Specht-Zunge: die spechtszunge/

Historischer Beleg aus Hüddingen  
Gemeinde
Bad Wildungen
Topografische Karten
KDR 100, TK25 1900 ff.
AEC416D7-3050-4A60-B27E-A826B70B90DD

Beleg

Standard-Flurname

Specht-Zunge

Belegort

Belegtyp

historisch

Quelle

Staatsarchiv Marburg, Flurbuch, um 1750

Weitere Belege

Deutungen

Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Specht

In den vorliegenden Fällen gehen die Namen aufgrund der Endung /-isch/ auf den häufigen FamN Specht zurück, der im Raum früh bezeugt ist.

Zunge

Zu ahd. zunga, zûna, zunge, mhd. zunge sw. st. F. ‚Zunge, bes. als Werkzeug der Sprache‘; in FlN FormN.

Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Specht

Die Namen gehen in der Regel auf das Vorkommen des Spechtes zurück: ahd. speht, speh, mhd. speht st. M.; in (nicht überprüfbaren) Einzelfällen vielleicht auch auf den häufigen FamN Specht. Die Belege ohne Reibelaut zeigen den Einfluss des mhd. Wandels /xs/ /s/, sofern keine Umdeutung aus Spiegel (s. d.) vorliegt, wie vielleicht in Altheim. Der Beleg von 1430 ist entsprechend als ‚Spechts-Wald‘ zu deuten. An ihm, der sich auf den Spessartskopf bei Gras-Ellenbach bezieht, knüpft die Diskussion an, ob der Spehtsharte des Nibelungenlieds (Strophe 967) hier zu suchen ist.

Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)

Schachen m. / Zunge f.

1A

Schachen geht auf ahd. scahho ‚Vorgebirg, Landzunge‘ (DWB 14 [VIII], 1958), mhd. schache sw.m. ‚einzeln stehendes Waldstück oder Vorsaum eines Waldes‘ (Lexer 2, 622) zurück. Als Wort ist Schachen, auch umgelautet Schechen, in oberdt. Dialekten gebräuchlich; in mitteldt. ist es untergegangen (DWB ebd.; SchwäbWb 5, 640; Buck 230; Weigand/Hirt 2, 662f.; Dittmaier 257). Auch in hessischen FlN scheint durchweg die Bedeutung ,Waldzunge, einzeln stehendes Waldstück‘ zugrunde zu liegen (vgl. Bach 2 § 362).

1B

Zunge, zu ahd. zunga, st.sw.f. ‚Zunge, Rede, Sprache‘ (Schützeichel 249), mhd. zunge st.sw.f. (Lexer 3, 1178) bezeichnet in FlN als Formname ‚ein zungenförmig sich in ein anderes vorschiebendes Geländestück‘ (Dittmaier 356), ist in dieser Bedeutung auch als Wort belegt (DWB 32 [XVI], 605) und als ,Landzunge‘ „uralt“ (Kluge/Mitzka 892). Da meist nicht zu entscheiden ist, ob die Form des Flurstücks oder die Geländeform die namengebende Eigenschaft aufwies, besteht nur eine schwache Beziehung zum Sachbezug von Schachen (sofern es sich nämlich um eine Waldzunge handelt), eine stärkere zu → Horn, Gehren, Keil, Spieß (K. 80, 62-65).

Die unverschobene Form /tuŋe/ (WaldWb 106) begegnet im niederdt. Sprachgebiet Hessens auch gelegentlich in FlN.

2A

Die Ein- und Ausgrenzung ist bis auf Einzelfälle unproblematisch. Die umgelautete Form Schechen scheint nur in dem unsicheren Beleg A: Schächtalswiese - D: /ʃeçdlsvi:ze/ (64l9c5 Hetzbach ODW) (oder zu FamN?) vorzuliegen. Zu „Schachgraben“ als Teilbezeichnung des Darmbachs bei Darmstadt vgl. Knöpp 14.

Die beiden Streubelege in 5121d2 Willingshausen SEK (D: //) und 4725b2 Abterode WMK (A: Schacherland) sind aufgenommen, wenngleich der letztere auch zu schachern i. S. von ,er- (ver-)schachertes Land‘ gehören könnte.

Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 68

Nachnutzung

Rechtehinweise

Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Specht-Zunge: die spechtszunge/ (Hüddingen)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/390944_die-spechtszunge> (aufgerufen am 05.11.2026)

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