Brunkel-Schlade: in der brunckellschlade
Beleg
Standard-Flurname
Brunkel-Schlade
Belegort
Belegtyp
historisch
Quelle
Staatsarchiv Marburg, Kataster, 1681
Weitere Belege
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Brunkel
Da der Name an sumpfigen und moorigen Stellen in Wiesen, Wäldern und Feldern haftet, ist er wohl als ‚Brunnen-Quelle‘ zu mhd. brunnen sw. M. und quel st. M. ‚Quelle‘ zu stellen (s. Belegreihe in Allendorf a.d.Lahn). Er steht dann mit ahd. brunchulle, frühnhd. brunqual ‚Quelle‘ in Verbindung. - Die Zugehörigkeit des Licher Belegs ist nicht sicher.
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Brunkel
Da der Name an sumpfigen und moorigen Stellen in Wiesen, Wäldern und Feldern haftet, ist er wohl als Brunnen-Quelle zu mhd. brunnen sw. M. und quel st. M. ‚Quelle‘ zu stellen. Er steht dann mit ahd. brunchulle, fnhd. brunqual ‚Quelle‘ in Verbindung. Im westlichen Odenwald bedeutet Brunkel allgemein ‚Sauerwiese‘
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Brunkel m. n. (f.)
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Die Etymologie von Brunkel ist unklar. Ein mhd. *brunkel ist nicht belegt. Dabei ist die Sachbedeutung von Brunkel unstrittig, denn es bezeichnet noch heute in weiten Teilen Hessens eine ‚sumpfige oder moorige Stelle, Sumpfloch in Wiese, Wald, Feld‘ (SHessWb 1, 1175; vgl. Vilmar 58; Crecelius 214; KehreinWb 98) und wird im Westen des Kreises Wetzlar als Bezeichnung für ‚eine nasse Stelle im Acker‘ (Wenzel 53f. und K. 61) gebraucht. Daneben gibt es das Adjektiv brunkelig ,sumpfig, moorig, trübe (SHessWb ebd.), ‚trübe, neblig‘ (WaldWb 16). Die heutige Sachbedeutung gibt Hinweise auf die Herkunft des Namens. Hier stehen sich zwei Ableitungen entgegen:
1. Verbindung mit Brink (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 70); so vorsichtig: DWB 2 [II], 431; Vilmar 58; Weigand/Hirt 1, 295; Wenzel 54;
2. Verbindung mit Brunnen (so allgemein Dittmaier 43), genauer: Herleitung aus brunnen-quelle (spätmhd.: Weigand/Hirt ebd.; Knöpp 18; Braun 1954a, 72; vgl. Keinath 41); frühnhd. brunqual ,Quelle‘ (Frühneuhochdeutsches Glossar 42).
Da → Brink in den (nord)hessischen Belegen eine ,Anhöhe‘ bezeichnet, ist die zweite Deutung wahrscheinlich: Das Grundwort -kel wohl < mhd. quël stm. zu quëllen mit /u/-Ausfall (Lexer 2, 320f.), also: ‚Ort, wo ein Brunnen (Born) (empor)quillt‘; vgl. gelegentlich gleichbedeutendes Bornsprung/Borngespring bei Frankenberg und Marburg (Leinweber 36 und K. 38). Zu vergleichen ist E. Alberus: Crater, ein born keel, womit der Schacht eines Tiefbrunnens gemeint ist (Kammer 81).
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Die Eingrenzung der Brunkel-Namen bereitet nur in den Fällen Schwierigkeiten, in denen der Stammvokal nicht /u/ oder /o/ ist. Die wenigen Fälle mit vorderen Vokalen (/i/, /e/) wurden mit aufgenommen, obwohl nicht ganz klar ist, ob es sich dabei - außer bei Diminutiven - um Umlaute handelt oder nicht. Brinkel ‚kleines hölzernes Gefäß mit spannbreitem Rand‘ (Vilmar 55; v. Pfister 34) oder rhein.-siegerländisch Brinkel, m. ‚kleine Talschlucht mit Quellen‘ (Dittmaier 42) könnten u. U. vermengt sein.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 117
Schlade f ./ Schleide f.
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Im abgebildeten Namentyp haben sich verschiedene Etymologien und Sachbedeutungen vermischt. Die weitaus häufigste Namenvariante die Schlade geht in ihrem nordhessischen Hauptverbreitungsgebiet in den meisten Fällen auf das dort noch heute bekannte Wort Schlade ‚Vertiefung zwischen zwei Bergen‘ (WaldWb 93), ‚ein Wiesengehängetal‘ (Kaerger/Sauer 18) zurück, das auch im Westfälischen als ,Talung, Bergschlucht‘ (Woeste 238), im Bergischen als ‚Einschnitt, Bergschlucht, schmales Tal zwischen Bergen, meist mit feuchtem Wiesengrund, aber auch mit Feldern auf fruchtbarem, tiefem Boden‘ (RheinWb 7, 1173; vgl. Leithaeuser 85f.) bekannt ist. Es geht wohl auf mnd. slât (slaeth, slatt) ,moorige Vertiefung, sumpfiger Ort‘ (Lasch/Borchling 3, 262; vgl. DWB 15 [XX], 263) zurück. Auch in Hessen scheint der Name sich bevorzugt auf feuchte, sumpfige Stellen im Grund bezogen zu haben (Arnold 521; Vilmar 351). Da hier Riedgräser wuchsen, konnte leicht Vermengung mit mhd. slâte sw.f. ,Schilfrohr‘ eintreten (Lexer 2, 964), das nhd. als Schlatte, Schlote, Schlotte u. ä. bekannt ist (DWB 15 [IX], 500f.). Wenn auch heute nicht mehr im hessischen Raum (vgl. HNassWb 3, 187, 211) nachzuweisen, sprechen doch zumindest mehrere kollektivierte FlN dafür, daß das Schilfrohr namengebend werden konnte.
Im Rheinfränkischen und Zentralhessischen, wo mhd. /ei/ zu /a:/ wurde (Wiesinger K. 15), kann Schlade auf ahd. *sleit ,Abhang‘, eine Substantivierung Zu mhd. belegtem slîten ,(herab)gleiten‘ (Bach 2 § 290; Lexer 2, 983) zurückgehen. FlN-Formen mit /ei/ sind in mhd. Quellen häufiger belegt und sind heute (nach Dittmaier 271) meist linksrheinisch. Auch in Hessen kommt Schleide ziemlich selten vor, ist manchmal anscheinend nur hyperkorrigierte amtliche Form von mündlichem /ʃla:de/. In Nord- und Osthessen, wo mhd. /ei/ zu /e:/ wird, kann auch die Variante Schlede auf *sleite zurückgehen.
Von den rezenten FlN her sind eindeutige Rückschlüsse auf den Sachbezug nicht möglich.
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Zu der unterschiedlichen etymologischen Herkunft der Namen treten durch die dialektale Differenzierung bedingte Ein- und Ausgrenzungsschwierigkeiten auf, die nur eine annähernde Erfassung der tatsächlich hierher gehörigen Namen erlauben. Ein sicheres Identifizierungsmerkmal ist das durchweg geltende fem. Genus. Dadurch können auch einige Belege einbezogen werden, bei denen dialektal der postvokalische Konsonant entfallen ist (/ʃlai, ʃla:/). Wenn solche Formen allerdings im BT von Namen auftraten, blieben die Belege wegen zu hoher Unsicherheit unberücksichtigt (Für die „Schleiwiese“ in 5718b2 Rendel WET vgl. Großkopf 1980, 4). Vermengung mit Schlag kommt mehrfach vor (Braun 1954a, 76). Vokallänge und -kürze gehen durcheinander, so daß dieses Merkmal nicht herangezogen werden kann. Die Kollektivbildungen sind aus formalen Gründen aufgenommen, obwohl sie in der Sache mit einiger Sicherheit auf die Bedeutung ,Schilfrohr‘ verweisen.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 91
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Brunkel-Schlade: in der brunckellschlade (Alleringhausen)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/373250_in-der-brunckellschlade> (aufgerufen am 02.11.2026)
Kurzform der URL für Druckwerke
https://lagis.hessen.de/resolve/de/fln/373250