Melm-Rod: im melmeroth
Beleg
Standard-Flurname
Melm-Rod
Belegort
Belegtyp
historisch
Quelle
Staatsarchiv Marburg, Flurbuch, Ende 18. Jahrhundert
Weitere Belege
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Melm
Mit Melm, ahd. melm, mhd. melm st. M., melme sw. M. ‚Staub, Sand‘ bezeichnet man in Hessen ‚Staub‘, aber auch ‚beste Ackererde‘.
Rod
Zu ahd. rot, rod, mhd. riute st.N.F.‚Rodung, durch Rodung urbar gemachtes Stück Land‘. Die zahlreichen Belege weisen eine Fülle von sprachlichen Varianten auf. Neben den häufigen /ro:t, rot/-Formen sind es vor allem /rö:de/-Formen. Soweit sie als Sg. fem. identifizierbar sind, gehen sie auf eine Nebenform von mhd. riute zurück, in der der Stammvokal gekürzt uns zu /ö/ gesenkt ist, um dann durch die Dehnung in offener Silbe zu /rö:de/ zu werden. /rö:de/ kann aber auch Plural zu Rod sein und konkurrieiert dann mit der Pluralform auf /-er/: Röder, mundartlich oft zu /re:rer/ entrundet und weiter zu /ri:rer/ gehoben. Rod-Formen erscheinen häufiger mit Senkung zu /a/ (Rad). Bei mündlichen /u:/-Formen wurde in der Regel angenommen, dass sie zu rot gehören, womit Vermengung ohnehin leicht möglich ist. Für den /d/-Laut kommt neben regelmäßigem Rhotazismus zu /r/ gelegentlich Lamdbazismus zu /l/ vor (Röder Loch in Odenhausen (Rabenau)). - In diesem wie in einigen andern Fällen ist nicht auszuschließen, dass die Namen an SiedlungsN Rod erinnern, über die aber nichts weiter bekannt ist.
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Rod
Zu ahd. rot, rod, mhd. riute st. N. ‚Rodung, durch Rodung urbar gemachtes Stück Land‘. Der FlN Rod ist in vielen Varianten im ganzen Untersuchungsgebiet dicht und früh (13./ 14. Jh.) belegt. Formen mit Langvokal (in historischen Belegen oft durch Dehnungs-tii gekennzeichnet: roidtr) stehen neben solchen mit Vokalkürze; das /o/ erscheint vereinzelt zu /u/ gehoben, daneben häufig zu /ɑ/ gesenkt (Rad ), besonders im Nordosten des Untersuchungsgebiets. Neben der vorherrschenden Diminutivform Rödchen gibt es im südlichen Untersuchungsgebiet die mit dem Suffix -el gebildete Form Rödel, bei den Pluralformen überwiegt die Form Röder. Auch hier zeigt sich starke Varianz im Bereich des Vokalismus, die in einzelnen Fällen zu Umdeutungen und Verballhornungen geführt hat: Rädchen, Rädel, Rodel, Riedel, Rüdel, Rudel; Räder, Roder, Rieder, Rüder. Die Abgrenzung von Rod gegen rot (und den FamN Rot, Roth) ist - vor allem in den historischen Belegen - nicht immer zweifelsfrei möglich.
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Melm m. n.
- 1
Mit Melm, ahd. melm st.m. ,Staub‘ (Schützeichel 125), mhd. mëlm st.m., mëlme sw. m. ‚Staub, Sand‘ (Lexer 1, 2096), bezeichnet man in Hessen ,Staub‘, aber auch ‚beste Ackererde‘ (HNassWb 2, 310), ‚zermalmte feine Erde‘ (Crecelius 586). Das bei Vilmar 271 genannte Molme fem. ,Dammerde, humus‘ ist wohl eine über die osthessische Senkung /e/ > /a/ zu /o/ weitergeführte Nebenform zu Melm, dessen Genus auch im Wortgebrauch schwankte (Crecelius 587). Wie in Thüringen Melm, Malm in FlN ‚Sandböden‘, auch ‚lockeren, sandigen Lehmboden‘ bezeichnet (Hertel 162; ThürWb 4, 601), scheinen die hessischen FlN sich vornehmlich auf gute, lockere, ‚mulmige‘ Böden zu beziehen. Als Standardformen stehen Melm und schwach flektierendes Melmen nebeneinander.
- 2
Bei Melm- als BT kann im Einzelfall Vermengung mit Mühlen- eingetreten sein. Auszuschließen sind die auf die „Mülmisch“ (nördl. Melsungen rechts zur Fulda; vgl. Vilmar 271) bezogenen FlN.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 103
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Melm-Rod: im melmeroth (Lüderbach)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/430192_im-melmeroth> (aufgerufen am 06.11.2026)
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