Leim-Gelinge: LEIMGELINGE
Deutungen
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Leim
Zu ahd. leim, leimo ‚Lehm, Schlamm, Ton‘, mhd. leim st. M., leime sw. M., fnhd. leim ‚Lehm‘. Die FlN beziehen sich in den allermeisten Fällen auf Orte, an denen man den Lehm abbaute, der beim Hausbau zum Füllen des Fachwerks und zum Backofenbau verwendet wurde (Leimkaute, -grube). Manchmal weisen die Namen auf die Bodenbeschaffenheit von Flurstücken hin. Je nachdem, ob die stark oder die schwach flektierende mhd. Form zu Grunde liegt, lautet der BT der Namenkomposita Leim- oder Leimen-. Historisch belegt sind die Varianten lüme- (Nieder-Beerbach), limen- (Bensheim) sowie laumen- und leumen- (beide in Eberstadt). Gelegentlich tritt statt eines BT auch das Adjektiv leimicht (Bickenbach, Erzhausen) oder leimig (Jugenheim a. d. Bergstraße) ‚lehmig‘ auf. Ob der Name Leimich in Krumbach darauf zurückgeht, ob er als Kollektivbildung zu Leim zu verstehen ist oder ob er eine zersprochene Namenform mit dem GT -bach darstellt, ist unklar.
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Leimen m.
- 1
Der Leimen, ahd. leim st.m.‚ leimo m. ‚Lehm, Schlamm‘ 1 (Schützeichel 109), mhd. leim st.m.‚ leime sw.m. (Lexer l, 1867), mnd. lêm m. (Schiller/Lübben 2, 661), urverwandt mit lat. limus ,Schlamm‘, ist die oberdt. Form der standardsprachlichen Bezeichnung Lehm für die Bodenart. Erst um 1800 ist Leim(en) durch das aus dem (Ost)Mitteldt. und Niederdt. stammende Lehm aus der Schriftsprache verdrängt worden (DWB 12 [VI], 544f., 697f.; Kluge/Mitzka 431; Weigand/Hirt 2, 40; zur Etymologie: Trier 1951, 10-16).
Als Wort ist Leimen in Hessen allgemein verbreitet (SHessWb 4, 275; HNassWb 2, 82; WaldWb 65; Crecelius 554), wobei entsprechend der dialektalen Monophthongierung von mhd. /ei/ nördlich /le:m/(-)‚ manchmal zu /li:m/(-) gehoben, und südlich /la:m/(-)‚ häufig weiter zu /lo:m/(-) gehoben und im Zentralhessischen zu /loam/(-) diphthongiert, gelten, während Osthessen /laim/(-) erhalten hat.
In FlN bezieht sich Leimen entweder auf lehmhaltigen Boden oder - häufiger - auf Örtlichkeiten, wo der Lehm in Leimengruben, -kauten‚ -kaulen‚ -löchern für den örtlichen Baubedarf, besonders des Fachwerkbaus, abgebaut wurde (Dittmaier 184); entsprechend den Abbaugruben für Letten, Aul(erde) und Ton (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 105-107).
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 104
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Leim-Gelinge: LEIMGELINGE (Vockerode)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/442455_leimgelinge> (aufgerufen am 03.11.2026)
Kurzform der URL für Druckwerke
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