Lache-Ufer: AUF DEM LACHENUFER [ufem lacheniwer]
Weitere Belege
- aufm lachen ufer
Staatsarchiv Marburg, Flurbuch, Ende 18. Jahrhundert
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Lache
Lache kann sich in FlN auf zwei verschiedene Sachverhalte beziehen: Lache 1: Zu ahd. lah st. M., lahha sw. F. ‚Lache, Sumpf, Wassergraben‘, mhd. lâ st. F., lache sw. st. F. ‚Lache, Pfütze, Sumpf, Sumpfwiese‘, nhd. Lache, ‚stehendes kleineres Gewässer, Pfuhl; sumpfige Wiese; niedrig gelegener, oft überschwemmter Landstrich; flache Geländevertiefung; stehendes Wasser in einem alten Flussbett‘. Lache 2: Zu mhd. lâche, lâchene sw. F., nhd. Lache ‚Einschnitt, Kerbe in den Grenzbaum oder -stein; Grenzzeichen‘. Zur Grenzmarkierung dienten im Mittelalter Einkerbungen in bestimmten, meist auffälligen und hochwüchsigen Bäumen (mhd. lâchboum st. M. ‚Grenzbaum‘) oder Steinen (mhd. lâchstein st. M. ‚Grenzstein‘). Im Untersuchungsgebiet scheint durchweg die Bedeutung Lache 1 namengebend zu sein. Dabei bezieht sich der Name in Einzelfällen sogar auf ein fließendes Gewässer wie im Falle der Oberlache in Gießen-Wieseck. Nur in einigen Namen mit Lache als BT könnte auch eine Grenzmarkierung Anlass zum Namen gegeben haben.
Ufer
Zu mhd. uover, uober st. N. ‚Ufer‘. Abweichend von der heute in der Standardsprache geltenden Hauptbedeutung ‚Begrenzung, Rand eines Gewässers‘ bezieht sich Ufer in FlN meist auf die Bedeutung ‚Rain, Abhang, Wegrand‘. In Münster allerdings benennt der FlN das Ufer des Äschersbachs.
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Ufer
Zu mhd. uover, uober st. N. ‚Ufer‘. Abweichend von der heute in der Standardsprache geltenden Hauptbedeutung ‚Begrenzung, Rand eines Gewässers‘ bezieht sich Ufer in FlN meist auf die Bedeutung ‚Rain, Abhang, Wegrand‘. So ist Ufer in Hessen auch als Appellativ belegt.
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Lache f.
- 1
Das Wort Lache, ahd lacha f. (Graff 2, 100f.), mhd lache st.sw.f. (Lexer 1, 1808), mnd. lâke (lacke) f. (Lasch/Borchling 2, 723), ist umstrittener Herkunft: Teils wird Entlehnung aus dem Romanischen (< lat. lacus ,See‘) angenommen, teils germ. oder gall. Ursprung vermutet (Müller/Frings 295-298; DWB 12 [VI], 13; Kluge/Mitzka 417; Weigand/Hirt 2, 3; Dittmaier 175f.). Lache/Lake ist im größten Teil des dt. Sprachgebiets verbreitet und bezeichnet „ein stehendes kleineres Gewässer, Pfuhl, mundartlich mit mancherlei Nebenbedeutungen, in Nieder- und Mitteldeutschland heißt Lache gern eine sumpfige Wiese oder ein niedrig gelegener, der Überschwemmung häufig ausgesetzter Landstrich, eine geringe, lang hin sich ziehende Feldvertiefung, in der einmal Wasser stand (KehreinWb 253), oder auch das stehende Wasser in einem alten oder durch Austreten erbreiterten Flußbette“ (DWB ebd.).
Das Wort ist in Hessen, erweitert um die Bedeutungskomponente ‚flache Einsenkung im Gelände‘ (HNassWb 2, 2; SHessWb 4, 74; Crecelius 530), bis heute gebräuchlich, wenngleich, soweit es sich um Wasserstellen handelt, Pfütze (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 110) und Pfuhl (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 111) üblicher sind.
In hessischen FlN haftet der Name heute natürlich vielfach an trockengelegten Geländevertiefungen. Gerade die heutige Verteilung des Namens belegt darüber hinaus, daß es sich meist um ehemalige Nebenarme von Flüssen und Bächen handelt, eine Tatsache, auf die übrigens schon Arnold 523 hingewiesen hat. „Lache“ tritt als GewN im nördlichen Südhessen auf als Bach links zur Gersprenz, „Schifflache“ als Altmainarm südl. Hanau und zweimal als Altrheinarme „Großlache“ westl. Groß-Gerau auf.
Die unverschobene Form Lake erscheint resthaft auch im Oberdt., Lache ist gelegentlich auch mask. belegt (DWB ebd.).
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Nicht zugehörige Namen wie Li-lach und Bett-Laken können leicht ausgesondert werden.
l. Problematisch ist die Abgrenzung gegen mhd. lâche sw.f. ‚Einschnitt- Kerbe in den Grenzbaum od. -stein‚ überh. Grenzzeichen‘ (Lexer 1, 1807), wenn der Name als Simplex oder BT auftritt. Fälle wie „Lachelinde“ (5320b2 Ober-Ohmen VBK), „Lachgang“ (5118b3 Wehrda MBK, 6018c1 Urberach OFK), „Lachstein“ (5614b5 Nauheim LIW) sind einfach zugunsten von ,Grenz(zeichen)‘ zu entscheiden, aber bei den nicht ganz seltenen Lach(en)graben könnte z. B. bestenfalls die Sachprobe eine Klärung herbeiführen; dennoch wurde der letztere Kombinationstyp hier aufgenommen.
2. Vermengungen bestehen u. U. mit Loh (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 123) ,Gehölz‘, die mithilfe des Genus (z.B. /a:m dsi:lox/ ,Ziegen-loh‘ in 5517a4 Cleeberg GIE) oder der phonologischen Abweichung (z.B. A: hinter der Lachwiese – D:/luxvis/ ,Lohwiese‘ in 5517d1 Oberwetz LDK) bis auf einige unklare Fälle entschieden werden konnten.
3. Salzla(:)k(e) ,Salzlecke‘ wurde nicht aufgenommen, wohl aber Salzlache.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 108
Rech m. / Ufer n. (m.); Oiwer m. (n.)
- 1A
Der Rech, Plur. Recher, bedeutet im Wortgebrauch ‚Abhang, Rain; der steile Rain zwischen terrassenförmig am Hang liegenden Äckern‘, auch ,abschüssiges Stück Land oder Weg, tiefer Geländeeinschnitt, Abhang an beiden Seiten eines Hohlwegs‘ (SHessWb 4, 1284) und ist mit diesem Bedeutungsspektrum nicht nur in Südhessen, sondern auch in der Pfalz, in Rheinhessen, im Rheinland und im Südwesten des Nassauischen noch heute als Wort allgemein verbreitet (HNassWb 2, 794; E. Christmann 1938, 31; RheinWb 7, 204f.; Dittmaier 242; KehreinWb 325; Crecelius 680; v. Pfister 230; zur Gesamtverbreitung vgl. Wallner 50f.; Valtavuo 69f.). Die Etymologie des Wortes ist unklar (Ramge 1967, 374f.).
- 1B
Die Namenvarianten Ufer und Oiwer sind vereinigt, die bei starken Ähnlichkeiten in der Sachbedeutung und der Sprachform nicht strikt auseinanderzuhalten sind, von denen nicht einmal klar ist, ob sie auf ein Etymon oder zwei verschiedene zurückgehen.
Sicher ist das, auch der Ufer, mhd. uover st.n., md. ûber, Ufer‘ (Lexer 2, 1998), „ein den obd. Mundarten fremdes westgerm. Wort“ (DWB 23 [XI, II], 716), mnd. over ‚Ufer, Anhöhe‘ (Schiller/Lübben 3, 250), niederdt. oever m., n. (DWB ebd.). Ufer hat sich erst unter dem Einfluß Luthers gegen oberdt. Staden (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 85) durchgesetzt (Kluge/Mitzka 801). Abweichend von der heutigen Hauptbedeutung der Standardsprache ‚Begrenzung, Rand eines Gewässers‘ bezieht sich Ufer in FlN meist auf ‚Rain, Abhang, Wegrand‘ (Dittmaier 322). So ist Ufer auch in Hessen als Wort belegt (HNassWb 4, 211). KehreinWb 414 erläutert ,Erdrand eines Feldes, einer Wiese usw.‘ und verweist auf Rain und Rech, während E. Alberus nur das uffer des meers ,littus‘ (DWB 23 [XI, II], 717) anführt. In hessischen FlN scheint für Ufer weitgehende Sachentsprechung mit Rain (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 83) und Rech zu bestehen.
Im Nordhessischen allerdings tritt der Sachverhalt ‚Hügel, Berg‘ in den FlN stärker hervor; er entspricht dort auch dem Wortgebrauch (HNassWb ebd.; B. Martin 1925, 251), der daneben die Bedeutung ,Rain‘ (WaldWb 78; B. Martin 1925, 144) kennt, so daß von den rezenten Namen ohne genaue Ortskenntnis keine eindeutige Bestimmung der Örtlichkeitseigenschaft möglich ist (wie in Westfalen; vgl. G. Müller 1985, 159).
Als Bezeichnung für ,Hügel‘ gilt das Wort in vielfältigen lautlichen Varianten (z. B. /ouver, ouber, oiver, i:ver/) in einem Streifen vom Westfälischen bis nach Thüringen (DWA IV; Valtavuo 21-24). Es ist wahrscheinlich, daß sich der Vorstellungsinhalt vom ‚Rand, Hang eines Hügels‘ auf den ganzen ,Hügel‘ erweiterte.
Die phonologischen Varianten in Nordhessen beruhen auf mnd. over neben umgelautetem över, vielfach dialektal diphthongiert, im Nordosthessischen teilweise zu /ü/ gehoben - gerundet und mitunter zu /i:/ entrundet. Das intervokalische /b/ (/ouber, oiber/) beruht auf Übergang von stimmhaftem Reibelaut zu stimmhaftem Verschlußlaut und findet sich meist in der amtlichen Schreibung der FlN.
- 2A
Die Hauptmasse der Namen ist problemlos zu identifizieren. Schwierigkeiten gibt es mit Rech(en)- als BT, weil hier Vermengung mit mhd. rêch, rê st.n. ,Reh‘ (Lexer 2, 358) naheliegt, ja aufgrund von Kombinationstypen wie Rechgrund, Rechtal, Rechfeld sogar wahrscheinlich ist (vgl. Arnold 335, 354). Da die meisten der insgesamt 13 Belege mit Rech- als BT außerhalb des eigentlichen Verbreitungsraums von Rech ,Rain‘ liegen, ist die Ableitung von Rech ,Reh‘ m.E. so wahrscheinlich, daß dieser Strukturtyp unberücksichtigt blieb. Auch „Gerech“ in 5316d4 Offenbach LDK ist wohl nicht Kollektivum zu Rech, sondern gehört zu mhd. gerech ‚guter Zustand‘ (Lexer 1, 872). Auszuscheiden waren schließlich die Riek-, Rick-Namen (anders e. Christmann und v. Pfister ebd.)‚ weil deren Grundbedeutung „ohne Zweifel: gerade Richtung“ (Vilmar 324) ist, so daß höchstens Urverwandtschaft vorliegt (vgl. Dittmaier ebd.). Die vereinzelten nordhessischen Reike-Namen gehen wohl auf dial. reige ,Reihe‘ (WaldWb 84) zurück. Die Karte bildet deshalb nur Rech als Simplex und GT ab.
- 2B
Bei den Ufer-Belegen wurden diejenigen ausgesondert, deren Kombinationstyp den Verdacht auf junge Katasterbildung nahelegt (z. B. „am Mainufer“). Problematisch in dieser Hinsicht bleibt Ufer als Simplex, das aber aufgenommen wurde.
Bei den oiwer-Varianten wurde nur das Muster /V+ (v,b,f) + er/ berücksichtigt; einige /aubel/-, /oibel/-Belege könnten hinzugehören, wenn hier im Auslaut Dissimilation vorliegt.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 84
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„Lache-Ufer: AUF DEM LACHENUFER (Heldra)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/423097_auf-dem-lachenufer> (aufgerufen am 04.11.2026)
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