Ger-Hecke: auf der goehrhecke

Historischer Beleg aus Oberbeisheim  
Gemeinde
Knüllwald
Topografische Karten
KDR 100, TK25 1900 ff.
AEC416D7-3050-4A60-B27E-A826B70B90DD

Beleg

Standard-Flurname

Ger-Hecke

Belegort

Belegtyp

historisch

Quelle

Geschichtsverein, Kataster, 1774

Weitere Belege

Deutungen

Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Ger

Zu ahd. gêr ‚Speer‘, mhd. gêr, gêre st. sw. M. ‚Wurfspieß; keilförmiges, wurfspießförmiges Stück (am Gewand), Schoß, Saum‘. Es handelt sich um einen FormN in Anlehnung an die dreieckige Form der Speerspitze bzw. des Stoffbesatzes als Zwickel. Häufig erscheinen Formen mit Hebung des Stammvokals von /e:/ zu /i:/.

Hecke

Zu ahd. hegga ‚Wall, Schanze‘, mhd. hecke, hegge, heck st. sw. F. ‚Hecke‘; bedeutet in den westmitteldt. Dialekten nicht nur ‚lebender Zaun‘, sondern auch ‚Gebüsch, Gestrüpp; Buschwald‘. Die FlN beziehen sich in erster Linie auf künstlich gezogene, lebende Umzäunungen, die zur Eingrenzung von Flurstücken oder, in älterer Zeit, zur klein - wie großräumigen Befestigung dienten: Dörfer und Gehöfte waren oft von Hainbuchenzäunen umgeben, Landwehren aus undurchdringlichen Heckenstreifen, sog. Gebücken (s.d.), gebildet. Daneben verweisen viele Namen aber auch auf einzeln stehendes Strauchwerk und Dorngestrüpp in der Feldflur, vor allem aber auch forstlich genutzte Waldstücke mit Busch- oder Niederwald. Bei den älteren Namen ist eine sichere Unterscheidung zwischen Hecke und dem verwandten Hege nicht immer möglich.

Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Ger

Zu ahd. gêr ‚Speer‘, mhd. gêr, gêre st. sw. M. ‚Wurfspieß; keilförmiges, wurfspießförmiges Stück (am Gewand), Schoß, Saum‘. Es handelt sich um einen FormN in Anlehnung an die dreieckige Form der Speerspitze bzw. des Stoffbesatzes als Zwickel. Häufig erscheinen Formen mit Hebung des Stammvokals von /e/ zu /i/ bzw. Rundung zu /œ/. Hierher gehört möglicherweise auch girrung (Zellhausen) als Weiterbildung mit dem Suffix -ung. Beeinflussung durch gäh ‚steil, abschüssig‘ liegt wohl in Lengfeld vor. Fraglich ist die Zugehörigkeit des Belegs aus Mosbach; aber die Senkung /e/ > /ɒ/ begegnet öfter (Alsbach, Nauheim).

Hecke

Zu ahd. hegga ‚Wall, Schanze‘, mhd. hecke, hegge, heck st. sw. F. ‚Hecke‘, bedeutet in den westmitteldt. Dialekten nicht nur ‚lebender Zaun‘, sondern auch ‚Gebüsch, Gestrüpp; niederer Buschwald‘. Die FlN beziehen sich in erster Linie auf künstlich gezogene, lebende Umzäunungen, die zur Eingrenzung von Flurstücken oder, in älterer Zeit, zur klein- wie großräumigen Befestigung dienten: Dörfer und Gehöfte waren oft von Hainbuchenzäunen umgeben, Landwehren aus undurchdringlichen Heckenstreifen, sog. Gebücken (s. d.) gebildet (vgl. z. B. Eberstadt). Daneben verweisen viele Namen aber auch auf einzeln stehendes Strauchwerk und Dorngestrüpp in der Feldflur, vor allem aber auf forstlich genutzte Waldstücke mit Busch- oder Niederwald. Bei den älteren Namen ist eine sichere Unterscheidung zwischen Hecke und dem verwandten Hege nicht immer möglich (s. Leeheim, Trebur). An Verkleinerungsformen erscheinen sowohl Heckel als auch die Weiterbildung Heckelchen.

Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)

Ger m.

1

In den FlN-Formen Ger, Gehren haben sich zwei Wörter unterschiedlicher Bedeutung vermischt: Zu ahd. gêr st.m. ‚Speer‘ (Schützeichel 68) besteht ahd. eine Ableitung gêro m., mhd. gêr, gêre sw.st.m. (auch f.) mit den Hauptbedeutungen ,keil-(wurfspieß-)förmiges Stück‘, ,keilförmiges Zeugstück am Gewand unterhalb des Gürtels‘ und daraus ,Schoß‘ (Graff 4, 225; Lexer 1, 869; Weigand/Hirt 1, 656, 684; Kluge/Mitzka 242, 249; DWB 5 [IV‚ I, 2], 2542ff.). Diese Wortbedeutungen waren auch in Hessen gebräuchlich (KehreinWb 156); Vilmar 124 betont die Komponente ,Schooß des Weiberkleides, ..., Zwickel‘, während v. Pfister 78 hervorhebt, daß das Wort „als Benennung gewisser Liegenschaften“ „hie und da noch ganz lebendig als wol verstandene Bezeichnung“ existiert. Heute erscheint das Wort in Hessen nur noch vereinzelt, z.T. in Spezialbedeutungen (SHessWb 2, 1263f.).

Als FlN bezeichnet Gehr(en) in Hessen wie anderswo durchweg ein dreieckig keilförmig zulaufendes Grundstück (Dittmaier 87), wobei im Einzelfall nicht entschieden werden kann, ob die bildliche Übertragung von den Vorstellungen ,Wurfspieß‘ oder ,Zwickel‘ usw. abgeleitet ist. Auch die Art der Flexion gibt hier wenig Anhaltspunkte, da die Formen sich früh vermengt haben und weiter dialektal verändert wurden. Eine fem. Nebenform, die von DWB 5 [IV‚ I, 2], 2551 als alt angesehen wird, kommt in hessischen Gehr(en)-Namen mehrfach vor.

2

Bei der Hauptmasse der Belege gibt es keine Ein- und Ausgrenzungsprobleme. Kritisch sind Belege mit Gehren- als BT, weil hier im Einzelfall der PN Gero zugrunde liegen kann; vor allem aber als stark flektierter BT in Namen vom Typ Gerswiese, Giersbom u.ä., weil sowohl die Ableitung von gêr st.m. wie von einem PN/ FamN oder auch (im Monophthonggebiet) von Geier in Frage kommt. Heikel sind ferner die nicht seltenen Gerbäche, die z. T. wohl *Gerbbäche sind: sie wurden aufgenommen, wenn die sprachlich-formalen Voraussetzungen für die Identifizierung als *Ger-bach gegeben waren.

Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 63

Nachnutzung

Rechtehinweise

Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Ger-Hecke: auf der goehrhecke (Oberbeisheim)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/351289_auf-der-goehrhecke> (aufgerufen am 05.11.2026)

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