Binse-Bühl: Jm bessell

Historischer Beleg aus Groß-Bieberau  
Gemeinde
Groß-Bieberau
Topografische Karten
KDR 100, TK25 1900 ff.
AEC416D7-3050-4A60-B27E-A826B70B90DD

Beleg

Standard-Flurname

Binse-Bühl

Belegort

Belegtyp

historisch

Belegzeit

1589

Quelle

Staatsarchiv Darmstadt, C 2, Nr. 68/3.

Weitere Belege

Deutungen

Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Bühl

Zu ahd. buhil, mhd. bühel st. M. ‚Hügel‘. Namengebend waren kleinere oder größere Bodenerhebungen. Häufiger begegnen die mittelhessische Dialektform /boil/ mit steigendem Diphthong und eine abgeschwächte Form, wenn Bühl als GT im Nebenton steht; vor allem Steimel u.ä.

Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Binse

Zu ahd. binuz st. M., mhd binez, binz st. M. sw. F. ‚Binse‘ (Juncus, Scirpus). Die Pflanzenbezeichnung ist aus dem Plural der historischen Formen gebildet. Die Variante Bense, Benz entsteht dabei durch Senkung des Stammvokals /i/ /e/. Ob die Binsen-, Binselberge hierher gehören, ist unsicher. Der Name Binselberg in Radheim und Raibach müsste dann eine Diminutivform sein, oder er gehört zum PN Benzilo.

Buhl

Die Bu(h)lau im Grenzbereich der drei Gemarkungen weist eine Erhöhung auf, sodass hier möglicherweise eine nichtumgelautete Variante zu mhd. bühel ‚Hügel‘ vorliegt.

Bühl

Zu ahd. buhil, mhd. bühel st. M. ‚Hügel‘. Namengebend waren kleinere oder größere Bodenerhebungen.

Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)

Binse f. / Rausch m.; Risch m.

1A

Die Binse, ahd. binuz, st.m. ‚Binse‘ (Karg-Gasterstädt/Frings 1, 1074), mhd. bineʒ, binʒ st.m. sw.f. (Lexer 1, 279) als Pflanzenname ist aus dem Plural der ahd. mhd. Formen gebildet (Kluge/Mitzka 78) und bezieht sich in FlN auf diesen Pflanzenbewuchs (Dittmaier 29).

In Hessen ist Binse mundartlich offenbar nur in Südhessen gebräuchlich (SHessWb 1, 857), ist dort meist gesenkt und zu /e:/ gedehnt. In FlN tritt häufiger als Kollektivum Binsich, Bensich auf.

1B

Der Rausch, auch Rauschen, kann nur mit Bedenken als Synonym für Binse hinzugenommen werden. Denn einmal werden mit Rausch sehr verschiedene Pflanzen bezeichnet (‚Binse, Mäusedorn, Brüsch, Preiselbeerstaude‘: Kluge/Mitzka 587; vgl. DWB l4 [VIII], 305); zum anderen ist eine sichere Trennung von Wörtern und Namen, die mit nhd. rauschen zusammenhängen wie z.B. die Rausche ,Zitterpappel‘ (DWB ebd.; vgl. Dittmaier 241) nicht möglich. So leitet auch KehreinNb 525 nassauische FlN Rauschen, Reuschen als ,dichtstehendes Buchengebüsch, von dem rauschenden Laub‘ ab (und verweist alternativ auf Rusch ,Rüster‘; vgl. HNassWb 2, 791). Nach Struktur und Verbreitung scheinen sich die meisten einschlägigen hessischen FlN aber auf Binsenvorkommen zu beziehen. Der Name geht dann auf mhd. rusch, rusche sw.f. ,Binse, Brüsch‘ (Lexer 2, 555) zurück, dem ein mnd. risch, risk (Schiller/Lübben 3, 487f.) entspricht. Letzteres ist in Waldeck als Risch und Riske noch sprachüblich (WaldWb 85; Vilmar 328; HNassWb 2, 873; DWB l4 [VIII], 1041), während Rusch, Rausch o.ä. als Wort in Hessen nicht nachzuweisen ist. Die diphthongierten Formen Rausch(en)‚ Räusch(en) sind vermutlich durch umdeutende Anlehnung an rauschen entstanden. Im Vogelsberg tritt der Name mehrfach als Bergname auf, so daß ein Zusammenhang mit (Stein-) Rausch nicht auszuschließen ist (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 98; vgl. Dittmaier 24l, 300ff.). Die gerundeten Rüschen-FlN könnten im Einzelfall zu dial. resch ,rauh, steil‘ gehören (Vilmar 324f., 327f.).

2B

Bei Rausch(en)- als BT ist nicht entscheidbar, ob der Name 2B sich von nhd. rauschen herleitet, was offensichtlich vielfach der Fall ist (z. B. Rauschenbach), oder nicht. Um den sicheren Mindestbestand von Rausch, Risch ,Binse‘ einzugrenzen, wurden nur Simplex- und GT-Belege berücksichtigt, obwohl auch die BT-Belege der monophthongischen Formen mit Sicherheit zugehörig sind.

Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 127

Bühl m.

1

Bühl geht zurück auf ahd. buhil st.m. (Karg-Gasterstädt/Frings 1, 1480), mhd. bühel st.m. ,Hügel‘ (Lexer 1, 379), mnd. bûl m. (Schiller/Lübben 1, 447).

Als Wort ist Bühl den hessischen Mundartwörterbüchern nicht mehr bekannt, wohl aber als FlN (KehreinWb 100; SHessWb 2, 1211; Vilmar 59; WaldWb 17).

Allgemein bezeichnet Bühl eher kleinere Bodenerhebungen (Arnold 339; Genzel 24; Schrickel 18). Bühl weist eine Fülle von Namenvarianten in hessischen FlN auf, wobei neben der Vokalvarianz (/i(:)/‚ /e(:)/, /ü(:)/, /oi/) vor allem auch verschiedene intervokalische Konsonanten (/g/‚ /ç/‚ /ʃ/‚ /d/) in Varianten auftreten.

2

Die Identifizierung der Namen bereitet Schwierigkeiten. Eine Reihe von Bühl-Namen ist wohl unter den meist als Simplex erscheinenden, assimilierten FlN auf -el verborgen. Eindeutig zum Namenbestand Bühl zuordnen kann man nur Steimel u. ä.‚ die auf Steinbühl zurückgehen. Hier kann allerdings in seltenen Fällen eine Überschneidung mit Steinmal vorliegen (Arnold 340; E. Christmann 1952, 116f.; Hänse 156; G. Müller 1985, 157). Außer Namen mit BT Stein- wurden keine anderen -el-Kombinationstypen berücksichtigt, da in den meisten Fällen der BT aus dem rezenten Namenbestand heraus nicht hinreichend gesichert erscheint.

In Waldeck kann es bei den Mundartformen mit intervokalischem /d/ (beudel, büdel) zu Überschneidungen mit ,Beutel‘ kommen (B. Martin 1984, 255f.; G. Müller 1985, 157); besonders im Kinzigraum, aber auch im übrigen Hessen können die Varianten mit intervokalischem /g/ (biegel, bügel) auf ,Bügel‘ zurückgehen (G. Müller 1985, 157; vgl. zum Zwischenkonsonanten /g/ auch HSS K. 203 und Textband 293f.).

Die spirantisierten Mundartvarianten /büʃel, biʃel/ können zu Büschel gehören oder umgelauteter Diminutiv von Busch sein. Sie wurden nur berücksichtigt, wo die amtliche Form eine Zuordnung nahelegte.

Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 71

Nachnutzung

Rechtehinweise

Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Binse-Bühl: Jm bessell (Groß-Bieberau)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/362549_jm-bessell> (aufgerufen am 06.11.2026)

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