Lüde-Kamp: vorm luedekamp

Historischer Beleg aus Gertenbach  
Gemeinde
Witzenhausen
Topografische Karten
KDR 100, TK25 1900 ff.
AEC416D7-3050-4A60-B27E-A826B70B90DD

Beleg

Standard-Flurname

Lüde-Kamp

Belegort

Belegtyp

historisch

Quelle

Staatsarchiv Marburg, Kataster, 1737, 1745

Weitere Belege

Deutungen

Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Kamp

Da nur der Typ Bohnenkamp belegt ist, scheint es sich im Untersuchungsgebiet um eine auf diese Komposition beschränkte Verwendung von Kamp zu handeln. Kamp geht auf mittelniederdt. kamp st. M. ‚Landstück, insbes. eingefriedetes Stück Landes, Weide- oder Ackerland‘, auch ‚gehegtes Waldstück‘ bzw. seine Varianten kämpe und kampf zurück. Dieses Appellativ wird als Entlehnung aus lat. campus ‚Feld‘ betrachtet, doch ist das bis etwa 1500 nicht im hochdt. Sprachraum bezeugte Wort mit lat. campus vielleicht doch eher nur urverwandt.

Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Kamp

Die Namen gehen teilweise auf mittelniederdt. kamp st. M. ‚Landstück, insbes. eingefriedetes Stück Landes, Weide- oder Ackerland‘, auch ‚gehegtes Waldstück‘ bzw. seine Varianten kämpe und kampf zurück. Dieses Appellativ wird als Entlehnung aus lat. campus ‚Feld‘ betrachtet, doch ist das bis etwa 1500 nicht im hochdt. Sprachraum bezeugte Wort vielleicht doch eher nur mit lat. campus urverwandt. Allerdings können die älteren Belege in Gernsheim und Seligenstadt, die wie die übrigen südhess. Kamp-Namen weitab vom nördlichen Hauptverbreitungsgebiet liegen, vereinzelte Entlehnungen nach lateinischem Vorbild sein. In Jugenheim a. d. Bergstraße liegt BesitzerN nach der dort im 17. Jh. nachgewiesenen Familie Kempff vor1. Für die übrigen Belege kann nicht ausgeschlossen werden, dass sie ursprünglich zu mhd. kamp, kam ‚Kamm‘ in der Bedeutung ‚Hügel-, Bergrücken‘ - wie wohl der Kammberg in Ober-Kinzig - oder zu fnhd. kumpf, kump in der Bedeutung ‚Wasserstelle‘ gehört haben.

Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)

Kamp m.

1

Kamp, mnd. kamp m. ,Landstück, insbes. eingefriedigtes Stück Landes, Weide- oder Ackerland, auch gehegtes Waldstück‘ (Lasch/Borchling 2, 511), wird als Lehnwort aus lat. campus ‚Feld‘ betrachtet (Müller/Frings 147f.; Post 114; Bach 2 § 375 u.ö.; Dittmaier 128; Kluge/Mitzka 344; Weigand/Hirt 1, 974; Bedenken erheben DWB 11 [V], 135f.; auch v. Pfister 124). Das Wort ist im Norden und Osten des niederländischen Sprachgebiets und im Ripuarischen erhalten (Gysseling 169; Westphal 156f.), aber auch im Waldeckischen (WaldWb 54; B. Martin 1925, 230). Hier „waren es im Feuchtland oder im Walde liegende Rodeflächen, die in Grünland umgewandelt, umzäunt und als Weide, insbesondere für das Jungvieh, genutzt wurden“ (Engelhard 88; ähnlich Vilmar 191).

Die Kombinationstypen der hessischen Kamp-Namen spiegeln ein breites Bedeutungsspektrum, das neben ,Weideland‘ auch ,Ackerbau‘ und ,Waldbau‘ umfaßt, wie es sich in den Rheinlanden in der räumlichen Verteilung als Reflex zeitlicher Schichtungen niederschlägt (Westphal 168; danach Bach 2 § 658 und Dittmaier 129f.).

2

Im nordhessischen Hauptverbreitungsgebiet bereitet die Identifizierung der Kamp-Namen nur in den Randzonen in wenigen Fällen Schwierigkeiten. Die Kamp-Namen im übrigen Hessen haben aber seit langem keine Stütze mehr im Wortgebrauch und sind deshalb nur in wenigen Fällen mit Sicherheit als Kamp-Namen anzusprechen. Vermengungen liegen hier vor mit

- Kamm, mhd. kamp, kambe ,Kamm‘ (Lexer 1, 1505), dessen plosives /b,p/ früher dialektal auch in Hessen galt (SHessWb 3, 1072), insbesondere mit der Bedeutung ,Hügel-, Bergkamm‘; es wurden nur die Kam(b)- Namen aufgenommen, deren Kombinationstyp (z.B. „Essigkamm“ in 6317b1 Heppenheim BGS) die Zugehörigkeit zu Kamp wahrscheinlich macht:

- Kumpf, Kump ,Wasserstelle‘ (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 114), dial. auch komp; hier wurde bei den /o/-Formen ebenfalls nach dem Kombinationstyp entschieden. So klare Fälle wie „Kumpenkamp“ in 4622d2 Fürstenwald KSK sind selten.

Die zahlreichen Kampf-Belege sind meist als hyperkritische Formen von Kamp zu werten (anders jedoch in 5219b3 Homberg (Ohm) VBK, vgl. Ramge 1984, 199). Die im Streugebiet liegenden Kemp(f)-Namen sind teils mit Kamp (so in 6118a1 Nieder-Modau DAD; vgl. v. d. Au = HFB 27, 30), teils mit einem Besitzernamen (so in 6217c2 Jugenheim a. d. B. DAD; vgl. Kunz 1978, 75) in Verbindung zu bringen. Mitunter sind die Namen so umgedeutet, daß die Zugehörigkeit sehr unsicher ist (vgl, „im Naßkännchen“ in 63l7dl Lorsch BGS: Fecher =HFB 21, 98). Die Daten im Streugebiet sind deshalb verhältnismäßig unklar und bedürfen weiterer historischer Untersuchung.

Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 13

Leite, Liete f.

1

Leite, ahd. lîta sw.f. (Schützeichel 115), mhd. lîte sw.f. (Lexer 1, 1939), mnd. lît f. (Lasch/Borchling 2, 833), bezeichnet als Wort und als Name einen Bergabhang, eine Halde und ist etymologisch mit lehnen verwandt (Weigand/Hirt 2, 52; Kluge/Mitzka 435). „Das Wort hat sich heute noch im bairischen und fränkischen Sprachgebiete erhalten“ (DWB 12 [VI], 728; vgl. Valtavuo 122f.). In Hessen ist das Wort verschwunden (HNassWb 2, 117), war aber bis in den Beginn des 19. Jh.s. „wenigstens noch hier und da“ lebendig (Vilmar 251; vgl. Arnold 34l; Crecelius 555).

Im hessischen Monophthonggebiet lautet die Standardform /li:de/- Liede, manchmal zu /le:de/ gesenkt und beides oft gekürzt: /lid(e), led(e)/. Mitunter weisen die mündlichen Formen von Leite und Liete Rundung zu /loid(e)/ und /lü(:)d(e)/ auf. Sehr verbreitet in allen Varianten ist der Rhotazismus /d/ > /r/.

2

Die Identifizierung der Hauptmasse der Namen ist unproblematisch. Vermengungen können im Einzelfall bei einigen Varianten vorliegen:

l. Bei Leit- als BT kann Herleitung von leiten vorliegen. Ausgeschieden wurden Leitgraben u.ä.; unsicher sind Typen wie Leithecke, Leitacker u.ä., die jedoch in der Regel aufgenommen sind. Das betrifft vor allem auch den Wetterauer Einzelbeleg „Leitweide“ in 5818c4 Niederdorfelden MKK.

2. Bei monophthongischen Belegen kann vereinzelt Vermengung mit Lager (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 42) und Lett(en) (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 105) vorliegen, bei der /e:/-Variante wohl höchstens am Nordrand mit ostfäl. Legde, Lede, < mnd. lêgede ,liegengelassenes Land‘ (Flechsig 1959 b, 49; Lasch/Borchling 2, 769; DWB 12 [VI], 537).

Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 86

Nachnutzung

Rechtehinweise

Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Lüde-Kamp: vorm luedekamp (Gertenbach)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/421014_vorm-luedekamp> (aufgerufen am 04.11.2026)

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