Lache-Pfuhl: eim lachenpfuhl
Beleg
Standard-Flurname
Lache-Pfuhl
Belegort
Belegtyp
historisch
Quelle
Staatsarchiv Marburg Bestand Kat. I Nr. Obermöllrich B 1 · Anzeige im Hessischen Archivinformationssystem Arcinsys
Weitere Belege
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Lache
Lache kann sich in FlN auf zwei verschiedene Sachverhalte beziehen: Lache 1: Zu ahd. lah st. M., lahha sw. F. ‚Lache, Sumpf, Wassergraben‘, mhd. lâ st. F., lache sw. st. F. ‚Lache, Pfütze, Sumpf, Sumpfwiese‘, nhd. Lache, ‚stehendes kleineres Gewässer, Pfuhl; sumpfige Wiese; niedrig gelegener, oft überschwemmter Landstrich; flache Geländevertiefung; stehendes Wasser in einem alten Flussbett‘. Lache 2: Zu mhd. lâche, lâchene sw. F., nhd. Lache ‚Einschnitt, Kerbe in den Grenzbaum oder -stein; Grenzzeichen‘. Zur Grenzmarkierung dienten im Mittelalter Einkerbungen in bestimmten, meist auffälligen und hochwüchsigen Bäumen (mhd. lâchboum st. M. ‚Grenzbaum‘) oder Steinen (mhd. lâchstein st. M. ‚Grenzstein‘). Im Untersuchungsgebiet scheint durchweg die Bedeutung Lache 1 namengebend zu sein. Dabei bezieht sich der Name in Einzelfällen sogar auf ein fließendes Gewässer wie im Falle der Oberlache in Gießen-Wieseck. Nur in einigen Namen mit Lache als BT könnte auch eine Grenzmarkierung Anlass zum Namen gegeben haben.
Pfuhl
Zu ahd. pfuol, mhd. phuol st. M. ‚Pfuhl, Sumpf, Suhle‘. Wie nhd. Pfuhl zumeist eine Bezeichnung für Wasserlachen und kleinere stehende Gewässer. In Verbindung mit -acker, -wiese weisen die Namen allgemein auf feuchte Bodenverhältnisse hin. Dabei geht die mundartliche Variante /poul/ auf monophthongiertes /uo/ in mhd. phuol zurück (mit weitergehender Diphthongierung /u:/ > /ou/).
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Pfuhl
Zu ahd. pfuol, mhd. phuol st. M. ‚Pfuhl, Sumpf, Suhle‘. Wie nhd. Pfuhl zumeist eine Bezeichnung für Wasserlachen und kleinere stehende Gewässer. Daneben steht in Südhessen auch die Bedeutung ‚Jauche, Jauchetümpel‘. Die FlN sind aber fast immer auf die ursprünglichere Bedeutung bezogen. In Verbindung etwa mit -acker, -wiese weisen die Namen allgemein auf feuchte Bodenverhältnisse hin. Dabei geht die mundartliche Variante Pu(h)l auf monophthongiertes /uo/ in mhd. phuol zurück (mit weiter gehender Senkung zu Po(h)l). Für den Namen in Seeheim wird Herkunft aus einem PN Pühler, Püler vermutet
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Lache f.
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Das Wort Lache, ahd lacha f. (Graff 2, 100f.), mhd lache st.sw.f. (Lexer 1, 1808), mnd. lâke (lacke) f. (Lasch/Borchling 2, 723), ist umstrittener Herkunft: Teils wird Entlehnung aus dem Romanischen (< lat. lacus ,See‘) angenommen, teils germ. oder gall. Ursprung vermutet (Müller/Frings 295-298; DWB 12 [VI], 13; Kluge/Mitzka 417; Weigand/Hirt 2, 3; Dittmaier 175f.). Lache/Lake ist im größten Teil des dt. Sprachgebiets verbreitet und bezeichnet „ein stehendes kleineres Gewässer, Pfuhl, mundartlich mit mancherlei Nebenbedeutungen, in Nieder- und Mitteldeutschland heißt Lache gern eine sumpfige Wiese oder ein niedrig gelegener, der Überschwemmung häufig ausgesetzter Landstrich, eine geringe, lang hin sich ziehende Feldvertiefung, in der einmal Wasser stand (KehreinWb 253), oder auch das stehende Wasser in einem alten oder durch Austreten erbreiterten Flußbette“ (DWB ebd.).
Das Wort ist in Hessen, erweitert um die Bedeutungskomponente ‚flache Einsenkung im Gelände‘ (HNassWb 2, 2; SHessWb 4, 74; Crecelius 530), bis heute gebräuchlich, wenngleich, soweit es sich um Wasserstellen handelt, Pfütze (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 110) und Pfuhl (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 111) üblicher sind.
In hessischen FlN haftet der Name heute natürlich vielfach an trockengelegten Geländevertiefungen. Gerade die heutige Verteilung des Namens belegt darüber hinaus, daß es sich meist um ehemalige Nebenarme von Flüssen und Bächen handelt, eine Tatsache, auf die übrigens schon Arnold 523 hingewiesen hat. „Lache“ tritt als GewN im nördlichen Südhessen auf als Bach links zur Gersprenz, „Schifflache“ als Altmainarm südl. Hanau und zweimal als Altrheinarme „Großlache“ westl. Groß-Gerau auf.
Die unverschobene Form Lake erscheint resthaft auch im Oberdt., Lache ist gelegentlich auch mask. belegt (DWB ebd.).
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Nicht zugehörige Namen wie Li-lach und Bett-Laken können leicht ausgesondert werden.
l. Problematisch ist die Abgrenzung gegen mhd. lâche sw.f. ‚Einschnitt- Kerbe in den Grenzbaum od. -stein‚ überh. Grenzzeichen‘ (Lexer 1, 1807), wenn der Name als Simplex oder BT auftritt. Fälle wie „Lachelinde“ (5320b2 Ober-Ohmen VBK), „Lachgang“ (5118b3 Wehrda MBK, 6018c1 Urberach OFK), „Lachstein“ (5614b5 Nauheim LIW) sind einfach zugunsten von ,Grenz(zeichen)‘ zu entscheiden, aber bei den nicht ganz seltenen Lach(en)graben könnte z. B. bestenfalls die Sachprobe eine Klärung herbeiführen; dennoch wurde der letztere Kombinationstyp hier aufgenommen.
2. Vermengungen bestehen u. U. mit Loh (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 123) ,Gehölz‘, die mithilfe des Genus (z.B. /a:m dsi:lox/ ,Ziegen-loh‘ in 5517a4 Cleeberg GIE) oder der phonologischen Abweichung (z.B. A: hinter der Lachwiese – D:/luxvis/ ,Lohwiese‘ in 5517d1 Oberwetz LDK) bis auf einige unklare Fälle entschieden werden konnten.
3. Salzla(:)k(e) ,Salzlecke‘ wurde nicht aufgenommen, wohl aber Salzlache.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 108
Pfuhl m.
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Der Pfuhl, ahd. pful (Graff 3, 332) und pfuol (Weigand/Hirt 2, 417; Kluge/Mitzka 547), mhd. phuol st.m., Pl. phüele; md. phûl (Lexer 1, 268), mnd. pôl, pûl m. (Schiller/Lübben 3, 359) bezeichnet „im eigentlichen Sinne eine größere tiefere Pfütze“ (DWB 13 [VII], 1804). Für den Sprachgebrauch in Hessen stellt v. Pfister 212 fest: „In Niederhessen und südlich des Maines Puel, im Buchenlande Pôl, in den Lahngauen und der Wetterau Poul, gilt der Ausdruck meistens nicht sowol in schriftsprachlicher Bedeutung als ‚Sumpf, Lache, Pfütze‘, sondern eigens für die Jauche vom Viehe, wofür in nördlichem Lande doch mehr Adelsudde herschet.“ Das wird durch die Bedeutungsangaben in den rezenten hessischen Wörterbüchern gestützt (SHessWb 1, 813f.; HNassWb 2, 625; WaldWb (poul) 82), wenngleich heute südlich der Linie Biedenkopf-Staufenberg-Lauterbach-Gersfeld für ‚Jauche‘ Pfudel vorherrscht (HNassWb 3, 861f. und K. 31). In den hessischen FlN geht Pfuhl offensichtlich fast immer auf die ursprüngliche Bedeutung ‚Lache, Pfütze, kleiner Teich‘ (Dittmaier 228; Buck 206) zurück.
Die verschiedenen dialektalen Varianten von Pfuhl gehen aus von mhd. phuol, das teils zu /pu:l/, /po:l/, in Nordhessen stellenweise /pü:l/, monophthongiert wurde, teils in steigenden Diphthong [poul‚ paol] überging. Daneben gab es eine bereits mittelalterliche Nebenform mit kurzem Stammvokal /u/ am Mittelrhein und in der Wetterau (Weigand/ Hirt ebd.), die sich in heutigem mundartlichen /pul/, /pol/ erhalten hat. Außerdem kommt die Dialektvariante /pun/‚ /poin/ vor, deren /n/ entweder als Dissimilation oder aus dem Sg.Dat. zu erklären ist, falls neben dem in der Regel stark flektierten Pfuhl noch eine schwach reflektierte Nebenform anzusetzen ist: dafür sprechen Belege wie /em pi:len/ in 4722a2 Großenritte KSK u. a. (vgl. DWB 13 [VII], 1805). Auch die gelegentlich als FlN vorkommende Form Pudel (vgl. KehreinWb 313) ist vermutlich aus Pfuhl entstanden, indem älterem *pfuel ein /d/ eingeschoben wurde (DWB 13 [VII], 1804; Kluge/Mitzka ebd.; vgl. dagegen Dittmaier 236).
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Identifizierungsschwierigkeiten ergeben sich vor allem bei der Variante /paul/, weil sie z. T. gleichlautend mit dem PN Paul ist. Belege mit /paul/ u. ä. als Simplex und GT wurden deshalb aufgenommen, /paul(s)-/ als BT hingegen nicht.
Im Bereich des Limes kann sich /po:l/ im Einzelfall auch auf den „Pfahlgraben“ beziehen. Vereinzelt scheint auch der Volksname der „Polen“ namengebend gewesen zu sein (z.B. „bei den toten Polen“ 4323a1 Gieselwerder KSK u. a.). Bei /poil/-Formen könnte gelegentlich /boil/ ‚Bühl‘ (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 71) zugrunde liegen.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 111
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Lache-Pfuhl: eim lachenpfuhl (Obermöllrich)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/352391_eim-lachenpfuhl> (aufgerufen am 04.11.2026)
Kurzform der URL für Druckwerke
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