Metze-Born-Klinge: AUF DER METZEBORNS KLENGE
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Born
Zu ahd. brunno, purnno, mhd. burne, born sw. M. ‚Brunnen, Quelle‘. Namengebend sind natürlich fließende, nicht gegrabene Quellbrunnen, aus denen geschöpft werden konnte; auch kleine Quellbrunnen im Walde und Wiesenquellen. Born ist eine mitteldt./niederdt. Form und durch /r/-Metathese aus oberdt. Brunnen, ahd. brunno, ‚Brunnen‘ entstanden.
Klinge
Zu ahd. klingo, klinga ‚(Sturz-)bach‘, mhd. klinge sw. st. F. in der Bedeutung ‚Gießbach, Talschlucht‘, das zum starken Verb ahd. klingan, mhd. klingen ‚rauschen, plätschern, klingen‘ gebildet ist. Klinge benennt daher im Allgemeinen Bäche und enge Schluchten, die sich bei starken Regenfällen in Sturzbäche verwandeln. Heute sind es oft enge Geländeeinschnitte.
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Born
Zu ahd. brunno, purnno, mhd. burne sw. M. ‚Brunnen, Quelle‘. Namengebend sind natürlich fließende, nicht gegrabene Quellbrunnen, aus denen geschöpft werden konnte; auch kleine Quellbrunnen im Walde und Wiesenquellen. Born ist eine mitteldt./niederdt. Form und durch r-Metathese aus oberdt. Brunnen, ahd. brunno, mhd. brunne ‚Brunnen‘ entstanden. Das Diminutiv Börnchen erscheint in Bieber, Bürgel, Büttelborn, Dorndiel, Heppenheim, Klein-Gerau, Königstädten, Klein-Umstadt, Lampertheim?, Offenthal, Raibach, Weiterstadt, Wixhausen, Worfelden. Auffällig ist der Name Bornsprung in Trebur (GT zu springen), der sich zu Borkel (s. d.) und Brunkel (s. d.) stellt. Bornweichel (Gräfenhausen) scheint eine Zersprechung aus -weiher zu sein
Klinge
Zu ahd. klingo, klinga, ‚(Sturz-)bach‘, mhd. klinge sw. st. F. in der Bedeutung ‚Gießbach, Talschlucht‘, das zum starken Verb ahd. klingan, mhd. klingen ‚rauschen, plätschern, klingen‘ gebildet ist. Klinge benennt daher im Allgemeinen Gebirgsbäche und enge Schluchten, die sich bei starken Regenfällen in Sturzbäche verwandeln. In Südhessen gilt vor allem die Bedeutung ‚Bach in einer Talschlucht‘ und dann auch ‚Talschlucht‘ selbst. Die Belegverteilung deutet für die Klingen-Namen auf oberdt. Sprachzusammenhang hin. Der südhess. Raum scheint das Zentrum ihrer hess.-mitteldt. Verbreitung zu sein.
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Klinge f.
- 1
Die heutigen FlN Kling(e) f. und Klingen/Klingel m.n. sind abzuleiten von ahd. clinga, chlinga st. sw. f.‚ klinge, chlingo sw.m. ,(Sturz-)Bach‘ (Schützeichel 98), mhd. klinge sw.st.f. ,Gebirgsbach, Talschlucht‘ (Lexer 1, 1623f.), auch ‚Gießbach‘ (Kluge/Mitzka 377), ,rauschender Bach, Wildbach‘ (Weigand/Hirt 1, 1058) und dem Verb ahd. chlingan, klingan st.v. (Graff 4, 563), mhd. klingen ‚rauschen, plätschern, klingen, erklingen‘ (Lexer 1, 1626).
Klingel ist möglicherweise substantivierte Ableitung von mhd. klingelen sw.v. ‚rauschen, plätschern‘ (Lexer 1, 1625), kann aber auch durch Dissimilation von Klingen zu Klingel entstanden sein (Dittmaier 148). Die Klingen-Formen können von der Pluralform oder einer adjektivischen Wendung *‚an der klingenden Bach‘ → Klingenbach abgeleitet sein (vgl. Schröder 236).
Klinge benennt (Gebirgs-)Bäche überhaupt; viele heißen nach ihrem ,murmelnden, plätschernden Geräusch‘, das sie an seichten, steinigen Stellen verursachen, Klingel.
Ebenso sind enge Täler, ,wasserlose, enge Schluchten, schmale Gräben‘, die sich bei Gewittern und im Frühjahr in Sturzbäche verwandeln, gemeint (DWB 11 (V), 1174).
Klinge ist in Südhessen, besonders im Odenwald, bekannt als Benennung für einen ‚Bach in einer Talschlucht‘, eine ‚enge Talschlucht urspr. mit einem Bach, heute nicht selten ohne Wasser‘ (SHessWb 3, 1422) und in Oberhessen als ‚Bach, der durch ein Tal fließt, und Tal, dadurch ein Bach fließt‘ (Crecelius 506). In der Wetterau sind Klingen ‚Wasserrisse an Abhängen‘, die bei starkem Regen oder zur Schneeschmelze große Wassermengen führen (Braun 1954b 119).
Klinge ist eine im Mittel- und Oberdeutschen weitverbreitete Benennung für Gebirgsbäche, schluchtartige Täler, schmale, tiefe Gräben u.ä. (vgl. BadWb 3, 166; Buck 140; PfälzWb 4, 309; SchwäbWb 4, 490; Schmeller 1, 1334).
- 2
Die zu /e/ gesenkte Klenge-Form in Mittel- und Oberhessen hätte zu Vermengung mit klengen ,Leinsamenkapseln in der Sonne zum Trocknen ausbreiten, damit sie aufspringen‘ (Crecelius 506; Vilmar 206; Kluge/Mitzka 377) und davon abgeleiteten FlN z. B. Klengkaule ,Kaule, in der die Kapseln zum ,klengen‘ getrocknet werden‘ (Vilmar ebd.) führen können. Es ließen sich jedoch kaum Anhaltspunkte in Namenform und -kombination finden, die auf FlN in diesem Zusammenhang hinwiesen, nur Knottenklänger in 5118d1 Sterzhausen MBK wurde aussortiert. Namen, die sich auf die Form eines Flurstückes beziehen, z. B. Klingelbeutel in 4624c1 Ermschwerd WMK blieben unberücksichtigt.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 93
Satel f. (m./n.) / Meste f. / Metze f.
- 1A
Das Wort Satel, ahd. sâtila sw.f. ‚(Getreide-)Maß‘ (Schützeichel 159),mhd. sâtel, sâtele st.m.n. ‚ein bestimmtes Ackermaß‘ (Lexer 2, 613), wird - trotz Bedenken - meist von mlat. satellum, einem Diminutiv zu lat. satum ,Gesätes‘ abgeleitet (DWB 14 [VIII], 1809; Weigand/Hirt 2, 653; Post 119). Alternativ wird eine Ableitung zu dt. Saat erwogen (Müller/Frings 451ff.; Vollmann 41). Als Ackermaß bedeutet es ursprünglich ‚soviel man mit einer Sattel Getreide besäen kann‘ (Kluge/Mitzka 626). Als Wort ist Satel noch heute in hessischen und thüringischen Dialekten lebendig (HNassWb 3, 2f.; Vilmar 338; Crecelius 709; KehreinWb 335; Bech XVIIIf.; ThürWb 5, 368), aber auch im west- und südwestdt. Sprachraum (Post ebd.). Die Größe einer Satel betrug „etwa ¼ Morgen“ (Kehrein ebd.), im Eichsfeld war eine Satel doppelt so breit wie eine Rute und halb so breit wie ein → Gelänge (K. 55) (E. Müller 1966, 62). Im 19. Jh. scheint aber die Vorstellung des Ackermaßes abgelöst zu sein zugunsten der Vorstellung ‚schmale Ackerstreifen, die durch aufgeworfene Furchen voneinander getrennt sind‘ (Vilmar ebd.), so breit wie bei einem Gang die Saat gestreut wird.
Die FlN beziehen sich deshalb entweder auf das den Grundstücken ursprünglich zugrunde liegende Ackermaß (Dittmaier 256) oder auf die Bewirtschaftung in schmalen Ackerstreifen allgemein. In hessischen FlN ist Satel meist fem., hat fast immer Kurzvokal und tritt oft im Plural als Sateln u.ä. auf. Eine umgelautete Nebenform Setel ist belegt.
- 1B
Die Meste, mhd. mëste sw.f. (Lexer 1, 2123), gehört etymologisch vermutlich zu messen (Weigand/Hirt 2, 173; so auch Vilmar 269; Crecelius 590; anders DWB 12 [VI], 2134, das Meste von → Mast (K. 37) ableitet). Die Verbreitung des Worts ist auf das Mitteldt. beschränkt; es bezeichnet im Westmitteldt. vorwiegend ein Fruchtmaß von ⅛ Malter, d. h. regional verschieden 25-40 Pfund, im Ostmitteldt. hingegen verschiedene Arten von Behältern (DWB ebd.; ThürWb 4, 617f.), aber auch im Siegerland ein Maßgefäß (SiegWb 170f. mit Abb.; Reichmann Abb. 16). Im Hessischen ist oder war Meste als Fruchtmaß weit verbreitet und reicht südlich bis knapp über den Main (HNassWb 2, 3l7f.; WaldWb 71, 160; SHessWb 4, 643). KehreinWb 278 nennt das Wort als „rheinisch nicht gebräuchlich, wohl aber westerwäldisch“.
In hessischen FlN bezieht sich Meste in der Regel auf die Grundstücksgröße und gibt die Menge Mesten an, die zur Bestellung des Landes an Saatgetreide benötigt werden.
- 1C
Die Metze, ahd. mezzo m. (Graff 2, 898), mhd. metze, mezze sw.m. (Lexer 1, 2127), etymologisch ebenfalls mit messen verwandt (Kluge/Mitzka 477), ist - wie Meste - ein Trockenmaß, und zwar ½ Meste oder 1/16 Malter, d. h. auch wieder in regionaler Verschiedenheit 8-20 Pfund umfassend. Das Wort ist im deutschen Sprachraum weit verbreitet; im Oberdt. mask., im Mittel- und Niederdt. meist fem. (DWB 12 [VI], 2152). In Hessen kommt die Metze als Maßeinheit vorwiegend im Nordosten und Osten, aber historisch auch im Waldeckischen und in Südhessen vor (Vilmar 269; HNassWb 2, 318f.; WaldWb 160; SHessWb 4, 645); bei Alberus Metz.
In FlN bezieht sich Metze auf die Grundstücksgröße, für die eine Metze Saat benötigt wird, woraus vereinzelt wohl sogar ein Feldmaß von 4 ar geworden ist (HNassWb ebd.).
- 2A
Eine Reihe möglicher Vermengungen macht die sichere Identifizierung vieler Satel-Namen problematisch:
1. Vermengung mit nhd. Sattel m. mag vereinzelt vorliegen und könnte nur durch eine Sachprobe entschieden werden. Doch scheint Sattel nur ganz vereinzelt in hessischen FlN vorzukommen (z. B. „Sattelrück“), so daß hier nur wenige, vom Kombinationstyp her klare Fälle auszusondern waren.
2. Vereinzelt könnte Vermengung mit Sodel f. ,Wassergraben, Quelle, Sumpf‘ vorliegen (→ Sod K. 115).
3. Am unsichersten sind die kontrahierten Belege (/sal‚ sol/ u.ä.), weil diese Formen auch auf Sal ‚Herrenland‘ und Sohl ‚Lache u.ä.‘ (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 116) zurückgehen können. Hier wurde aufgrund der amtlichen Form Sattel o. ä. unter Berücksichtigung des Kombinationstyps entschieden.
- 2B
Von Mist-Namen (dial. gesenkt oft /mesd/) ist Meste als GT leicht durch das fem. Genus zu unterscheiden, als BT durch den Kombinationstyp. Fraglich ist nur „Mestgarten“ in 5120a1 Stadtallendorf MBK. In der Hugenottensiedlung 4918b1 Wiesenfeld WFK wird amtliches Meste mündlich durch /
/ wiedergegeben. - 2C
Wo Metze(n) als BT erscheint, liegt offensichtlich sehr oft der PN oder FamN zugrunde. Deshalb blieben diese recht häufigen, aber diffus gestreuten Belege außer Betracht, und es verblieben nur die wenigen mit Metze als Simplex oder GT gebildeten FlN.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 54
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„Metze-Born-Klinge: AUF DER METZEBORNS KLENGE (Datterode)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/415641_auf-der-metzeborns-klenge> (aufgerufen am 05.11.2026)
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