Bette-Blech: Bette-Blech [up dem baedden blekke]

Rezenter Beleg aus Strothe  
Gemeinde
Korbach
Topografische Karten
KDR 100, TK25 1900 ff.
AEC416D7-3050-4A60-B27E-A826B70B90DD

Beleg

Standard-Flurname

Bette-Blech

Belegort

Belegtyp

rezent

Deutungen

Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Blech

Der FlN Blech geht wohl auf mhd. blech st. M. ‚ebener Raum, Fläche‘ zurück, das als Substantivbildung zum Adjektiv mhd. blach ‚flach‘ gedeutet wird. Diese Etymologie ist aber unsicher, da blach nur eine eher seltene Anlautvariante zu mhd. flach ‚flach, eben‘ ist.

Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Blech

Der FlN Blech geht wohl auf mhd. blech st. M. ‚ebener Raum, Fläche‘ zurück, das als Substantivbildung zum Adjektiv mhd. blach ‚flach‘ gedeutet wird. Diese Etymologie ist aber unsicher, da blach nur eine eher seltene Anlautvariante zu mhd. flach ‚flach, eben‘ ist.

Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)

Bett n.f. / Beet n.f.

1

Der in Hessen häufige FlN geht mit seinen beiden Hauptvarianten auf ahd. betti u. ä. st.n. ‚Lager, Bett‘ (Karg-Gasterstädt/Frings 1, 935ff.), auch ,Beet‘, mhd. bette, bet(t) st.n.‚ auch ,Feld-‚ Gartenbeet‘ (Lexer 1, 242) zurück. Die Wörter Beet und Bett haben also die gleiche Ausgangsform und wurden erst frühnhd. geschieden, wobei Beet wohl aus dem apokopierten mhd. bet entstanden ist (Weigand/Hirt 1, 176f.). „Die schriftsprachliche Scheidung von Beet und Bett scheint aus Mitteldeutschland zu stammen.“ (Kluge/Mitzka 59; vgl. DWB 1 [I], 1245). Daraus ergibt sich die Frage, ob die heutige Verteilung von Bett und Beet in hessischen FlN etwas zur Erhellung dieses (verhältnismäßig unklaren) sprachgeschichtlichen Befunds beitragen kann.

Als Wörter sind Beet und Bett in Hessen mit dem standardsprachlichen Bedeutungsunterschied natürlich allgemein gebräuchlich (SHessWb 1, 646, 738ff.). Als Maßeinheit von ¼ Juchart (DRWb 1, 1364) ist Bett/ Beet in Hessen nicht belegt.

In FlN beziehen sich Beet und Bett gleichermaßen auf ,Acker-, Gartenbeet‘ (Crecelius 154), nach H. Jäger 32f. auch auf Einheiten der Hochäcker. Von der Mitte nach Norden fortschreitend, tritt eine in den Wörterbüchern nicht belegte fem. Genusvariante die bette häufiger auf (ein historischer Beleg dafür E. 14. Jh.: Dittmaier 27). Es gibt jedoch keine sprachlichen und sachlichen Anhaltspunkte, daß diese fem. Form zu dem im nordöstlichen Niedersachsen vorkommenden die Beete ‚sumpfige Weide‘ gehört (Scheuermann 27; Hessmann 193f.).

2

1. Abgrenzungsschwierigkeiten gegenüber Bett ,Bett‘ ergeben sich nicht, da Bett in dieser Bedeutung charakteristische Kombinationstypen (Bettzieche u. ä.) aufweist. Nicht berücksichtigt wurden Bett-FlN in der Bedeutung ,Bach-‚ Flußbett‘ (z. B. „Ohmbett“ 5118b4 Ginseldorf MBK), auch nicht die unsicheren Wasserbett, Flutbett.

2. Bei der Beet-Variante kann mhd. bëte ,Abgabe‘ (Lexer 1, 235) insbesondere bei Vorkommen im BT vorliegen. Sichere sprachliche Abgrenzungskriterien gibt es nicht; die Zahl der Zweifelsfälle ist aber gering und betrifft hauptsächlich die wenigen südhessischen Beet-Belege. Batten-(BD)-Namen wurden nicht aufgenommen, da nur ein Belegort (5426d2 Hilders FUL) im osthessischen Gebiet der Senkung /e/ > /a/ liegt.

Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 49

Blech n. / Flecken m.

1A

Blech „bezeichnet ein Gartenstück, einen Acker, Grasplatz oder überhaupt einen Platz z. B. zum Niederlegen des Bauholzes, sofern dieselben offenen, nicht von Gestrüpp oder Wald bedeckten Boden darstellen“ (Crecelius 176). Vilmar 41 hebt darauf ab, daß Blech „in Oberhessen einen breiten Platz in der Ebene, ein breites Ackerstück, dann ein Landstück überhaupt“ bezeichne, wiewohl seine historischen Nachweise in ihrem Kombinationstyp (Mestenblech, Krautblecher, Pflanzenblecher) ebenso wie die heutigen Blech-FlN in der Tendenz auf die einem Placken, einem Lappen, (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 51), einem Beet (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 49) entsprechende Kleinheit des Grundstücks hinweisen. Etymologisch wird Blech gewöhnlich zu mhd. blech st.m. ‚ebener Raum, Fläche‘ (Lexer 3, Nachtr. 90) als umgelautete Substantivierung des Adj.s mhd. blach, einer Nebenform von mhd. vlach, flach ,flach‘ (Lexer l, 294; 3, 383f.), betrachtet (Crecelius ebd.; Dittmaier 33). Dittmaier erwägt alternativ Zugehörigkeit zu ripuarisch-niederfränk. bläck ‚bloß, nackt, unbedeckt, kahl‘, das auch KehreinWb 81 als „von Wiesen, Wegen, … gebraucht“ anführt (vgl. aber KehreinNb 348).

Es bereitet jedoch auch keine sprachlichen Schwierigkeiten, den FlN als bildliche Bezeichnung, vergleichbar den oben genannten Namen, mit Blech i.S. von ‚Kuchenblech‘ o. ä. <mhd. blëch st.n. ‚Blättchen, meist Metallblättchen‘ (Lexer 1, 302), in Verbindung zu bringen.

Heute ist Blech ‚(kleines) Grundstück‘ als Wort in Hessen unbekannt (vgl. SHessWb 1, 928f.).

1B

In den FlN Fleck und Flecken haben sich, wie auch im Wortgebrauch, zwei sprachhistorische Varianten vermengt: ahd. flec, st.m., mhd. vlëc st.m. und ahd. flecko sw.m.‚ mhd. vlëcke sw.m.‚ die beide das Bedeutungsspektrum zwischen ‚Stück Zeug, Flicke, Lappen‘ und ‚Stück Landes, Landstrich, Platz, Stelle‘ sowie ,entstellender Flecken‘ abdecken (Karg-Gasterstädt/Frings 3, 962f.; Lexer 3, 388f.; Kluge/Mitzka 203; Weigand/Hirt l, 547f.; DWB 3 [III], 1740ff.). Auch in Hessen war und ist die für die FlN maßgebende Bedeutung ‚Stück Landes oder Bodens‘ üblich (Vilmar 104f.; Crecelius 380f.; SHessWb 2, 784f.), und zwar in beiden sprachlichen Varianten.

In FlN bezieht sich die Bezeichnung auf ein Landstück unbestimmter Größe, jedoch offensichtlich meist auf ein kleines.

2A

Der Name ist in der Regel eindeutig zu identifizieren. Bei den wenigen Fällen mit /e:/ kann Vermengung mit monophthongiertem Bleiche vorliegen. Unsicher ist die Zugehörigkeit der zweimal dialektal belegten Form blach(e): In 5916c1 Okriftel MTK gibt es aber außerdem den amtlichen FlN „Blechlöser“; in 4820b2 Anraff WFK ist der Name im 18. Jh. „auf dem bleche“ belegt.

2B

Die Ein- und Ausgrenzung bereitet nur in Einzelfällen Schwierigkeiten: Gelegentlich kann sich der Name auf die Schadhaftigkeit oder Andersfarbigkeit einer Stelle beziehen, so wohl bei „Fleckenstein“ (5217d3 Kehlnbach MBK, 5217d4 Römershausen MBK).

Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 50

Nachnutzung

Rechtehinweise

Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Bette-Blech: Bette-Blech (Strothe)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/405239_bette-blech> (aufgerufen am 04.11.2026)

Kurzform der URL für Druckwerke

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