ist. Es handelt sich bei den Gebücken um als Landwehren dienende Gehölzverhaue mit Wall und Graben, wobei die meist aus Hainbuchen bestehende Hecke durch das Umbiegen und Neuverwurzeln der Triebe zu einer undurchdringlichen Schutzanlage verwuchs. Das ursprünglich wohl rhein. Wort ist in Hessen heute untergegangen.

Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)

Gebück n. / Landhege f. / Knick m.

1A

Das Gebück oder Gebick, mhd. gebicke st.n., gebucke st.n. (Lexer 1, 753, 763) ist als Wort seit dem 14. Jh. belegt und gilt als rheinisch (DWB 4 [IV‚ I, 1], 1879). Gebück ist Kollektivsubstantivierung zum Verb bücken, einem Intensivum zu biegen (Weigand/Hirt 1, 302, 640), und ist von der Sachbedeutung der Gebücke hergeleitet: Es sind als Landwehr dienende Gehölzverhaue mit Wall und Graben, wobei die Hecke, meist aus Hainbuchen, durch das Umbiegen und Neuverwurzeln von Trieben zu einer undurchdringlichen Schutzanlage verwuchs. So war auch das große Rheingauer Gebück von Niederwalluf nach Lorch gebildet (vgl. Dittmaier 845; Bach 2 § 375).

Der Ausdruck ist in Hessen nur noch durch die Namen bekannt (KehreinWb 153; Crecelius 406; SHessWb 2, 1147).

1B

Dem Namen Landhege liegt im BT Hege f. zugrunde, ahd. hegi (Graff 4, 761), mhd. hege sw.f. (Lexer 1, 1205) ‚abschließende, schützende Umzäunung, umzäuntes Buschwerk‘ (Weigand/Hirt 1, 83l); zum Verb hegen. Wie Hag (Hagen, Hain) bezieht sich der Ausdruck sowohl auf die Einfriedung wie auf den eingefriedeten Raum (DWB 10 [IV‚ II], 775f.) und konnte in Hessen auch eine Landwehr bezeichnen (vgl. DWB 4 [IV‚ I, 1], 1880; F. Becker 98f. für 5618dl Bad Nauheim WET; W. Schwarz 1963, 64f. für 5918c2 Bieber OFS). Die zahlreichen hessischen FlN, die mit Hege gebildet sind, vor allem die sehr häufigen Kombinationstypen alte Hege, Hegstrauch, Hegwald lassen aber keine Entscheidung darüber zu, was sachlich genau das namengebende Motiv war. Heute gilt Hege als Wort vor allem für die ‚Waldschonung‘ (SHessWb 3, 212). Nur der FlN Landhege bezieht sich jedoch klar auf Landwehren, die z. T. auch historisch gesichert sind (Lennarz K. 6).

Landgraben wurde hingegen nicht in die Karte aufgenommen, obwohl auch dieser Name Landwehren benennen kann (SHessWb 4, 111). Soweit erkennbar, beziehen sich die meisten hessischen Landgraben-Namen aber auf große Entwässerungsgräben wie der das Ried durchziehende „Landgraben“.

1C

Der FlN geht zurück auf mnd. knick m. ‚lebender Zaun, Hecke auf einem niedrigen Wall, zur Einfriedigung der Felder und Koppeln, zur Befestigung und zur Stärkung der Landwehr‘ (Lasch/Borchling 2, 598). Knick ist Substantiv zu knicken aus nd. knikken ,bersten, spalten‘ (Kluge/Mitzka 382).

Die Sachbedeutung geht auf das Knicken der Zweige zurück, „was deshalb geschieht, damit der Strauch oder Baum nicht in die Höhe wachse, sondern viele Nebenschößlinge treibe“ (Schiller/Lübben 2, 501). Hecke und Wall, eventuell noch Graben bildeten gewöhnlich die Landwehr, und dadurch wurde Knick zum Teil synonym mit Landwehr (DWB 11 [V], 1416; Weigand/Hirt 1, 1075; Bach 2 § 375), zum anderen konnte aber auch der Wall ohne Hecke Knick heißen (Schiller/Lübben 2, 501).

Die dadurch entstandene Heteronymie von Knick findet auch ihren Niederschlag in den hessischen Idiotica. Als Wort ist Knick im nördlichen Hessen ‚Hecke, Grenzzaun‘ (WaldWb 154) und ,Wildhegezaun, Wildzaun‘ (Vilmar 212), aber auch als ‚kleine Erhöhung auf dem Acker‘ (WaldWb 59) und ‚kleine steile Anhöhe‘ (Vilmar 212) belegt. Auch nach dem DWA IV, K. ,Hügel‘ ist Knick vereinzelt Synonym zu ,Hügel‘, jedoch nicht mit gleicher Etymologie wie Knock, wie Valtavuo 106 annimmt. Auch in Namen scheint Knick als ,Hügel‘ einige Male in Hessen belegt zu sein (Arnold 530). Die Bedeutungserweiterung auf ‚Wall, Hügel‘ ist also wahrscheinlich als Übertragung aus der historischen Topographie der ursprünglich namengebenden Hecken zu erklären.

In der Regel dürften aber auch hessische FlN mit Knick ehemalige Landwehren und Hecken bezeichnen, wie einige außerhessische Einzelbeobachtungen zeigen (Leithaeuser 69; Wiswe 234; E. Müller 1981, 179f.; Genzel 159; Alpers/Barenscheer 120; Scheuermann 151).

2A

Für die Streubelege außerhalb des westhessischen Hauptgebiets ist im Einzelfall Vermengung mit dial. Bicke, Gebick n. ,Häcksel‘ (Vilmar 36; Crecelius 406) oder Biegen (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 97) nicht ganz auszuschließen.

Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 138

Nachnutzung

Rechtehinweise

Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Gebück: das Gebück (Adolfseck)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/469465_das-gebueck> (aufgerufen am 03.11.2026)

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