Gras-Hübel: der grase heubell
Beleg
Standard-Flurname
Gras-Hübel
Belegort
Belegtyp
historisch
Quelle
Staatsarchiv Marburg, Steuerkataster, 1747
Weitere Belege
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Gras
Zu ahd. mhd. gras st. N. ‚Gras, grasbewachsener Ort‘. Namengebend sind dann mit Gras bewachsene Flurstücke. Der FlN Grasweg, häufig in der adjektivischen Verbindung grasiger Weg, haftet auch an alten Fernwegen. Graswiesen sind solche mit möglichst reinem Grasbestand (DWB) oder deren Gras als Grünfutter dient (SHessWb).
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Gras
Meist zu ahd. mhd. gras st. N. ‚Gras, grasbewachsener Ort‘. Namengebend sind dann mit Gras bewachsene Flurstücke. Der FlN Grasweg, häufig in der adjektivischen Verbindung grasiger Weg, haftet auch an alten Fernwegen. In Trösel geht der Name wohl auf *gras-mahd zurück. Die Zugehörigkeit der Belege aus Erzhausen ist unsicher; hier hat es Umdeutungen zu einem FamN, aber auch zu im großen See gegeben. Ob die vereinzelten Grass(en)-Belege (Alsbach, Dietzenbach, Rüsselsheim, Zwingenberg) abzutrennen und zu mhd. graʒ, graʒʒe st. N. in der Bedeutung ‚Sprossen oder junge Zweige von Nadelholz‘ zu stellen sind, ist unsicher.
Hübel
Zu mhd. hübel, hubel, hobel st. M. ‚Hügel‘. Das ältere, heute aufs Oberdt. und Teile des Mitteldt. beschränkte Wort Hübel (in der Schriftsprache durch Hügel verdrängt) verweist in hess. FlN auf kleine Bodenerhebungen. Mundartlich sind zahlreiche Formen belegt, die sich in unterschiedlichem Maß auch in der Schreibung der rezenten Namen widerspiegeln (Hübel, Höbel, Hewwel ). Historisch sind auch die Formen Hebel, Heppel und Hubel belegt. Der älteste Beleg von a. 1331 (Hobelechterod in Erzhausen) geht wohl auf eine sonst nicht belegte mhd. Vorform des nhd. Adjektivs hübelicht ‚mit Hügeln, mit Buckeln versehen‘ zurück. Der Name Hoppelried (Kailbach, früher Ober-Sensbach/Schöllenbach) enthält eine weitere gängige Nebenform von Hübel und haftet an einem Hügel im Wald.
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Hübel m. / Hügel m.
- 1A
Hübel, mhd. hübel st.m. ‚Hügel‘, md. hubel (Lexer 1, 1372), mnd. hövel m. (Lasch/Borchling 2, 368) gilt als „die alte und jetzt noch ober- und teils mitteldeutsche Form für Hügel“ (DWB 10 [IV], 1849).
Als Wort ist Hübel den hessischen Mundartwörterbüchern in der Bedeutung ‚Hügel, kleine Unebenheit‘ (KehreinWb 203) bekannt (ähnlich Vilmar 179; SHessWb 3, 754; WaldWb 50). Nach einer Fragebogenaktion des HNassWb (es handelt sich hierbei um eine 1920 erfolgte, unveröffentlichte Umfrage, in der unter anderem die Bezeichnung für ‚Hügel‘ in der Feldflur abgefragt wurde) meldeten rund ein Drittel von 104 befragten Orten Hübel.
In FlN bezieht sich Hübel meist auf kleinere Bodenerhebungen (Stroh 18).
- 1B
Hügel steht als Ablaut zu ahd. houg st.n. ,Hügel‘ (Schützeichel 87), mhd. houc st.n. ,Hügel‘ (Lexer 1, 1355) (→K. 72) mit verkleinerndem -el (Kluge/Mitzka 319).
Ursprünglich in Thüringen beheimatet, ist Hügel durch Luther schriftsprachlich geworden (DWB 10 [IV], 1873).
Im südhessischen Gebiet ist Hügel der Mundart als Bezeichnung für eine mäßig große Bodenerhebung bekannt (SHessWb 3, 769). Die übrigen hessischen Mundartwörterbücher nennen Hügel nicht.
- 2A
Die Namen sind leicht zu identifizieren.
Einige Namen haben neben der dial. Form Hübel ein amtliches Hügel. Diese Formen sind auf den Einfluß des schriftsprachlichen Hügel zurückzuführen (Dittmaier 117).
- 2B
Die Namen sind leicht identifizierbar.
In einigen Fällen ist eine Überschneidung mit mhd. hachel, hechel st.f. (Lexer 1, 1137) ‚Gerät zur Reinigung des Flachses‘ möglich.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 73
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Gras-Hübel: der grase heubell (Wendershausen)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/445356_der-grase-heubell> (aufgerufen am 03.11.2026)
Kurzform der URL für Druckwerke
https://lagis.hessen.de/resolve/de/fln/445356