Sau-Frasen: AM SAUFRASEN
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Sau
Die Namen beziehen sich durchweg auf die Schweinehaltung: ahd. mhd. sû st. F. ‚Sau‘ und bezeichnen Aufenthaltsorte und Wege (Saubrücke) über die die Tiere getrieben wurden. Zuweilen war auch das Wildschwein namengebend. Die FlN Saumagen und Saurüssel beziehen sich hingegen auf die Grundstücksform. Saureuse bezieht sich auf einen Ort, an dem Schweine reusen ‚wühlen‘.
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Sau
Die Namen beziehen sich durchweg auf die Schweinehaltung: ahd. mhd. sû st. F. ‚Sau‘. Bei manchen Namen wie Saufang war das Wildschwein namengebend, bei manchen wie bei Saulache und Sauwuhl kommen beide Möglichkeiten in Betracht. Die Bedeutung der Schweinehaltung spiegelt sich auch in den verschiedenartigen FormN, die sich auf das Schwein beziehen, vor allem Saumagen (ein junger Name), Saukopf und Sauschwanz. Der FlN in Hetschbach erinnert an einen Schweinehirten namens Valentin und die ihm überlassene Nutzung.
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Frasen m. f., Rasen m.
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Frasen und Rasen gehen auf mnd. wrase m. (Schiller/Lübben 1 5, 778) zurück und bedeuten wie Wasen (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 30) ‚feuchter Boden, Rasenstück, Rasenfläche‘ (DWB 30 [XIV‚ II], 1680). Die im Waldeckischen noch heute geltende Form [fra:ze] f. (WaldWb 35; B. Martin 1925, 215; Vilmar 108; v. Pfister 331) mit stimmlosem Anlaut (B. Martin 1925, 71) ist auch in den westlichen Anschlußräumen Westfalens (Woeste 308) und des Rheinlands (RheinWb 2, 735; Dittmaier 78) verbreitet, wobei das Genus zwischen mask. und fem. schwankt (Vilmar 108 gibt nur mask. an). Im Göttinger Raum und im Siegerland ging der frikative /fr/-Anlaut in den Explosivanlaut /br/ über (SiegWb 29; Weigand/Hirt 2, 530), wofür es in hessischen FlN aber nur einen Beleg gibt. Der Stammvokal wechselt zwischen Länge und Kürze, ist im waldeckischen Wortgebrauch lang.
Rasen ist durch Ausfall des anlautenden Reibelauts wohl im 13./14. Jh. als rase, rasen sw.m. (Lexer 2, 343) entstanden, lange auf das Ostmitteldt. beschränkt (Kluge/Mitzka 583) und dringt im 16./17. Jh. vor. Die Form setzt sich vor allem in der Schriftsprache durch, so daß schon Alberus das Wort aufnimmt (DWB 14 [VIII], 130f.; vgl. SHessWb 4, 1235). Ob und inwieweit Rasen in Teilen Hessens auch als Wort gebräuchlich wurde, ist unklar. Die Aussage Vilmars 108: „Das gemeinhochdeutsche Wort Rasen ist nirgends volksüblich“ ist, jedenfalls nach den hessischen FlN-Belegen zu urteilen, skeptisch einzuschätzen. Auch Rasen weist in den mündlichen Formen des FlNs unterschiedliche Vokallänge auf. Bei den /re(:)se(n), röse/-Formen ist nicht entscheidbar, ob singularischer Umlaut oder Plural-Umlaut vorliegt. Vgl. Wasen (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 30).
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 31
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Sau-Frasen: AM SAUFRASEN (Fritzlar)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/331735_am-saufrasen> (aufgerufen am 04.11.2026)
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