Jochart: Auf der Jochart
Beleg
Standard-Flurname
Jochart
Belegort
Belegtyp
historisch
Belegzeit
19. Jahrhundert
Quelle
Staatsarchiv Darmstadt, O 61, Buxbaum. Konv. 1. · Anzeige im Hessischen Archivinformationssystem Arcinsys
Weitere Belege
Deutungen
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Jochart
Zu ahd. jûhhart, mhd. jiuchart, jûchart st. N. F. ‚ein Morgen Ackermaß‘, eigentlich ‚die Fläche, die mit einem Joch Ochsen an einem Tag gepflügt werden kann‘. Vermutlich eine Entlehnung aus gleichbedeutend lat. iūgerum, mit sekundär angefügtem Dental nach dem Muster von Wörtern wie mhd. egerte, egerde sw. F. ‚Brachland‘ (s. Egert). Bedeutung und o-Vokalismus dürften an ahd. joh, mhd. jiuch st. N. F. ‚Joch‘ angelehnt worden sein, für das ebenfalls die Bedeutung ‚Ackermaß‘ bezeugt ist. In der Mundart schwankt der Anlaut zwischen Verschlusslaut /g, k/ und Reibelaut /j/.
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Joch f., Jochert f.
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Joch, ahd. ioh, iuh, giuh n. (Graff 1, 591), mhd. jiuch st.n.f. (Lexer 1, 1481), und Jochert, ahd. iuchart (Graff 1, 592), mhd. jiuchart, jûchart st.n.f. (Lexer 1, 1481) bezeichnen ein altes Ackermaß, das einem Morgen (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 52) entspricht, „eigentlich die Fläche, die mit einem Joch Ochsen an einem Tage gepflügt werden kann“ (Dittmaier 121). Während Joch, urverwandt mit lat. iugum (Kluge/Mitzka 333), neben dem ,Ochsenjoch‘ auch ‚Bergjoch‘ u. ä. bedeuten kann und deshalb in FlN nicht immer eindeutig als Flächenmaß zu identifizieren ist, ist Jochert, urverwandt mit lat. iugerum, möglicherweise als Lehnwort aus dem Lat. übernommen, aber mit Bezug auf Joch umgedeutet (Kluge/Mitzka 334; DWB 10 [IV‚ II], 2269).
Als Ackermaß sind die Bezeichnungen Joch und Jochert heute in Hessen unbekannt (SHessWb 3, 963f.). KehreinWb 211 nennt Juchart n. „veraltet“.
Beide Wörter sind in FlN sprachlich sehr verschieden ausgeformt. Von den Joch-Namen mit (unsicherem) Joch, Juch und Jurch ist vor allem die auf *mhd. /ü:/ zurückgehende Variante mit den Formen Jeuch und Geuch u. ä. vertreten, wobei bei Jeucht, Jocht nicht klar ist, ob das /-t/ unorganisch angehängt oder Rest eines gekürzten Jochert-Namens ist. Neben Jochert kommt häufiger Gochert, auch Gogert vor, wie überhaupt der Wechsel zwischen Reibelaut /j/ und Verschlußlaut /g/ für den mündlichen Gebrauch beider Namen charakteristisch ist. Diese Unsicherheit ist jedoch nach Ausweis der Wörterbuchbelege alt.
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Vor allem die Joch-Namen bereiten Eingrenzungsschwierigkeiten, soweit das Ackermaß als namengebendes Motiv herausgearbeitet werden soll. Ausgeschieden wurde der Typ Juchhe u. ä. (< * Joch-höhe) sowie Jochhecke ‚ein Joch von kurzem Holze, das den Schweinen umgehangen wird‘ (DWB 10 [IV‚ II], 2332) und Joch(e)graben. Aufgenommen sind die südhessischen krumme Joch-Namen in 6118c1 Roßdorf DAD, 6317c1 Unter-Hambach BGS, 6318a7 Kirschhausen BGS, obwohl sie sich ebensogut auf die Gelände- oder Grundstücksform beziehen können. Bei Geuch kann Vermengung mit Gauch ‚Kuckuck‘ vorkommen.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 53
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Jochart: Auf der Jochart (Affhöllerbach)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/37464_auf-der-jochart> (aufgerufen am 03.11.2026)
Kurzform der URL für Druckwerke
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