Weibel-Bette: ie weibelsbette

Historischer Beleg aus Großenenglis  
Gemeinde
Borken (Hessen)
Topografische Karten
KDR 100, TK25 1900 ff.
AEC416D7-3050-4A60-B27E-A826B70B90DD

Beleg

Standard-Flurname

Weibel-Bette

Belegort

Belegtyp

historisch

Quelle

Staatsarchiv Marburg, Flurbuch, 1772

Weitere Belege

Deutungen

Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Weibel

Zum FamN Weibel oder zu der zu Grunde liegenden Amtsbezeichnung mhd. weibel st. M. ‚Gerichtsbote‘.

Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Weibel

Zum FamN Weibel oder zu der zu Grunde liegenden Amtsbezeichnung mhd. weibel st. M. ‚Gerichtsbote‘.

Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)

Bett n.f. / Beet n.f.

1

Der in Hessen häufige FlN geht mit seinen beiden Hauptvarianten auf ahd. betti u. ä. st.n. ‚Lager, Bett‘ (Karg-Gasterstädt/Frings 1, 935ff.), auch ,Beet‘, mhd. bette, bet(t) st.n.‚ auch ,Feld-‚ Gartenbeet‘ (Lexer 1, 242) zurück. Die Wörter Beet und Bett haben also die gleiche Ausgangsform und wurden erst frühnhd. geschieden, wobei Beet wohl aus dem apokopierten mhd. bet entstanden ist (Weigand/Hirt 1, 176f.). „Die schriftsprachliche Scheidung von Beet und Bett scheint aus Mitteldeutschland zu stammen.“ (Kluge/Mitzka 59; vgl. DWB 1 [I], 1245). Daraus ergibt sich die Frage, ob die heutige Verteilung von Bett und Beet in hessischen FlN etwas zur Erhellung dieses (verhältnismäßig unklaren) sprachgeschichtlichen Befunds beitragen kann.

Als Wörter sind Beet und Bett in Hessen mit dem standardsprachlichen Bedeutungsunterschied natürlich allgemein gebräuchlich (SHessWb 1, 646, 738ff.). Als Maßeinheit von ¼ Juchart (DRWb 1, 1364) ist Bett/ Beet in Hessen nicht belegt.

In FlN beziehen sich Beet und Bett gleichermaßen auf ,Acker-, Gartenbeet‘ (Crecelius 154), nach H. Jäger 32f. auch auf Einheiten der Hochäcker. Von der Mitte nach Norden fortschreitend, tritt eine in den Wörterbüchern nicht belegte fem. Genusvariante die bette häufiger auf (ein historischer Beleg dafür E. 14. Jh.: Dittmaier 27). Es gibt jedoch keine sprachlichen und sachlichen Anhaltspunkte, daß diese fem. Form zu dem im nordöstlichen Niedersachsen vorkommenden die Beete ‚sumpfige Weide‘ gehört (Scheuermann 27; Hessmann 193f.).

2

1. Abgrenzungsschwierigkeiten gegenüber Bett ,Bett‘ ergeben sich nicht, da Bett in dieser Bedeutung charakteristische Kombinationstypen (Bettzieche u. ä.) aufweist. Nicht berücksichtigt wurden Bett-FlN in der Bedeutung ,Bach-‚ Flußbett‘ (z. B. „Ohmbett“ 5118b4 Ginseldorf MBK), auch nicht die unsicheren Wasserbett, Flutbett.

2. Bei der Beet-Variante kann mhd. bëte ,Abgabe‘ (Lexer 1, 235) insbesondere bei Vorkommen im BT vorliegen. Sichere sprachliche Abgrenzungskriterien gibt es nicht; die Zahl der Zweifelsfälle ist aber gering und betrifft hauptsächlich die wenigen südhessischen Beet-Belege. Batten-(BD)-Namen wurden nicht aufgenommen, da nur ein Belegort (5426d2 Hilders FUL) im osthessischen Gebiet der Senkung /e/ > /a/ liegt.

Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 49

Weiher; Weiwer, Weimer m. (n.)

1

Weiher, ahd. wîwâri st.m. (Schützeichel 239), auch wihari, wîari (Graff 1, 1087), mhd. wîwӕre, wîwer, wîher, wîger, wîӕere, wîer st.m. (Lexer 3, 957), ist aus lat. vivarium ,Tierbehältnis, -garten, Fischbehälter‘ entlehnt und gehört zur ältesten Schicht unserer Lehnwörter (Müller/Frings 506f.; DWB 28 [XIV, I, 1], 687; Kluge/Mitzka 847). Im Dt. schränkt sich die Bedeutung auf ,Teich‘, insbesondere ,Fischteich‘ ein; als Wort gilt Weiher im Oberdt. und Fränkischen gegenüber nördlichem Teich. In Hessen galt es bis zu einer Linie Siegen-Holzhausen-Marburg-Fulda-Hof (Kretschmer 523), nach Vilmar 444 ist „dieses Wort nur im Fuldaischen üblich“, nach Ausweis von FlN sei es früher auch im „östlichen Hessen“ üblich gewesen. Sowohl als Wort wie als FlN bezieht sich Weiher in Hessen vorwiegend auf natürliche oder künstlich angelegte Fischteiche (vgl. Dittmaier 335f.), deren Zu- und Abfluß durch Wehranlagen zu regulieren ist; zur Teichwirtschaft in Hessen s. Demandt l, 656f.

Die zeitliche Schichtung dieser Weiher-Namen ist schwer zu beurteilen, doch sind - nach dem Kombinationstyp zu urteilen - nur wenige wirklich junge Namen darunter (wie Forellen-, Badeweiher).

Hier sind auch Varianten Weiwer, auch hyperkorrekt mit umdeutendem Verschlußlaut Weiber (Dittmaier 335), sowie Weimer berücksichtigt. Während die Variante mit binnenvokalischem /v/, /b/ als Fortsetzung der seit dem Ahd. belegten Form wîwâri zu betrachten ist, die im übrigen weit verbreitet auftritt, scheint die Variante mit binnenkonsonantischem /m/ durch Dissimilation des spirantischen Labials /v/ zum nasalen Labial /m/ entstanden zu sein. Allerdings belegt das Summarium Heinrici d ein winwer ‚vivarium‘, das von Müller/Frings 507 für eine Verschreibung gehalten wird, möglicherweise aber die Ausgangsform für Weimer (mit Assimilation /nw/ > /m/) war (vgl. u. 2.4). Diese Form scheint nur in Hessen vorzukommen, ist heute im Wortgebrauch nicht mehr nachzuweisen (HNassWb mündl.), wird aber von Crecelius 901 als der Waëmer kurz erwähnt.

Weiwer und Weimer, amtl. öfter auch Weimar, weisen Varianten auf in bezug auf den Stammvokal (Diphthong /ai/ vs. Monophthong /i(:)/) und auf die Endung, die manchmal anscheinend Dissimilation /r/ > /l/ erfahren bzw. den Schlußkonsonanten verloren hat. Sachentsprechendes Teich ist als Wort und Name in Hessen allgemein verbreitet.

2

Die Identifizierung einiger Varianten enthält einen hohen Unsicherheitsfaktor.

1. Bei Weimer waren nicht nur die FlN auszusondern, die sich auf den SN Weimar (4622d1 Weimar KSK, 5218d1 Oberweimar MBK, 5218d2 Niederweimar MBK, 52l8d6 Cyriaxweimar MBK) beziehen. Bei Weimer-‚ Wi(:)mer- als BT muß darüber hinaus mit einer Herleitung von einem PN oder FamN gerechnet werden. Das ist bei Weimert(s)-Namen so wahrscheinlich, daß sie ausgeschieden wurden. Ganz sichere Belege sind nur die mit Weimer als GT oder als Simplex.

2. Bei Weiber, Weiwer wurde nach dem Kombinationstyp entschieden, um auf Weiber ,Frauen‘ bezogene Namen auszuscheiden (wie z. B. Weiberhemd als Formname). Auch hier blieben Formen wie Weibert(s) unberücksichtigt.

3. Unsicher bleiben auch die Typen Weimel, Weiwel u.ä., weil die Dissimilation zu /l/ zwar nach den Strukturtypen plausibel ist, letztlich bislang aber nicht sicher nachweisbar ist. Bei Weibel kann auch Vermengung mit Weibel ,Gerichtsbote‘ vorkommen, obwohl diese Bezeichnung in Hessen nicht üblich gewesen zu sein scheint (vgl. DWB 28 [XIV, I, 1], 377ff.).

4. Hinzuweisen ist auf den Typ /waive:r/, der amtl. durchweg mit wiedergegeben wird (in 4917b2 Battenberg (Eder) WFK, 5019b4 Langendorf MBK, 5117a4 Mornshausen a. D. MBK, 5117a5 Hommertshausen MBK, 5117c4 Buchenau (Lahn) MBK, 5118c1 Cölbe MBK, 5119b1 Kirchhain MBK, 5218a8 Niederwalgern MBK). Hier scheint umdeutende Anlehnung an Wehr vorzuliegen (s.o. 1).

Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 112

Nachnutzung

Rechtehinweise

Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Weibel-Bette: ie weibelsbette (Großenenglis)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/333659_ie-weibelsbette> (aufgerufen am 03.11.2026)

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