Anwender-Hecke: Anwender-Hecke [ɒhnewenger]
Weitere Belege
- unter der anewendershecken
Staatsarchiv Marburg, Steuerkataster, 1747
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Anwender
Anwender und Anwand gehen zurück auf ahd. anawant, anawanta, mhd. anwande, anwende st. F. ‚Grenze, Grenzstreifen (die Stelle, an der der Pflug wendet)‘ und mhd. anwender st. M. ‚angrenzender Acker‘. So wie sich bei Gewann die ursprüngliche Bedeutung des Wendens auf das zwischen den Wendestellen liegende Feld ausweitete, so erweiterten Anwender und Anwand ihre Geltung ebenfalls auf den angrenzenden Acker. Es handelt sich bei diesen Formen um Substantivbildungen zum Verb ahd. anawenten, mhd. anewenden sw. V. ‚legen an‘. Angewann ist als Kreuzung zwischen Gewann und Anwand/Anwender aufzufassen. Die verschiedenen Sachbezüge auf Pflugwendestellen, besonders die Aspekte des Nachbarrechts, lassen sich aus den FlN nicht mehr eindeutig herauslesen.
Hecke
Zu ahd. hegga ‚Wall, Schanze‘, mhd. hecke, hegge, heck st. sw. F. ‚Hecke‘; bedeutet in den westmitteldt. Dialekten nicht nur ‚lebender Zaun‘, sondern auch ‚Gebüsch, Gestrüpp; Buschwald‘. Die FlN beziehen sich in erster Linie auf künstlich gezogene, lebende Umzäunungen, die zur Eingrenzung von Flurstücken oder, in älterer Zeit, zur klein - wie großräumigen Befestigung dienten: Dörfer und Gehöfte waren oft von Hainbuchenzäunen umgeben, Landwehren aus undurchdringlichen Heckenstreifen, sog. Gebücken (s.d.), gebildet. Daneben verweisen viele Namen aber auch auf einzeln stehendes Strauchwerk und Dorngestrüpp in der Feldflur, vor allem aber auch forstlich genutzte Waldstücke mit Busch- oder Niederwald. Bei den älteren Namen ist eine sichere Unterscheidung zwischen Hecke und dem verwandten Hege nicht immer möglich.
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Anwender
Anwender und Anwand gehen zurück auf ahd. anawant, anawanta, mhd. anwande, anawant, anwende st. F. ‚Grenze, Grenzstreifen (die Stelle, an der der Pflug wendet)‘ und mhd. anwender st. M. ‚angrenzender Acker‘. So wie sich bei Gewann die ursprüngliche Bedeutung des Wendens auf das zwischen den Wendestellen liegende Feld ausweitete, so erweiterten Anwender und Anwand ihre Geltung ebenfalls auf den angrenzenden Acker. Es handelt sich bei all diesen Formen um Substantivbildungen zum Verb ahd. anawenten, mhd. anewenden sw. V. ‚legen an‘. Seit dem 14. Jh. treten in den südhess. FlN mit gleicher Bedeutung noch Angewender und Angewand hinzu, die, wie die häufigen Varianten Angewann und Angewend verdeutlichen, als Kreuzung zwischen Gewann und Anwand/Anwender aufzufassen sind. Die verschiedenen Sachbezüge auf Pflugwendestellen, angrenzende Äcker, aber auch „verschiedene, beieinanderliegende Aspekte des Nachbarrechts bei Überfahrts-, Wege- und Grenzrechten“
Hecke
Zu ahd. hegga ‚Wall, Schanze‘, mhd. hecke, hegge, heck st. sw. F. ‚Hecke‘, bedeutet in den westmitteldt. Dialekten nicht nur ‚lebender Zaun‘, sondern auch ‚Gebüsch, Gestrüpp; niederer Buschwald‘. Die FlN beziehen sich in erster Linie auf künstlich gezogene, lebende Umzäunungen, die zur Eingrenzung von Flurstücken oder, in älterer Zeit, zur klein- wie großräumigen Befestigung dienten: Dörfer und Gehöfte waren oft von Hainbuchenzäunen umgeben, Landwehren aus undurchdringlichen Heckenstreifen, sog. Gebücken (s. d.) gebildet (vgl. z. B. Eberstadt). Daneben verweisen viele Namen aber auch auf einzeln stehendes Strauchwerk und Dorngestrüpp in der Feldflur, vor allem aber auf forstlich genutzte Waldstücke mit Busch- oder Niederwald. Bei den älteren Namen ist eine sichere Unterscheidung zwischen Hecke und dem verwandten Hege nicht immer möglich (s. Leeheim, Trebur). An Verkleinerungsformen erscheinen sowohl Heckel als auch die Weiterbildung Heckelchen.
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Anwender m.; Anwand f.; Angewann f.
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Von den zahlreichen Wort- und Namensynonymen, die die Pflugwendestelle bezeichnen, werden hier die Haupttypen zusammengenommen, in deren sprachlicher Form die Vorstellung des ‚(Pflug-)Wendens‘ noch enthalten ist und die sich deshalb eng an Gewann/Gewende (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 7) anschließen. Zu den Namenentsprechungen Anthaupt und Vorrat → Hessischer Flurnamenatlas, Karte 9.
Anwender und Anwand gehen zurück auf ahd. anauant, anauuanta f. (Karg-Gasterstädt/Frings 1, 455f.)‚ mhd. anwande, anwant, anwende st.f. ‚Grenze, Grenzstreifen (die Stelle, wo der Pflug wendet)‘, anwender st.m. ‚angrenzender Acker‘ (Lexer 1, 85). So wie sich bei Gewann die Bedeutung auf das zwischen den Wendestellen liegende Feld ausweitete, so erweiterten Anwand/Anwender wie Angewann ihre semantische Geltung auf den angrenzenden Acker, auf dem der Pflug gewendet werden durfte (Vollmann 40; Dittmaier 15). Der vom Wortbildungstyp im Mhd. noch nachvollziehbare Bedeutungsunterschied zwischen anwende f. und anwender m. verwischt sich so aus Sachgründen (vgl. DWB 1 [I], 513f.‚ 518). Der Ursprung von Anwand, aber auch der umgelauteten /e/-Formen (Anwand, Anwender), liegt wohl im oberrheinischen Raum. Die Bezeichnungen verbreiteten sich rheinabwärts im West- und Ostmitteldt. und reichten bis ins Niederdt. (Schmidt-Wiegand 1983, 256f.; HSS K. 7 und Textband 103f.). Sie sind zum „Rechtswort im Sinne eines besonderen Kulturwortschatzes geworden“, weil „dank der semantischen Differenzierungen, die Anwand/Anwende im Laufe seiner Geschichte erfuhr, … sich mit seiner Hilfe verschiedene, beieinanderliegende Aspekte des Nachbarrechts bei Überfahrts-, Wege- und Grenzrechten ausdrücken ließen“ (Schmidt-Wiegand 1983, 259f.; vgl. DRWb l, 774-777; HRG 1, 191f.).
Während Vilmar 15 Anwand und Anwender als synonym beschreibt („Anwender … was anwand, ein Acker auf dessen lange (breite) Seite andere Aecker mit der schmalen Seite (Stirnseite) stoßen.“), hebt Crecelius 37 für Anwand die Eigenschaft ‚Ackergrenze, Rand eines Ackerfeldes‘ hervor. Auch KehreinWb 47 betont die Bedeutungsgleichheit der beiden Wörter, zu denen er auch Ang(e)wann zählt. Das WaldWb 4, 6 gibt für das Waldeckische anewant f. als ‚die beiden Kopfenden des Ackers‘ und anwenger m. als ‚Acker, an welchen mehrere Kopfenden andrer Äcker stoßen‘ an. Synonymie von Anwand, Angewann und Anwender nimmt auch das SHessWb 1, 249, 309 an.
Von den hessischen FlN her können mögliche Unterschiede in den Sachbezügen nicht entschieden werden. Verglichen werden kann hingegen mit den Bezeichnungen für die Pflugwende im Wortgebrauch (H. Christmann; DWA IV ‚Pflugwende‘). Die Verhältnisse, wie sie die Wortatlaskarte zeigt, sind auch in Hessen außerordentlich differenziert. Gliedert man ganz grob, so gilt heute: In Nordhessen herrscht Anewand vor, in Osthessen Anwender. Im mittleren Hessen überwiegt Vorrat, Forrer, das nach Westen zu von einem schmalen Ende-Gebiet abgelöst wird, während Westhessen vom Taunus bis ins Lahn-Dill-Gebiet Gewann haben. In Südhessen herrscht im östlichen Teil Vorende, im westlichen Teil Anthaupt vor.
In den FlN finden sich nur die hier und in →K. 9 wiedergegebenen Namen häufiger wieder. Auf die Wiedergabe seltener oder sehr unsicher zu identifizierender FlN mußte verzichtet werden.
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Es wurden nur die Namen aufgenommen, deren mündliche bzw. amtliche Form mit hinreichender Sicherheit zu einer der drei Hauptvarianten zu stellen sind. Da die Bezeichnungen für die Pflugwende dazu neigen, außerordentlich stark „zersprochen“ zu werden, gibt es vermutlich noch eine Reihe von Belegen, deren Zugehörigkeit zum Typ nicht festgestellt werden konnte.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 8
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Anwender-Hecke: Anwender-Hecke (Wendershausen)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/445301_anwender-hecke> (aufgerufen am 03.11.2026)
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