Ziege-Zunge: ZIEGENZUNGE [ziggentunge]
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Ziege
Zu ahd. ziga, mhd. zige sw. F. ‚Ziege‘. Es konkurrieren Formen mit Senkung von /i/ > /e/ und Formen mit Dehnung von mhd. /i/. Die Verteilung zwischen Geiß und Ziege hält sich in Mittelhessen in etwa die Waage. Die Namen beziehen sich meist auf Aufenthaltsorte für Ziegen, manchmal werden Tierteile metaphorisch als FormN verwendet (Horn, Schwanz, Kopf). - In Krofdorf/Rodheim a.d. Bieber erfolgte Umdeutung zu See.
Zunge
Zu ahd. zunga, zûna, zunge, mhd. zunge sw. st. F. ‚Zunge, bes. als Werkzeug der Sprache‘; in FlN FormN.
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Ziege
Zu ahd. ziga, mhd. zige sw. F. ‚Ziege‘. Es konkurrieren Formen mit Senkung von /i/ > /e/ und Formen mit Dehnung von mhd. /i/. Die geringe Zahl der historischen Belege zeigt, dass sich das Wort gegenüber dem in Südhessen vorherrschenden Geiß nicht hat durchsetzen können.
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Ziege f., Zicke f.
- 1
Die Ziege, ahd. ziga sw.f. (Schützeichel 246), mhd. zige sw.f. ,Ziege‘ (Lexer 3, 1109) wurde als Wort „durch die Franken in die vorher einheitliche rechtsrheinische Geit-Fläche gebracht und setzte sich … in der Mitte und im Norden durch, nicht ohne im Süden wieder Boden an Geiß zu verlieren.“ (Kluge/Mitzka 882; für die Wortgeschichte vgl. DWB 31 [XV], 898ff.). Zur historischen und gegenwärtigen Verbreitung in Hessen → Geiß (K. 45).
In hessischen FlN stehen Formen mit Langvokal (/dsi:ge/) und Kurzvokal (/dsige/) nebeneinander, ohne daß entscheidbar wäre, ob die Kürze auf örtlich unterbliebene Dehnung des mhd. zige oder das besonders im Ostmitteldt. verbreitete Synonym Zicke (DWB 31 [XV], 880) zurückgeht.
- 2
Bei der Identifizierung bereiten nur die gekürzten Formen wie zi(:)- und ze(:)- Schwierigkeiten, weil hier Vermengung mit anderen Namen (z. B. /dsi:l/ ,Zeil(e)‘) nicht ausgeschlossen werden kann. Entschieden wurde nach dem Kombinationstyp.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 46
Schachen m. / Zunge f.
- 1A
Schachen geht auf ahd. scahho ‚Vorgebirg, Landzunge‘ (DWB 14 [VIII], 1958), mhd. schache sw.m. ‚einzeln stehendes Waldstück oder Vorsaum eines Waldes‘ (Lexer 2, 622) zurück. Als Wort ist Schachen, auch umgelautet Schechen, in oberdt. Dialekten gebräuchlich; in mitteldt. ist es untergegangen (DWB ebd.; SchwäbWb 5, 640; Buck 230; Weigand/Hirt 2, 662f.; Dittmaier 257). Auch in hessischen FlN scheint durchweg die Bedeutung ,Waldzunge, einzeln stehendes Waldstück‘ zugrunde zu liegen (vgl. Bach 2 § 362).
- 1B
Zunge, zu ahd. zunga, st.sw.f. ‚Zunge, Rede, Sprache‘ (Schützeichel 249), mhd. zunge st.sw.f. (Lexer 3, 1178) bezeichnet in FlN als Formname ‚ein zungenförmig sich in ein anderes vorschiebendes Geländestück‘ (Dittmaier 356), ist in dieser Bedeutung auch als Wort belegt (DWB 32 [XVI], 605) und als ,Landzunge‘ „uralt“ (Kluge/Mitzka 892). Da meist nicht zu entscheiden ist, ob die Form des Flurstücks oder die Geländeform die namengebende Eigenschaft aufwies, besteht nur eine schwache Beziehung zum Sachbezug von Schachen (sofern es sich nämlich um eine Waldzunge handelt), eine stärkere zu → Horn, Gehren, Keil, Spieß (K. 80, 62-65).
Die unverschobene Form /tuŋe/ (WaldWb 106) begegnet im niederdt. Sprachgebiet Hessens auch gelegentlich in FlN.
- 2A
Die Ein- und Ausgrenzung ist bis auf Einzelfälle unproblematisch. Die umgelautete Form Schechen scheint nur in dem unsicheren Beleg A: Schächtalswiese - D: /ʃeçdlsvi:ze/ (64l9c5 Hetzbach ODW) (oder zu FamN?) vorzuliegen. Zu „Schachgraben“ als Teilbezeichnung des Darmbachs bei Darmstadt vgl. Knöpp 14.
Die beiden Streubelege in 5121d2 Willingshausen SEK (D: //) und 4725b2 Abterode WMK (A: Schacherland) sind aufgenommen, wenngleich der letztere auch zu schachern i. S. von ,er- (ver-)schachertes Land‘ gehören könnte.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 68
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Ziege-Zunge: ZIEGENZUNGE (Rhena)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/399525_ziegenzunge> (aufgerufen am 03.11.2026)
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