Ochse-Schlade: Ochse-Schlade [ossenschlade]
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Ochse
Zu ahd. (h)ohso, mhd. ohse sw. M. ‚Ochse‘. Als Ochse wurde der Zuchtstier, aber auch das kastrierte männliche Zug- und Mastrind bezeichnet. Die meisten FlN beziehen sich entweder auf Weideplätze und Besoldungsstücke, die den Haltern eines Ochsen von der Gemeinde zur Nutzung überlassen werden, oder auf die dorthin führenden Wege; vereinzelt als FormN wie Ochsenzahl. Eine Reihe historischer und mündlicher Belege weisen den Wandel /chs/ > /s/ auf. - Von den Kombinationstypen ist besonders auf Ochsenau in Bersrod hinzuweisen. Es handelt sich um ein kleines Grundstück an einem Gewässer, das durch den Ort rechts > Michelbach > Wieseck > Lahn fließt. Die mündliche Form /osax/ legt die Deutung ‚Ochsen-Auge‘ nahe (Neumann). Das wirft die Frage nach dem Benennungsmotiv auf. Es könnte deshalb eher Umdeutung aus einem GewN auf aha vorliegen: *‚Ochsen-Bach‘.
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Ochse
Zu ahd. (h)ohso, mhd. ohse sw. M. ‚Ochse‘. Als Ochse wurde der Zuchtstier, aber auch das kastrierte männliche Zug- und Mastrind bezeichnet. Die meisten FlN beziehen sich entweder auf Weideplätze und Besoldungsstücke, die den Haltern eines Ochsen von der Gemeinde zur Nutzung überlassen wurden, oder auf die dorthin führenden Wege; vereinzelt als FormN (Neckarsteinach). Namengebend für die Belege aus Darmstadt war ein Gasthaus
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Schlade f ./ Schleide f.
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Im abgebildeten Namentyp haben sich verschiedene Etymologien und Sachbedeutungen vermischt. Die weitaus häufigste Namenvariante die Schlade geht in ihrem nordhessischen Hauptverbreitungsgebiet in den meisten Fällen auf das dort noch heute bekannte Wort Schlade ‚Vertiefung zwischen zwei Bergen‘ (WaldWb 93), ‚ein Wiesengehängetal‘ (Kaerger/Sauer 18) zurück, das auch im Westfälischen als ,Talung, Bergschlucht‘ (Woeste 238), im Bergischen als ‚Einschnitt, Bergschlucht, schmales Tal zwischen Bergen, meist mit feuchtem Wiesengrund, aber auch mit Feldern auf fruchtbarem, tiefem Boden‘ (RheinWb 7, 1173; vgl. Leithaeuser 85f.) bekannt ist. Es geht wohl auf mnd. slât (slaeth, slatt) ,moorige Vertiefung, sumpfiger Ort‘ (Lasch/Borchling 3, 262; vgl. DWB 15 [XX], 263) zurück. Auch in Hessen scheint der Name sich bevorzugt auf feuchte, sumpfige Stellen im Grund bezogen zu haben (Arnold 521; Vilmar 351). Da hier Riedgräser wuchsen, konnte leicht Vermengung mit mhd. slâte sw.f. ,Schilfrohr‘ eintreten (Lexer 2, 964), das nhd. als Schlatte, Schlote, Schlotte u. ä. bekannt ist (DWB 15 [IX], 500f.). Wenn auch heute nicht mehr im hessischen Raum (vgl. HNassWb 3, 187, 211) nachzuweisen, sprechen doch zumindest mehrere kollektivierte FlN dafür, daß das Schilfrohr namengebend werden konnte.
Im Rheinfränkischen und Zentralhessischen, wo mhd. /ei/ zu /a:/ wurde (Wiesinger K. 15), kann Schlade auf ahd. *sleit ,Abhang‘, eine Substantivierung Zu mhd. belegtem slîten ,(herab)gleiten‘ (Bach 2 § 290; Lexer 2, 983) zurückgehen. FlN-Formen mit /ei/ sind in mhd. Quellen häufiger belegt und sind heute (nach Dittmaier 271) meist linksrheinisch. Auch in Hessen kommt Schleide ziemlich selten vor, ist manchmal anscheinend nur hyperkorrigierte amtliche Form von mündlichem /ʃla:de/. In Nord- und Osthessen, wo mhd. /ei/ zu /e:/ wird, kann auch die Variante Schlede auf *sleite zurückgehen.
Von den rezenten FlN her sind eindeutige Rückschlüsse auf den Sachbezug nicht möglich.
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Zu der unterschiedlichen etymologischen Herkunft der Namen treten durch die dialektale Differenzierung bedingte Ein- und Ausgrenzungsschwierigkeiten auf, die nur eine annähernde Erfassung der tatsächlich hierher gehörigen Namen erlauben. Ein sicheres Identifizierungsmerkmal ist das durchweg geltende fem. Genus. Dadurch können auch einige Belege einbezogen werden, bei denen dialektal der postvokalische Konsonant entfallen ist (/ʃlai, ʃla:/). Wenn solche Formen allerdings im BT von Namen auftraten, blieben die Belege wegen zu hoher Unsicherheit unberücksichtigt (Für die „Schleiwiese“ in 5718b2 Rendel WET vgl. Großkopf 1980, 4). Vermengung mit Schlag kommt mehrfach vor (Braun 1954a, 76). Vokallänge und -kürze gehen durcheinander, so daß dieses Merkmal nicht herangezogen werden kann. Die Kollektivbildungen sind aus formalen Gründen aufgenommen, obwohl sie in der Sache mit einiger Sicherheit auf die Bedeutung ,Schilfrohr‘ verweisen.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 91
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Ochse-Schlade: Ochse-Schlade (Münden)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/395851_ochse-schlade> (aufgerufen am 06.11.2026)
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