Rod-Wag: Am Röthen wag
Beleg
Standard-Flurname
Rod-Wag
Belegort
Belegtyp
historisch
Belegzeit
1799
Quelle
Staatsarchiv Darmstadt, C 4, Traisa Nr. 1.
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Rod
Zu ahd. rot, rod, mhd. riute st.N.F.‚Rodung, durch Rodung urbar gemachtes Stück Land‘. Die zahlreichen Belege weisen eine Fülle von sprachlichen Varianten auf. Neben den häufigen /ro:t, rot/-Formen sind es vor allem /rö:de/-Formen. Soweit sie als Sg. fem. identifizierbar sind, gehen sie auf eine Nebenform von mhd. riute zurück, in der der Stammvokal gekürzt uns zu /ö/ gesenkt ist, um dann durch die Dehnung in offener Silbe zu /rö:de/ zu werden. /rö:de/ kann aber auch Plural zu Rod sein und konkurrieiert dann mit der Pluralform auf /-er/: Röder, mundartlich oft zu /re:rer/ entrundet und weiter zu /ri:rer/ gehoben. Rod-Formen erscheinen häufiger mit Senkung zu /a/ (Rad). Bei mündlichen /u:/-Formen wurde in der Regel angenommen, dass sie zu rot gehören, womit Vermengung ohnehin leicht möglich ist. Für den /d/-Laut kommt neben regelmäßigem Rhotazismus zu /r/ gelegentlich Lamdbazismus zu /l/ vor (Röder Loch in Odenhausen (Rabenau)). - In diesem wie in einigen andern Fällen ist nicht auszuschließen, dass die Namen an SiedlungsN Rod erinnern, über die aber nichts weiter bekannt ist.
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Rod
Zu ahd. rot, rod, mhd. riute st. N. ‚Rodung, durch Rodung urbar gemachtes Stück Land‘. Der FlN Rod ist in vielen Varianten im ganzen Untersuchungsgebiet dicht und früh (13./ 14. Jh.) belegt. Formen mit Langvokal (in historischen Belegen oft durch Dehnungs-tii gekennzeichnet: roidtr) stehen neben solchen mit Vokalkürze; das /o/ erscheint vereinzelt zu /u/ gehoben, daneben häufig zu /ɑ/ gesenkt (Rad ), besonders im Nordosten des Untersuchungsgebiets. Neben der vorherrschenden Diminutivform Rödchen gibt es im südlichen Untersuchungsgebiet die mit dem Suffix -el gebildete Form Rödel, bei den Pluralformen überwiegt die Form Röder. Auch hier zeigt sich starke Varianz im Bereich des Vokalismus, die in einzelnen Fällen zu Umdeutungen und Verballhornungen geführt hat: Rädchen, Rädel, Rodel, Riedel, Rüdel, Rudel; Räder, Roder, Rieder, Rüder. Die Abgrenzung von Rod gegen rot (und den FamN Rot, Roth) ist - vor allem in den historischen Belegen - nicht immer zweifelsfrei möglich.
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Wog m. f.
- 1
Wog, ahd. wâg st.m. ‚Wasser, Flut, See‘ (Schützeichel 219), mhd. wâc st.m.‚ wâge sw.m. st.f. (Lexer 3, 623) bezeichnet ‚bewegtes Wasser, Teich, Stauwasser‘ (DWB 27 [XIII], 331) und gehört etymologisch zu (sich) bewegen (Weigand/Hirt 2, 1280; Kluge/Mitzka 866). Die Sprachform /vo:g/ ist mitteldt. und durch Senkung des /a:/ > /o:/ nach /v/ entstanden (Kluge/Mitzka ebd.). Wog ist in der Regel mask. und wird in den älteren hessischen Wörterbüchern auch stets so angegeben (Vilmar 434; Crecelius 920; KehreinWb 448). Da einschlägige hessische FlN aber nicht selten fem. Genus aufweisen, muß davon ausgegangen werden, daß eine wohl aus dem sw.m. ins Fem. übergegangene, seit dem 16. Jh. im Oberdt. belegte Nebenform die wog auch im hessischen Sprachraum verbreitet war (DWB 27 [XIII], 332, das für den Mittelrhein nur mask. annimmt; vgl. Dittmaier 329).
Im 19. Jh. ist das Wort „im Absterben begriffen, indes, wenn auch nur selten gebraucht, noch überall verstanden“, und bedeutet auch hier ,Stromlauf, Flut, gestautes Wasser‘ (Vilmar ebd.), ‚Wirbel im Rhein‘ (KehreinWb ebd.), meist aber einen Teich, „häufig für die künstlich angelegten Fischweiher der frühen Landgrafenzeit (vgl. Woog in Darmstadt und in Arheilgen)“ (Knöpp 16).
- 2
Von der Waage, die gelegentlich in FlN auftritt, ist Wog meist durch den Kombinationstyp leicht zu trennen (nicht durch das Genus: s.o.), vom Wagen (im BT von FlN) wegen der anzusetzenden schwach deklinierten Variante nicht immer mit Sicherheit. Aufgenommen wurde deshalb nur Wagenbach.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 109
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Rod-Wag: Am Röthen wag (Traisa)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/460707_am-roethen-wag> (aufgerufen am 06.11.2026)
Kurzform der URL für Druckwerke
https://lagis.hessen.de/resolve/de/fln/460707