Schind-Frasen: Schind-Frasen [schengfroose]

Rezenter Beleg aus Densberg  
Gemeinde
Jesberg
Topografische Karten
KDR 100, TK25 1900 ff.
AEC416D7-3050-4A60-B27E-A826B70B90DD

Beleg

Standard-Flurname

Schind-Frasen

Belegort

Belegtyp

rezent

Deutungen

Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Schind

Den Namen liegt das starke Verb schinden, ahd. skinten, skinden, mhd. schinden, schinten ‚enthäuten, schälen‘ bzw. die davon abgeleitete Tätigkeitsbezeichnung Schinder ‚Abdecker‘, mhd. schinder st. M. ‚Rindenschäler, Schlächter; Straßenräuber‘ zu Grunde. Der bei weitem vorherrschende Sachbezug in mittelhess. FlN ist die Abdeckerei, sind besonders die Orte, wo das tote Vieh bearbeitet und die Tierreste und Kadaver vergraben wurden. Ein Bezug zur Tätigkeit des Rindenschälens ist nirgends nachweisbar. Sprachlich weisen viele Schind-Namen Assimilation /nd/ > /n/ auf. - Der FlN Schind(e)gaul bezieht sich auf schwer zu bearbeitende Landstücke, auf denen das Pferd ‚geschunden‘ werden musste. Das namengebende Motiv für Schindbock ist unklar; es sei denn, es handle sich um eine Kürzung von Schindelbock ‚Holzgestell zum Zuschneiden der Schindel‘.

Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)

Frasen m. f., Rasen m.

1

Frasen und Rasen gehen auf mnd. wrase m. (Schiller/Lübben 1 5, 778) zurück und bedeuten wie Wasen (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 30) ‚feuchter Boden, Rasenstück, Rasenfläche‘ (DWB 30 [XIV‚ II], 1680). Die im Waldeckischen noch heute geltende Form [fra:ze] f. (WaldWb 35; B. Martin 1925, 215; Vilmar 108; v. Pfister 331) mit stimmlosem Anlaut (B. Martin 1925, 71) ist auch in den westlichen Anschlußräumen Westfalens (Woeste 308) und des Rheinlands (RheinWb 2, 735; Dittmaier 78) verbreitet, wobei das Genus zwischen mask. und fem. schwankt (Vilmar 108 gibt nur mask. an). Im Göttinger Raum und im Siegerland ging der frikative /fr/-Anlaut in den Explosivanlaut /br/ über (SiegWb 29; Weigand/Hirt 2, 530), wofür es in hessischen FlN aber nur einen Beleg gibt. Der Stammvokal wechselt zwischen Länge und Kürze, ist im waldeckischen Wortgebrauch lang.

Rasen ist durch Ausfall des anlautenden Reibelauts wohl im 13./14. Jh. als rase, rasen sw.m. (Lexer 2, 343) entstanden, lange auf das Ostmitteldt. beschränkt (Kluge/Mitzka 583) und dringt im 16./17. Jh. vor. Die Form setzt sich vor allem in der Schriftsprache durch, so daß schon Alberus das Wort aufnimmt (DWB 14 [VIII], 130f.; vgl. SHessWb 4, 1235). Ob und inwieweit Rasen in Teilen Hessens auch als Wort gebräuchlich wurde, ist unklar. Die Aussage Vilmars 108: „Das gemeinhochdeutsche Wort Rasen ist nirgends volksüblich“ ist, jedenfalls nach den hessischen FlN-Belegen zu urteilen, skeptisch einzuschätzen. Auch Rasen weist in den mündlichen Formen des FlNs unterschiedliche Vokallänge auf. Bei den /re(:)se(n), röse/-Formen ist nicht entscheidbar, ob singularischer Umlaut oder Plural-Umlaut vorliegt. Vgl. Wasen (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 30).

Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 31

Nachnutzung

Rechtehinweise

Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Schind-Frasen: Schind-Frasen (Densberg)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/326215_schind-frasen> (aufgerufen am 03.11.2026)

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