Wolf-Schlucht: DIE WOLFSSCHLUCHT
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Schlucht
Schluft F. ‚Senke im Acker, Waldschneise‘ entspricht mit /f/-/ch/-Wechsel Schlucht, mhd. sluft st. F. Schlucht setzt sich erst seit dem 16. Jahrhundert durch.
Wolf
Wohl größtenteils zu ahd. mhd. wolf st. M. ‚Wolf‘. Die Namen erinnern an bezeugte oder vermutete Aufenthaltsorte der Tiere. Die große Bedeutung der Wölfe und das Ausmaß der oft eingebildeten Bedrohung für die Menschen spiegelt sich in der Häufigkeit der Namen, insbesonders in der Vielfalt der Kombinationstypen wider. So weisen etwa Wolfsgarten, -grube, -kaute oder -loch auf Fallen zum Fangen der Wölfe hin. Die Wolfsfurt ist der Name des alten Lahnübergangs am Hoppenstein im Zuge der karolingischen Weinstraße. Wo der FamN Wolf vorliegt, kann formal nicht festgestellt werden. Er ist auch historisch im Raum bezeugt. - Die Bedeutung von Wolf(s)zug ist unklar (s. Zug).
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Schlucht, Schluft f. / Klamm f.
- 1A
Die Schlucht/Schluft-FlN lassen sich auf ahd. sluht (Graff 6, 792), mhd. sluft st.f. ‚das Schlüpfen, die Schlucht‘ und sluoche f. ‚Graben, Schlucht‘ (Lexer 2, 990, 992) zurückführen. Dabei haben sich mehrere Bedeutungsvarianten vermischt. Schlucht/Schluft benennt sowohl ‚eine schmale Tiefe zwischen Felsen‘ (Kluge/Mitzka 659; Weigand/Hirt 2, 737) als auch allgemein ,Wasser(abzugs)gräben, Rinnen‘, vgl. mhd. wazzersluoht st.f. ,Wassergraben‘ (Lexer 3, 713).
Beim Lautwandel von -ft- > -ht-, -cht- hat sich aus Schluft im Moselfränkischen und westlichen Niederdt. das schriftdeutsche Schlucht entwickelt, das die ältere Form langsam verdrängt (Paul/Moser/Schröbler § 116, 2a, 4.).
Eine Weiterbildung ist das in Thüringen übliche Schlufter/Schluchter m., das einen Graben bezeichnet, der durch Gewitterregen oder Schneewasser entstanden ist (DWB 15 (IX), 795, 812f.), aber ebenso einen ‚Einschnitt im Gelände, Hohlweg‘ benennt (ThürWb 5, 706). Auch sonst ist die Bedeutung außerhalb Hessens ähnlich (vgl. RheinWb 7, 1383, 1393; SiegWb 267).
Als Wort ist Schluft in Mittel- und Nordhessen für ‚Senke im Acker, Waldschneise‘ und als Bezeichnung für einen ‚tief liegenden Waldwiesendistrikt‘ bekannt (HNassWb 3, 253). Während Kehrein Schlufter als Bezeichnung für ,Schlucht‘ nennt (KehreinWb 354), finden sich bei Crecelius und Vilmar keine Hinweise.
Die FlN Schlucht/Schluft benennen in Hessen enge Täler und Hohlwege (KehreinNb 544; vgl. auch Dittmaier 273), können aber auch Pässe benennen, so in: 4624c2 Ziegenhagen WMK „auf der Schluft“ ,Paß über den First des Kaufunger Waldes‘ (Kaerger/Sauer 24, 29).
- 1B
Die südhessischen Klamm-FlN lassen sich ableiten von ahd. klammjan ,klemmen‘ (Graff 4, 557), mhd. klamme st.f.‚ klam st.m. allgemein ‚Einengung, Klemmung‘, auch ,Bergspalte, Schlucht, enges Tal‘ (Lexer 1, 1603; DWB 11 (V), 935). Speziell im Oberdt. hat sich die Bedeutung ,Felsspalte mit Wildwasser‘ eingestellt (Kluge/Mitzka 373; Weigand/Hirt l, 1045).
Klamm ist auch als FlN hauptsächlich im oberdt. Sprachraum verbreitet und bezeichnet dort ,Bergspalten, Schluchten‘ u. ä. (Buck 138; Zink 138; Keinath 56).
Hessisch ist Klamm als FlN in geringer Anzahl nur für den südwestlichen Teil des Odenwaldes belegt und benennt auch hier ,Felsspalten oder Schluchten, schmale, enge Täler, und Hohlen‘ (SHessWb 3, 1363)
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 92
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Wolf-Schlucht: DIE WOLFSSCHLUCHT (Züschen)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/372119_die-wolfsschlucht> (aufgerufen am 03.11.2026)
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